Abschlusskonferenz April 2024 / Final Conference April 2024: Information
— English information below —
Save the Date!
Die Abschlusskonferenz “Theater: Zwischen Krisen” der DFG-Forschungsgruppe “Krisengefüge der Künste” findet am 25. und 26. April 2024 in der Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München Nymphenburg statt.
Anmeldungen werden bereits jetzt unter krisengefuege@lmu.de entgegen genommen!
Das Programm finden Sie hier online als auch als Download.
Das Book of Abstracts finden Sie hier online als auch als Download.
Wissenschaftler:innen der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Leibniz Universität Hannover, dem Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth, der Universität Münster und der Universität Hildesheim untersuchen seit 2018 den institutionellen Wandel in den darstellenden Künsten.
Zum Projektabschluss möchten wir nun die Ergebnisse der letzten Jahre präsentieren und Einblicke in aktuelle ästhetische, kulturpolitische und organisationale Entwicklungen der Kulturlandschaft im In- und Ausland geben. Hierfür bringen wir Akteur:innen der darstellenden Künste, Politiker:innen und Mitarbeiter:innen der Kulturverwaltungen mit Wissenschaftler:innen aus den Bereichen Theater- und Musiktheaterwissenschaft, Politikwissenschaft, Arbeitswissenschaft sowie Kulturmanagement zusammen.
Ziel ist es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse in Vorträgen, Diskussionen und offenen Tischgesprächen nicht nur in den akademischen Diskurs zu bringen, sondern diese im Sinne eines Wissenstransfers auch für die Praxis zugänglich zu machen und zur Diskussion zu stellen. Wir möchten in verschiedenen diskursiven Gesprächsformaten mit den Konferenzteilnehmer:innen und eingeladenen Expert:innen aus dem Kultursektor in Austausch kommen und strukturelle Veränderungen, politische Anforderungen und neue ästhetische Entwicklungen diskutieren und einen konstruktiven Raum für Begegnungen und gemeinsame Ideen und Initiativen schaffen.
Weitere Informationen zur Forschungsgruppe, den einzelnen Teilprojekten und bisherigen Forschungsleistungen und Publikationen finden Sie hier auf unserer Website.
Ganz besonders ans Herz legen möchten wir Ihnen die Sammelpublikation “Cultural Governance – Legitimation und Steuerung in den darstellenden Künsten” die als Open Access unter diesem Link zur Einstimmung online gelesen oder als PDF heruntergeladen werden kann!
Hier können Sie den Flyer herunterladen!
Wir freuen uns auf Sie!
Save the Date!
The final conference “Theatre: Between Crises” of the DFG Research Group “Configurations of Crisis” will take place on the 25th and 26th of April 2024 at the Carl Friedrich von Siemens Stiftung in Munich Nymphenburg.
Registrations are already being accepted at krisengefuege@lmu.de!
The conference schedule can be found and downloaded here.
The book of abstracts can be found and downloaded here.
Researchers from Ludwig-Maximilians-Universität München, Justus Liebig University Giessen, Leibniz University Hannover, the Research Institute for Music Theatre Studies at the University of Bayreuth, the University of Münster and the University of Hildesheim have been investigating institutional changes in the performing arts since 2018.
To conclude the project, we would like to present the results of the last six years and provide insights into current aesthetic, cultural policy and organisational developments in the cultural landscape in Germany and abroad. To this, we are bringing together actors in the performing arts, politicians and employees of cultural administrations with academics from the fields of theatre- and music theatre studies, of politics- and labour studies as well as of cultural management.
The aim is not only to bring academic findings into the academic discourse in lectures, discussions and open talks, but to make them accessible to practitioners and put them up for discussion in the sense of knowledge transfer as well. In various discursive dialogue formats, we would like to exchange ideas with conference participants and invited experts from the cultural sector and discuss structural changes, political requirements and new aesthetic developments and create a constructive space for encounters and joint ideas and initiatives.
Further information on the research group, the individual sub-projects and previous research achievements and publications can be found here on our website.
We would particularly like to recommend the collective publication “Cultural Governance – Legitimation und Steuerung in den darstellenden Künsten”, which can be read online or downloaded as a PDF as open access under this link!
We look forward to seeing you!
Downloads
Programm / Conference Schedule
Donnerstag, 25. April 2024
08.30 Uhr
Ankommen und Kaffee
09.00 Uhr
Begrüßung & Vortrag vom Sprecher der Forschungsgruppe Christopher Balme
09.45 Uhr
Verzvilgesellschaftung des Theaters: Veränderung von Institution und Management
Annette Zimmer, Eckhard Priller, Svea Nübel
Universität Münster
10.45 Uhr
Kaffeepause
11.00 Uhr
Theater nach Corona? Ergebnisse des Corona-Querschnittsprojektes
Thomas Fabian Eder, Christopher Balme
Ludwig-Maximilians-Universität München
12.00 Uhr
Diskursives Gesprächsformat (Foyer)
12.45 Uhr
Mittagspause
14.00 Uhr
Narrative im Wandel – aktuelle Transformationsdynamiken in den Theaterprogrammen in Deutschland, England und der Schweiz
Bianca Michaels, Angelika Endres
Ludwig-Maximilians-Universität München
15.00 Uhr
Kaffeepause
15.15 Uhr
Becoming Public! Governance und Audience Development-Strategien für Teilhabe am öffentlichen Theater in Deutschland, Frankreich und England
Birgit Mandel, Maria Nesemann
Universität Hildesheim
16.15 Uhr
Diskursives Gesprächsformat (Clubraum)
17.00 Uhr
Podiums-Panel „Synergien der Zusammenarbeit“
mit
Axel Haunschild, Institut für Interdisziplinäre Arbeitswissenschaft der Leibnitz Universität Hannover
Maria Nesemann, Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim
Angelika Endres, Institut für Theaterwissenschaft der LMU München
Benjamin Hoesch, Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen
Annette Zimmer, Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster
18.00 Uhr
Assoziierten-Forum
mit
Hilko Eilts, Hochschule Hannover
Thomas Heskia, Leuphana Universität Lüneburg
Alexandra Manske, Soziologin in Berlin
Katja Meroth, Institut für Theaterwissenschaft der LMU München
(Foyer)
19.30 Uhr
Ende
Optionales Abendprogramm, weitere Informationen folgen zeitnah!
Freitag, 26. April 2024
09.00 Uhr
Ankommen und Kaffee
09.30 Uhr
Entwicklungen der Musiktheater-Vermittlung. Alles beim Alten oder neue Wege seit der Pandemie?
Sebastian Stauss
Ludwig-Maximilians-Universität München
10.30 Uhr
Kaffeepause
10.45 Uhr
Beharrungs- und Bewegungskräfte: Musiktheater im institutionellen Wandel
Ulrike Hartung
Forschungsinstitut für Musiktheater Thurnau der Universität Bayreuth
11.45 Uhr
Diskursives Gesprächsformat (Foyer)
12.30 Uhr
Mittagspause
13.45 Uhr
Anpassung und Abweichung: Institutioneller Wandel in der Regieausbildung
Gerald Siegmund, Benjamin Hoesch
Justus-Liebig-Universität Gießen
14.45 Uhr
Frei & International: Formate – Übersetzung – Krisendiskurse
Axel Haunschild, Silke zum Eschenhoff, Anja Quickert
Leibniz Universität Hannover
Jens Roselt
Universität Hildesheim
15.45 Uhr
Diskursives Gesprächsformat (Clubraum)
16.30 Uhr
Kaffeepause
16.45 Uhr
„Praxis-Panel“
mit
Janina Benduski, Programmdirektorin des Performing Arts Programm des LAFT Berlin
André Bücker, Intendant des Staatstheaters Augsburg
Johannes Lange, ensemble-netzwerk
Claudia Schmitz, Geschäftsführende Direktorin des Deutschen Bühnenvereins
Moderation: Stephanie Metzger, Redaktionsleitung SWR2 Kultur
18.00 Uhr
Abschlussdiskussion mit allen Projektleiter:innen
19.00 Uhr
Ende
Abschlussfest für die Mitglieder:innen der Forschungsgruppe!
Untenstehend können Sie das Programm als PDF downloaden:
Downloads
- Theater Zwischen Krisen: Programm (258 KByte)
Book of Abstracts
Das Programm als PDF-Download finden Sie hier.
Donnerstag, 25. April 2024
09.45 Uhr
Verzvilgesellschaftung des Theaters: Veränderung von Institution und Management
Universität Münster, Institut für Politikwissenschaft
Leitung: Prof. Dr. Annette Zimmer
Mitarbeit: Svea Nübel, M.A., Dr. sc. Eckhard Priller
Das öffentliche Theater zeichnet sich durch ein hohes Maß an Resilienz aus. Es erkämpft sich seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft zurück: Mit neuen Organisationsformen, offenen Räumen, inklusiven Programmen und dem Selbstverständnis als Vermittlerin in einer bunten Gesellschaft. Doch wie genau reagiert die Institution öffentliches Theater auf die Infragestellung seiner Legitimation? Wie versucht es, in unserer heterogenen Gesellschaft, wirtschaftlich seine Existenz zu sichern, Besucher:innen zurückzugewinnen und seine Governance veränderten Kontextbedingungen anzupassen?
Eine vergleichende Untersuchung in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz zeigt: Die öffentlichen Theater verändern sich in Richtung Nonprofit-Organisation (NPO). Die Reform der Theater in Österreich erfolgte unter neo-liberalen Vorzeichen. Auch in Deutschland sind die öffentlichen Theater mehrheitlich nicht mehr Teil der öffentlichen Verwaltung. Im Gegensatz hierzu waren die Theater in der Schweiz immer schon zivilgesellschaftlich eingebettet.
Eine Mitarbeiter:innenbefragung an sechs Stadttheatern in Deutschland zeigt: Eine marktförmige Ausrichtung und Planungsunsicherheit bereitet den Theatern in Deutschland z. T. erhebliche Probleme. Analog zu NPOs versuchen sie durch einen Maßnahmen-Mix zunehmende Finanzierungslücken zu schließen. Ein hoher Stellenwert kommt hierbei der Senkung der Fix- und insbesondere Arbeitskosten zu. Die hohe Arbeitszufriedenheit trotz widriger Arbeitsbedingungen ist bei NPOs wie bei Theatern auf das Paradox des „subjektiven Wohlbefindens“ zurückzuführen.
11.00 Uhr
Theater nach Corona? Ergebnisse des Corona-Querschnittsprojektes
Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Theaterwissenschaft
Leitung: Prof. Dr. Christopher Balme
Mitarbeit: Dr. Thomas Fabian Eder
Die Corona-Pandemie, als exogener Schock betrachtet, barg das Potenzial, die bestehenden Pfadabhängigkeiten der deutschsprachigen Theaterlandschaft grundlegend zu verändern. Anhand dieser These untersuchte das Corona-Querschnittsprojektes wie sich die institutionelle Rahmung der darstellenden Künste in Bezug auf Arbeits- und Sozialbedingungen, kulturpolitische Mitbestimmung, Digitalisierung und internationale Aspekte während der COVID-19 Pandemie veränderte. Mehrere Befragungszeitpunkte, ergänzt durch retrospektive und prospektive Einschätzungen der Befragten, dokumentieren die Erfahrungen von 77 Künstler:innen und Produzent:innen sowie 40 führenden Vertreter:innen von Theatern und freien Gruppen über den gesamten Pandemiezeitraum hinweg. Die inhaltliche Setzung der Umfrage basiert auf einer qualitativen Inhaltsanalyse von über 400 Medienartikeln in deutschsprachigen Tages- und Fachzeitungen, durch die im Fachdiskurs antizipierte institutionelle Veränderungspotenziale der Pandemie für das Theater synthetisiert wurden. So bilden die Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse die inhaltliche Fokussierung für die quantitative Untersuchung, die im Methodenmix das Feld prägende endogene Dynamiken und exogene Einflussfaktoren analysiert. Im Ergebnis wird deutlich, dass Prozesse des digitalen Wandels, der globalen Vernetzung, der sozialpolitischen Stärkung und der kulturpolitischen Einbindung des Feldes, während Corona eine starke Intensivierung erfahren haben, und doch mit dem Auslaufen des Ausnahmezustandes zu alten Mustern zurückkehren.
14.00 Uhr
Narrative im Wandel – aktuelle Transformationsdynamiken in den Theaterprogrammen in Deutschland, England und der Schweiz
Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Theaterwissenschaft
Leitung: Dr. Bianca Michaels
Mitarbeit: Angelika Endres, M.A.
Theater sind aufgrund aktueller gesellschaftlicher und kulturpolitischer Transformationsprozesse einem steigenden Anpassungsdruck ausgesetzt. Neuere Entwicklungen in der Programmgestaltung öffentlich getragener Häuser sind dabei nicht nur pragmatische Reaktionen auf kulturpolitische Anreize, ökonomische Krisen oder pandemie-bedingte Restriktionen, sondern stellen zugleich Bewältigungs- und Legitimationsstrategien dar und weisen auf einen sich vollziehenden Wandel des Stadt- und Staatstheaters als Institution hin. Dabei wirkte insbesondere die Corona-Pandemie mit ihren Theater schließungen, den jeweiligen Regelungen zum Social Distancing wie auch den für die jeweils aktuellen Bedingungen entwickelten Theaterformaten wie ein Katalysator für eine vertiefte Beschäftigung mit dem eigenen Selbstverständnis und der gesellschaftlichen Funktion von Theater. Eine bedeutende Rolle spielen hierbei die von den Theaterschaffenden selbst verwendeten Narrative im Hinblick auf die Programmgestaltung. Als „erzählerische Konstruktionen“ (Koschorke 2013) transportieren Narrative Handlungsschemata und institutionelle Spielregeln. Gerade in krisenhaften Zeiten erleben sie aufgrund ihrer legitimierenden Wirkung Hochkonjunktur und ermöglichen es, Veränderungsprozesse zu beobachten. Dabei treten insbesondere im internationalen Vergleich zwischen Deutschland, England und der Schweiz die Spezifika der jeweiligen Theatersysteme deutlich hervor.
Das Panel stellt die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Outside the Box: Ästhetische Neu-Formatierung an öffentlich getragenen Theatern im Anschluss an die pandemiebedingten Schließungen 2020 in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz“ vor und zur Diskussion. Aus knapp 4.000 analysierten Formaten und 33 Interviews mit Theaterschaffenden werden Entwicklungslinien der aktuellen Programmgestaltung und sich wandelnde Narrative im jeweiligen Theaterverständnis vorgestellt.
15.15 Uhr
Becoming Public! Governance und Audience Development-Strategien für Teilhabe am öffentlichen Theater in Deutschland, Frankreich und England
Universität Hildesheim, Institut für Kulturpolitik
Leitung: Prof. Dr. Birgit Mandel
Mitarbeit: Maria Nesemann, M.A.
Raus aus dem Elfenbeinturm, rein in die Stadtgesellschaft, lautet die Devise an vielen öffentlich getragenen Theatern. Aber: Wer fordert das eigentlich und warum? Wird die Forderung nach der „Öffnung“ des Theaters wirklich umgesetzt und wenn ja, wie?
Das Panel stellt zentrale Ergebnisse des Forschungsprojekts „Chancengerechte Teilhabe am Theater. Theater Governance und Audience Development-Strategien in Deutschland, Frankreich und England“ vor. Auf Grundlage der Beobachtung, dass in den drei untersuchten Ländern Deutschland, Frankreich und England Theaterbesucher:innen im Hinblick auf ihren sozioökonomischen Hintergrund relativ homogen sind und die Nutzung des Theaterangebots tendenziell abnimmt, wird untersucht, welche Strategien Theater jeweils verfolgen, um mehr Teilhabe an ihren Häusern zu schaffen. Dass diese Strategien eng verknüpft sind mit dem jeweiligen Governancesystem, wird im internationalen Vergleich schnell deutlich: Während in England aus finanziellen Gründen und durch kulturpolitische Vorgaben Publikumsinteressen und vermehrt die pro-aktive Förderung der Kreativität in der Bevölkerung im Vordergrund stehen, ist in Frankreich das Zugänglichmachen zur öffentlich geförderten „(Hoch-)Kultur“ gesetzlich verankert und kulturpolitisch gesteuert. Die im internationalen Vergleich bemerkenswert hohe und dauerhafte institutionelle Förderung von Theater- und Opernhäusern in Deutschland ist kaum mit konkreter Steuerung der Publikumsentwicklung verbunden. Vermittlung hat zwar in den öffentlich getragenen deutschen Theatern stark an Bedeutung und Umfang gewonnen. Zugleich sind die Vermittlungsabteilungen in ihren vielfältigen Aktivitäten meist tendenziell entkoppelt vom „Kerngeschäft“ und haben nicht die Autorität, den am bestehenden Programmkanon orientierten Ansatz der Häuser zu verändern. Das Panel diskutiert, inwiefern fest verankerte Glaubenssätze (kulturell-kognitive Institutionen) auch aktuelle Theatergovernance beeinflussen.
Assoziierte Wissenschaftler:innen begleiteten die Arbeit der Forschungsgruppe von Anfang an und standen jeweils mit den Teilprojekten in Austausch, deren Forschungsperspektiven verwandt sind. Im Rahmen des Assoziierten-Forums stellen vier assoziierte Wissenschaftler:innen ihre aktuelle Forschung vor und kommen miteinander, mit der Forschungsgruppe und den Konferenzteilnehmer:innen darüber ins Gespräch. Kontextualisiert und moderiert werden die kurzen Impulsreferate und Dialoge von Angelika Endres und Sebastian Stauss.
Data that matter: Theaterstatistische Längsschnittanalysen als Hilfsmittel bei kulturpolitischen Entscheidungsprozessen am Beispiel des Neubauprojektes „Städtische Bühnen Frankfurt“
Hilko Eilts, M.A.Hochschule Hannover, Studiengang Szenografie, Kostüm, Experimentelle Gestaltung
Durch die deutsche Stadttheaterlandschaft rollt derzeit eine milliardenschwere Sanierungswelle. Viele der in den 1950er und 60er Jahren wieder aufgebauten oder neugebauten Theater sind auch angesichts neuer Brand- sowie Arbeitsschutzregelungen dringend sanierungsbedürftig und teilweise sogar von Zwangsschließungen bedroht. Die in Angriff genommenen Bauplanungen der Theaterträger basieren meist auf den jeweils aktuellen Raumprogrammen und Betriebsdaten der Theater. Am Fallbeispiel der Städtischen Bühnen Frankfurt soll deutlich gemacht werden, dass hausspezifische Langzeitdatenprofile, wie sie sich aus Längsschnittanalysen der Theaterstatistiken des Deutschen Bühnenvereins gewinnen lassen, ein wichtiges, derzeit jedoch völlig unbeachtetes Hilfsmittel für eine nachhaltige, zukunftsfähige Theaterbauplanung darstellen.
Evaluation von Enkulturation in der Publikumsforschung
Katja Meroth, M.A.
Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Theaterwissenschaft
Ob man ins Theater geht, ist (erstmal) keine Geschmacksfrage. Wo ist das (junge) Publikum hin? Wieso sinken die Besucherzahlen seit 50 Jahren? Wieso geben immer weniger junge Menschen ein Interesse für Theater an? Eine Antwort auf diese Fragen könnte die Theorie des Enkulturativen Bruchs liefern. Die Enkulturation ist das Erlernen von Kultur und kultureller Praxis in jungen Jahren. Sie prägt ein Leben lang den Habitus, also die Selbstwahrnehmung und das kulturelle Nutzungsverhalten des Einzelnen. Die Theorie des Enkulturativen Bruchs bietet mittels einer Verschränkung von Kultur- und Kunstwissenschaften ein Erklärungsmodell für den Rückgang des Theaterpublikums aufgrund von Veränderungen in der Kunst- und Kulturerziehung. Zum Verständnis von (Nicht-)Publikumsgruppen wird ein neuartiges Modell mit Enkulturationsfokus dargelegt (Vierfeldermodell zur Publikumsanalyse). Hierfür werden die Erkenntnisse aus der Enkulturationsforschung in eine verschränkte Betrachtung von Besuchsverhalten und Enkulturation überführt. Dieses ermöglicht ein grundlegendes Verständnis der Lebensrealität und Bedürfnisse von vier (Nicht-)Publikumsübergruppen.
Corporate Governance und Theater. Grundsätzliches und Konkretes
MMag. Thomas Heskia, MBA
Leuphana Universität Lüneburg, Institut für Soziologie und Kulturorganisation
Die Analyse der Führung von Theatern im deutschsprachigen Raum wird traditionell auf die operativen Leitungen, insbesondere auf mächtige Intendanten, fokussiert. Doch es wird klar, dass die Forschung nicht nur das operative Management, sondern auch die übergeordneten Leitungsstrukturen bzw. die Governance im Allgemeinen untersuchen muss. Die Stärke der Intendanten ist nur allzu oft die Schwäche der Aufsichtsgremien, deren Standards und Aufgaben variieren und zu definieren sind. Dabei geht es aber nicht nur um eine wirksame Corporate Governance für Theaterbetriebe, sondern auch um die Fortsetzung von Cultural Governance in die Institutionen hinein. Erstmals wurden im Rahmen dieser Forschung Aufsichtsgremien sämtlicher öffentlicher Theater im deutschen Sprachraum vergleichend erfasst, aber auch mit grundsätzlichen Überlegungen zur Theorie von Governance, zu Macht als Kommunikationsmedium und systemischen Grenzen exogener Steuerung unterlegt.
Neue Solidaritäten, alte Kämpfe. Arbeit und Politik im Theaterfeld und der freien Szene
Dr. phil. habil. Alexandra Manske
Soziologin, Berlin
Mein Beitrag beruht auf einer feldsoziologischen, qualitativen Untersuchung über die Interessenvertretung im Kulturbetrieb (Geldgeber: Hans-Böckler-Stiftung, Zeitraum: 2018-2020). Die Studie liefert insbesondere Erkenntnisse über Arbeitsverhältnisse am Theater und der freien Szene, über deren arbeitspolitische Arenen und spezifische Arbeitskonflikte. Die Untersuchungsbefunde zeigen, dass sich im Kulturbetrieb neue Solidaritäten bilden, die sich mit ‚der‘ Solidarität alter Schule nur bedingt erklären lassen. Vielmehr zielt Solidarität im Kulturbetrieb neben der Verbesserung von Arbeitsbedingungen auf eine berufsgruppen-/feldübergreifende Solidarisierung. Im Zentrum der arbeitspolitischen Kämpfe stehen Mindesthonorare, Mitspracherechte oder eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Leben. Ebenso geht es um eine Vernetzung mit arbeitspolitischen Akteur:innen, die nicht unmittelbar der eigenen Berufsgruppe angehören. Um diese Prozesse soziologisch einzufangen, ist es erforderlich die theoretische Linse auf den Solidaritätsbegriff mit kultursoziologischen Mitteln nachzuschärfen und den Fokus stärker auf den Prozess der Interessenverknüpfung zu legen. Insgesamt leistet die Studie einen Beitrag zur Schließung einer Forschungslücke, da bislang kaum Wissen über arbeitspolitische Beziehungen im Kulturbetrieb vorliegen.
Freitag, 26. April 2024
09:30 Uhr
Entwicklungen der Musiktheater-Vermittlung. Alles beim Alten oder neue Wege seit der Pandemie?
Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Theaterwissenschaft
Leitung: Prof. Dr. Christopher Balme
Mitarbeit: Dr. Sebastian Stauss
Institutionell betrachtet gibt es für Vermittlung im deutschen Musiktheater seit knapp 30 Jahren eigene Abteilungen. Es gibt auch Prozesse der Strukturangleichung und gemeinsame Überzeugungen, die über Netzwerke und Interessenverbände auf nationaler und europäischer Ebene weiter verfolgt werden und in Kooperationen münden (z. B. ASSITEJ, RESEO oder Opera Europa). Anhand dieser Kooperationen lässt sich auch Agilität beim Akquirieren von (zusätzlichen) Fördermitteln feststellen. Verständigung bleibt aber dort wie auch wissenschaftlich weiterhin gefragt, wo zwischen Spartenbetrieb und interdisziplinärer Arbeit auf unterschiedlichen Grundkonzepten von Vermittlung aufgebaut wird: von Kulturvermittlung, über Musik- und Konzertvermittlung bis zu Musik-, Theater- und Tanzpädagogik. Im Panel zum Abschluss des Teilprojektes über Musiktheater-Vermittlung wird ein Überblick zu Organisationsentwicklungen im Staats- und Stadttheater präsentiert. Außerdem werden Umfrage-Ergebnisse zur Arbeitssituation von Vermittler:innen auf Basis einer im Teilprojekt erhobenen Stichprobe von 2022/23 vorgestellt. Dabei wurden auch Positionen zur Vermittlungsarbeit während und kurz nach dem Höhepunkt der Corona-Pandemie thematisiert. Insgesamt ist einerseits
ein erhöhtes Selbstbewusstsein der Vermittler:innen erkennbar, was z. B. die Bereitschaft zur (Selbst-)Evaluation und Zahlen zu neuem Publikum betrifft. Andererseits gibt es immer wieder mahnende Stimmen, nicht zu hohe Erwartungen an die Vermittlung als Tätigkeitsfeld zu stellen. Als Erkenntnis aus dem Teilprojekt wird vor allem angeregt, als wichtige Untersuchungsgrößen Ziele von Vermittlung in den öffentlich getragenen Musiktheatersparten und ihre individuelle Umsetzung mit dem Gesamtspielplan der jeweiligen Organisation abzugleichen.
10.45 Uhr
Beharrungs- und Bewegungskräfte: Musiktheater im institutionellen Wandel
Universität Bayreuth, Forschungsinstitut für Musiktheater
Leitung: Prof. Dr. Anno Mungen
Mitarbeit: Dr. Ulrike Hartung
Die Performativität von (Krisen-)Diskursen zeigt sich im Zusammenhang von Kunst und kultureller Praxis kaum so deutlich wie in denen zum Musiktheater. Sie sind wichtiger Bestandteil von Institutionalisierungsarbeit einerseits sowie wesentliche Treiber institutioneller Transformationen andererseits. Im Musiktheater stehen wie in keiner anderen Form darstellender Kunst vielfältige progressive Bewegungskräfte enormen institutionellen Beharrungskräften gegenüber. Die Dichotomie und Polarisierung zwischen öffentlich getragenen Häusern und freien Produktionszusammenhängen wird zum Beispiel in den spezifischen Diskursen im Dienste der Institutionalisierungsarbeit oft herangezogen. Sie bilden nicht nur die Grundlage vielfältiger verfestigter diskursiver Deutungsmuster, sondern sie beschreiben insbesondere auch ein Feld von sich zum Teil widersprechenden Institutionalisierungs- und De-Institutionalisierungsprozessen, die das Musiktheater als spezifische Form der darstellenden Künste – unabhängig vom Produktionszusammenhang – wesentlich prägen. Der Vortrag zeigt anhand des Beispiels dieser und anderer diskursiver Strategien, wie sie von Akteur:innen zur Erreichung ihrer jeweiligen institutionellen Ziele eingesetzt werden, welche Widersprüchlichkeiten sich daraus ergeben und schließlich zu welchen theaterpraktischen Lebenswirklichkeiten sie durch ihre Performativität im Feld Musiktheater führen (können).
13.45 Uhr
Angleichung und Abweichung. Institutioneller Wandel in der Regieausbildung
Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Angewandte Theaterwissenschaft
Leitung: Prof Dr. Gerald Siegmund
Mitarbeit: Benjamin Hoesch, M.A.
Im Feld der deutschsprachigen Regieausbildung sind widersprüchliche Tendenzen des Wandels zu beobachten, die homogenisierend wie heterogenisierend wirken: So ist eine isomorphe Angleichung der Hochschul-Studiengänge aneinander unübersehbar; zugleich beharrt aber jeder Standort auf institutionellen Alleinstellungsmerkmalen. Auch das Verhältnis zum professionellen Theaterbetrieb schwankt zwischen einer vorauseilenden Anpassung an dessen Bedarfe und kritischer Distanz. Durch internationalen Austausch wird Anschluss an ein europäisches Feld der Theaterausbildung gesucht, aber ebenso die eigene Besonderheit und Leistungsfähigkeit bestätigt. Schließlich begegnet das Feld auch Studierenden und Studieninteressierten mit gleichzeitigem Anpassungs- und Abweichungsdruck: Gefragt ist in den Zulassungsprüfungen ein normatives Persönlichkeitsprofil, das sich in einen aktuellen Habitus der Regie einfügt – zugleich werden auf der Suche nach singulären Identitäten Differenz und Diversität forciert. Damit stellt sich auch die Frage, ob sich die Regieausbildung im institutionellen Wandel vollends neoliberalen Imperativen an polyvalente Kreativsubjekte angleicht oder gegenüber diesen eine Eigen- und Widerständigkeit behaupten kann.
Benjamin Hoesch kontrastiert die deutschsprachige Regieausbildung im internationalen Vergleich und präsentiert die Ergebnisse des Teilprojekts aus Umfragen und qualitativen Beobachtungen – u. a. zu Aufnahmepraktiken und Diversitätsentwicklung, Ausbildungsinhalten und institutionellen Spannungsfeldern, Internationalisierung und Corona-Folgen. Daran anschließend fragt Gerald Siegmund, inwiefern künstlerische Ausbildung auch als Forschung an Subjektentwürfen jenseits kreativökonomischer Optimierungsanforderungen zu verstehen ist.
14.45 Uhr
Frei & International: Formate – Übersetzung – Krisendiskurse
Leibniz Universität Hannover, Institut für Interdisziplinäre Arbeitswissenschaft
Universität Hildesheim, Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur
Leitung: Prof. Dr. Axel Haunschild, Prof. Dr. Jens Roselt
Mitarbeit: Anja Quickert, M.A., Silke zum Eschenhoff, M.A.
Seit der Jahrtausendwende stand die freie Theaterszene im Kontext weltweiter Globalisierungsdynamiken unter dem Paradigma einer zunehmenden Internationalisierung, die sich in länderübergreifenden Kooperationen und Koproduktionen, internationalen Festivals, im Gastspielbetrieb oder international besetzten Projektteams widerspiegelt. Mittlerweile wird dieses kulturpolitisch und ökonomisch forcierte Paradigma jedoch von einem Problembewusstsein dafür begleitet, dass dieser internationale Markt der freien Darstellenden Künste durch ungleiche finanzielle Ressourcen das asymmetrische geopolitische Machtgefälle zwischen Ländern und Kulturen ‚postkolonial‘ fortschreibt. Diese postkolonialen Krisendiskurse stellen förderpolitische sowie kuratorische und künstlerische Entscheidungsprozesse vor neue Herausforderungen, in deren Kern kritische Fragen nach dem Selbstverständnis, den Konsequenzen und der ethischen Verantwortung von künstlerischer und kuratorischer Praxis stehen.
Anhand zweier empirischer Beispiele hat sich das Panel zum Ziel gesetzt, einen Problemaufriss spezifischer Phänomene und Konfliktlagen der Internationalisierung abzubilden und diese zu kontextualisieren. Das Beispiel des internationalen „Festivals Theaterformen“ (Braunschweig/Hannover) rückt die Vielzahl an komplexen Übersetzungen und Transfers auf inhaltlicher, künstlerisch-ästhetischer und arbeitsorganisationaler Ebene in den Fokus. Das ‚Glokalisierungsformat‘ „100% Stadt“ vom deutschen Label Rimini Protokoll, das mittlerweile in 41 Städten weltweit mit lokal ansässigen Produktionsteams und Beteiligten erarbeitet wurde, macht deutlich, wie entscheidend die umfassende Strukturanalyse der Produktionsprozesse internationaler Kunstproduktionen für ihr ästhetisches Verständnis und ihre ethische Bewertung gleichermaßen ist.
Untenstehend können Sie das Book of Abstracts als PDF downloaden:
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- Zwischen Krisen: Book of Abstracts (494 KByte)
Becoming public! Internationales Symposium zur Theaterpolitik für kulturelle Teilhabe (TP 3)
02.11.2023 – 03.11.2023
Das Teilprojekt 3 „Chancengerechte Teilhabe an öffentlich geförderten Theatern“ veranstaltet vom 2. bis 3. November 2023 ein internationales Symposium in Berlin. Dort werden zentrale Ergebnisse des Forschungsprojekts präsentiert und gemeinsam mit Vertreter*innen aus Theater, Wissenschaft und Kulturpolitik in Deutschland, England und Frankreich diskutiert. Das Symposium lädt dazu ein, den eigenen, nationalen Blick auf Möglichkeiten kulturpolitischer und institutioneller Teilhabeorientierung zu weiten. Kulturpolitiker*innen und Leiter*innen öffentlich geförderter Theater in Deutschland, England und Frankreich diskutieren kulturpolitische Strategien für chancengerechte Teilhabe am Theater und sondieren Unterschiede zwischen den Ländern. Theaterakteur*innen an den Schnittstellen zum Publikum sprechen über gelungene und gescheiterte Maßnahmen für mehr Teilhabe in ihrem Theater. Expert*innen aus der Forschung liefern aktuelle Erkenntnisse zu Kultur- und Theaterpublikum und Ansätzen eines teilhabeorientieren Audience Developments.
Weitere Informationen und den Link zur Anmeldung finden Sie hier: Link
Hinweise: Das Symposium findet auf Englisch statt.
Anmeldungen sind noch möglich bis 25.10.2023.
Das Programm zum download finden Sie hier:
Downloads
- Programme Symposium BECOMING PUBLIC (251 KByte)
Annual Conference/ Jahrestagung 2023
— Informationen in deutscher Sprache finden Sie weiter unten —
Theatre/Turning Points: Scenarios for the Future
May 4, 2023, 2:30 p.m. – 6:30 p.m.
Studiobühne TWM: Neuturmstr. 5, 80331 München
May 5, 2023, 9 a.m. – 5:30 p.m.
May 6, 2023, 9:30 a.m. – 12:45 a.m.
IBZ München: Amalienstraße 38, 80799 München
In early March 2020 the most severe crisis to affect the performing arts since the Second World War took hold. Most theatres were closed throughout 2020 and were subjected to intermittent closure and restrictions well into autumn 2021. In February 2022 Russia invaded Ukraine and set in motion not only a refugee crisis but massive disruptions to the world’s food and energy supplies, presenting new financial and organisational challenges for the performing arts.
The final conference of the “Configuration of Crisis” research project not only examines the institutional changes and trends that have manifested themselves in the performing arts in recent years but it inquiries into what these changes mean for the future, considering the above premises.
The papers tackle questions around the following broad areas:
- Theorizing futurity and theatre
- Crises of legitimation
- Reforming governance
- Precarity of theatrical labour
- Reformatting production and reception
- The future of training
The conference involves international scholars and experts from (theatre) practice as well as the audience in extended discussion rounds.
A live stream of the event will be available to registered participants. It will be held in English, questions are possible in German. If you have any questions in this regard, please contact us by email at krisengefuege@lmu.de.
Speakers
Christopher Balme
Nikita Dhawan
Neil Darlison
Thomas Fabian Eder
Angelika Endres
Silke zum Eschenhoff
Julia Glesner
Steven Hadley
Ulrike Hartung
Axel Haunschild
Thomas Heskia
Evelyn Hriberšek
Benjamin Hoesch
Rosemary Klich
Birgit Mandel
Bianca Michaels
Anno Mungen
Maria Nesemann
Svea Nübel
Ulf Otto
Sara Örtel
Matteo Paoletti
Alexandra Portmann
Anja Quickert
Jens Roselt
James Rowson
Sebastian Stauss
Gerald Sigmund
Annette Zimmer
— Informationen in deutscher Sprache —
Theater-Wendepunkte: Szenarien für die Zukunft
4. Mai 2023, 14:30 – 18:30 Uhr
Studiobühne TWM: Neuturmstr. 5, 80331 München
5. Mai 2023, 9.00 – 17.30 Uhr
6. Mai 2023, 9:30 Uhr – 12:45 Uhr
IBZ München: Amalienstraße 38, 80799 München
Anfang März 2020 kam es zur schwersten Krise, die die darstellenden Künste seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben. Die meisten Theater blieben 2020 das ganze Jahr über geschlossen und waren bis in den Herbst 2021 hinein vielfältigen Einschränkungen unterworfen. Im nahtlosen Anschluss daran, überfiel Russland die Ukraine und setzte nicht nur eine Flüchtlingskrise, sondern auch massive Störungen der weltweiten Lebensmittel- und Energieversorgung in Gang, was die darstellenden Künste vor neue finanzielle und organisatorische Herausforderungen stellte.
Die Abschlusstagung der Forschungsgruppe untersucht nicht nur die institutionellen Veränderungen und Trends, die sich in den letzten Jahren in den darstellenden Künsten manifestiert haben, sondern befragt, was diese Veränderungen für die Zukunft der bedeuten.
Ausgehend von den oben genannten Prämissen befassen sich die Konferenzbeiträge mit den folgenden Themenbereichen:
- Theoretisierung von Zukunft und Theater
- Legitimationskrisen
- Reform und Governance
- Prekarität der Arbeit im Theater
- Neuformatierung von Produktion und Rezeption
- Die Zukunft der Ausbildung
Die Konferenz bezieht internationale Wissenschaftler:innen und Expert:innen aus der (Theater-) Praxis sowie das Publikum in erweiterte Diskussionsrunden ein.
Die Veranstaltung findet als Live-Event statt, eine Teilnahme ist nach vorheriger Anmeldung auch online möglich. Sie wird auf Englisch abgehalten, Fragen sind nur vor Ort, auf Deutsch und auf Englisch möglich. Sollten Sie Fragen dazu haben, wenden Sie sich bitte per E-Mail an krisengefuege@lmu.de.
Referent:innen
Christopher Balme
Nikita Dhawan
Neil Darlison
Thomas Fabian Eder
Angelika Endres
Silke zum Eschenhoff
Julia Glesner
Steven Hadley
Ulrike Hartung
Axel Haunschild
Thomas Heskia
Evelyn Hriberšek
Benjamin Hoesch
Rosemary Klich
Birgit Mandel
Bianca Michaels
Anno Mungen
Maria Nesemann
Svea Nübel
Ulf Otto
Sara Örtel
Matteo Paoletti
Alexandra Portmann
Anja Quickert
Jens Roselt
James Rowson
Sebastian Stauss
Gerald Sigmund
Annette Zimmer
- Aufzeichnung/Recording
- Conference Schedule/ Konferenzprogramm
- Abstracts
- Speaker/Referent:innen
- Registration/Anmeldung
Übersicht der Aufzeichnungen/Overview of the Recordings
Configurations of Crisis: Annual Conference Day I
Untertitel:
Datum: 04.05.2023
Beschreibung: The recording of the first day of the annual conference 2023 “Theatre/Turning Points: Scenarios for the Future” of the DFG research group ‘Configurations of Crisis’.
This conference was a hybrid event, with speakers and audience participating both on- and offline.
Configurations of Crisis: Annual Conference Day II
Untertitel:
Datum: 05.05.2023
Beschreibung: The recording of the second day of the annual conference 2023 “Theatre/Turning Points: Scenarios for the Future” of the DFG research group ‘Configurations of Crisis’.
This conference was a hybrid event, with speakers and audience participating both on- and offline.
Configurations of Crisis: Annual Conference Day III
Untertitel:
Datum: 06.05.2023
Beschreibung: The recording of the third day of the annual conference 2023 “Theatre/Turning Points: Scenarios for the Future” of the DFG research group ‘Configurations of Crisis’.
This conference was a hybrid event, with speakers and audience participating both on- and offline.
Conference Schedule/ Konferenzprogramm
Thursday, May 4, 2023
2:30 p.m. – 3 p.m.
Welcome, introduction, organizational matters
3 p.m. – 4:30 p.m.
The internationalization of independent theatre in Germany: shifting paradigms
4:30 p.m. – 4:45 p.m.
Break
4:45 p.m. – 6:15 p.m.
„The Times They Are a-Changin” Cultural Governance in Austria, Germany and Switzerland and its Impact on the Performing Arts
6:15 p.m. – 6:30 p.m.
Closing
Evening programme for members of the research group and speakers: joint theatre visit
Friday, May 5, 2023
9 a.m. – 9:15 a.m.
Welcome, organisational matters
9:15 a.m. – 11 a.m.
Theatre after Covid: Impact and institutional transformations
11:00 a.m. – 11:15 a.m.
Break
11:15 a.m. – 1:30 p.m.
Legitimation Strategies and Myths for Publicly Funded Theatre: an England-Germany Comparison
1:30 p.m. – 3 p.m.
Lunch break
3 p.m. – 5:15 p.m.
Ethics of Futurity in the Performing Arts
5:15 p.m. – 5:30 p.m.
Conclusion
Evening programme for members of the research group and speakers: Conference dinner
Saturday, May 6, 2023
09:30 a.m. – 09:45 a.m.
Welcome, organisational matters
09:45 a.m. – 10:15 a.m.
Guest lecture ADK: Theatre during the Pandemic – How to archive documents of crises and institutional transformations
10:15 a.m. – 12 a.m.
Critical scenarios across the pandemic: Italy, Germany, UK
12 a.m. – 12:15 a.m.
Break
12:15 a.m. – 12:45 a.m.
Closing round, acknowledgements
Abstracts
Thursday, May 4, 2023
3 p.m. – 4:30 p.m.
The internationalization of independent theatre in Germany: shifting paradigms
Speakers: Nikita Dhawan, Silke zum Eschenhoff, Axel Haunschild, Anja Quickert, Jens Roselt
Since the turn of the millennium, the independent theatre scene in Germany has been subject to the paradigm of internationalization, which found expression not only in the increasing guest performance activities of leading collectives, but also in the formation of international co-production networks, funding programs, and internationally compatible aesthetics. The profound caesura that the Corona pandemic represented for the independent theatre scene foregrounded two crisis discourses that question the narratives, structures, and consequences of internationalization. On the one hand, postcolonial discourses are finding their way increasingly into funding policy and curatorial and artistic decision-making processes; on the other hand, climate protection and the associated demand for a reorientation of artistic production processes and travel activities have gained new significance.
Thus, the narratives and structures of internationalization, which were originally closely linked to the production conditions and funding of independent theatre work, are also changing: the largely unquestioned, politically and economically conditioned paradigm of internationalization is increasingly accompanied by an awareness of its problems.
On the basis of individual empirical examples from the independent theatre scene, the panel seeks to identify and outline specific phenomena of internationalization with regard to their political framing and legitimation strategies.
The panel will focus primarily on aspects of change: on the transformation of co-production spaces and relations, on the priorities of funding programs, and on an imbrication with the asymmetrical power relations of global funding. How, then, does the international market for the independent performing arts perpetuate the global power imbalance “postcolonially” through unequal financial resources? And what mechanisms of inclusion and exclusion are at work here?
Furthermore, the panel wants to deal with processes of aesthetic isomorphism and the phenomenon of artistically induced glocalization through the international transfer of forms and formats. Which criteria of difference and adaptation to an internationally readable aesthetic play the decisive role in the curatorial context? How is the concept of translation to be grasped and operationalized here? Which incompatibilities and which homogenization processes can be identified in the artistic context?
As a result of the pandemic caesura, the conditions of production, the consequences of global mobility and the internationally prevailing power structures and imbalances (“white money”) have, once again, re-entered the critical discourses of self-understanding of the independent theater scene – and revive questions about the consequences and ethical responsibility within the framework of artistic practice. The panel will explore these questions, with an impulse lecture by and a discussion with Nikita Dhawan.
4:45 p.m. – 6:15 p.m.
The Times They Are a-Changin: Cultural Governance in Austria, Germany and Switzerland and its Impact on the Performing Arts
Speakers: Annette Zimmer, Svea Nübel
Panelists: Julia Glesner, Thomas Heskia, Anja Quickert, Alexandra Portmann
In recent years, governance has developed into a key approach for analyzing, steering, and evaluating cultural policies. As a concept of public administration, it stands for a hands-on participatory approach and encompasses the de-regulation of cultural institutions that are no longer thoroughly integrated into public administration. Instead, organized in a private legal form, they are independently managed organizations that must cope with increasingly complex environments with the goal of safeguarding their legitimacy and organizational survival.
Cultural governance impacts significantly the performing arts since they have been in the center of critique. This specifically holds true for Austria, Germany and parts of Switzerland. These countries stand out for a highly developed theatre scene and a comparatively high degree of public funding. But the performing arts as an area of cultural production have undergone a significant process of diversification. Many new initiatives have successfully moved out of amateurship. Simultaneously, due to individualization and heterogenization, “going to the theatre” has significantly lost attractiveness. The “theatre” is no longer “the only kid on the block”.
The panel analyses how and to what extent the new mode of governance impacts government-theatre relationships? What does de-regulation mean for a public theatre? Are there differences between the three countries? If and how does the legacy of history, specifically regional cultural policy traditions, come into play? Which are the common trends?
The panel will be introduced by the research team of Münster University which analyses cultural governance in publicly funded theatres in Austria, Germany and Switzerland. The tour d´horizon will provide background information for a panel discussion in which four experts will take part. Dr. Alexandra Portmann will shed light on recent developments of the performing arts in Switzerland. As an important facet of the cultural and creative industry in Switzerland, the performing arts, similar to other areas of cultural production, are generously supported by private donations besides public subsidies. Cultural governance at an arm´s length principle looks back upon a long tradition in the country that might serve as a textbook-example for innovative and participatory cultural governance. Thomas Heskia will focus on the development of cultural policies in Austria. In particular, he will outline the trend of merging cultural institutions under a holding structure. It is questionable whether this approach to organizing the muse can be reconciled with participatory governance, or whether, on the contrary, it solidifies centralized control of cultural institutions. In any case, the practice of appointing supervisory board members directly by the minister strengthens existing networks and is fundamentally susceptible to corruption. Dr. Julia Glesner and Anja Quickert will, with a special eye on Germany, highlight the growing importance as a trend-setter and as a business-model of the so-called Freie Szene in Germany. The theatre venues and groups that still distance themselves from the more traditional venues, run by the municipalities or the regions (Länder) in Germany, have increasingly gained access and eligibility to public funding. It will be discussed if the highlighted trends are found in each of the three countries.
Friday, May 5, 2023
9:15 a.m. – 11 a.m.
Theatre after Covid: Impact and institutional transformations
Chair: Ulf Otto
Speakers: Rosemary Klich, Thomas Fabian Eder, James Rowson
The unprecedented suspension of cultural events across Europe in March 2020 had a profound impact on the performing arts. Alongside the proliferation of digital and hybrid forms of theatre-making, the Covid-19 pandemic has triggered a fundamental shift in the way theatres operate at an institutional and organisational level in response to the volatile economic impact of Covid-19. Considering these difficult circumstances, three scholars from the UK and Germany present extensive empirical data on the impact of the pandemic on various aspects of the performing arts in both countries. The paper by Professor Rosemary Napier Klich explores how a lack of touring content, labour shortage, a limited audience catchment, changing audience habits, availability of digital content from larger theatres and dramatic increases in running costs, have impacted regional theatres’ capacity to ‘bounce back’ from the impact of the crises. Thomas Fabian Eder investigates how the pandemic exacerbated the already precarious working conditions and inadequate social situation in the independent performing arts across Europe and how cultural policy crisis management in the DACH countries has responded to this challenge. James Rowson subsequently analyses the institutional impact of the pandemic on theatre and performance in the UK. He will illuminate how new forms of artistic innovation emerged during Covid-19 and, connected to it, he considers wider complexities of artistic labour during the ongoing public health crisis.
A professional exchange moderated by Professor Ulf Otto, who will contribute his own distinctive perspective on the topic, follows these presentations. Together with him, the three scholars debate the findings presented, focusing on the social, cultural and economic impact of the pandemic on the performing arts in the UK and the DACH countries.
11:15 a.m. – 1:30 p.m.
Legitimation Strategies and Myths for Publicly Funded Theatre: an England-Germany Comparison
Speakers: Steven Hadley, Neil Darlison, Bianca Michaels, Angelika Endres, Birgit Mandel, Maria Nesemann
The research projects “Cultural democratisation in publicly funded theatres – theatre governance and audience development strategies in Germany, France and England” and “Outside the Box: Re-formatting publicly funded theatres in the aftermath of the 2020 pandemic closures in Germany, the UK and Switzerland” present a joint panel together with their guests Neil Darlison (Arts Council England) and Steven Hadley (Trinity College Dublin). They examine legitimation strategies and myths of publicly funded theatre from a cultural policy perspective and at programme level in an international comparison.
The panel focuses on the following questions: How is public theatre in England legitimised in terms of cultural policy in comparison to Germany? What are the characteristics of cultural governance in the two countries, and to what extent do legitimation paradigms for public theatre funding and programme policy of public theatres differ in the two countries? What legitimation strategies can be identified in theatre programming and what influence does the Corona pandemic have as a turning point?
The panel presents key findings on cultural governance in England and Germany as well as consequences for theatres regarding funding, programming and audience development.
Birgit Mandel and Maria Nesemann focus on the legitimation narrative of theatre as a public good. Based on a brief comparison of the English and German publicly funded theatre landscape and cultural policy, the aim is to investigate: Which differences in theatre governance concerning audience and participation do we find in the two systems? In which ways are paradigms of legitimacy and thus also strategies of governance regarding democratisation of “high arts” culture versus cultural democracy changing in the countries?
Steven Hadley, Trinity College Dublin, addresses the question of the understanding of participation and the goals and strategies with which audience development has been implemented in cultural policy in England over the last 40 years, and to what extent current English cultural policy represents a turn from the democratisation of (high) culture to cultural democracy.
Bianca Michaels and Angelika Endres investigate the effects of the pandemic on programming and on legitimation paradigms and strategies of theatres. How do programming, expectation structures, the Covid19-Crisis and deficits of legitimacy interact and what effects does this have on theatre as an institution?
Neil Darlison outlines the goals and ambitions of the current Arts Council’s 10-year-strategy “Lets create”, the implications for theatres, their programmes and audiences and describes the consultation process that led to the development of the strategy. As the strategy’s launch marginally preceded the arrival of the Pandemic in the UK, Neil Darlison also reflects on the effects of the pandemic on theatres and theatre programmes in England – both during and post the pandemic – discerning what is likely to be cyclical and what are likely to be structural changes in theatre.
3 p.m. – 5:15 p.m.
Ethics of Futurity in the Performing Arts
Speakers: Evelyn Hriberšek, Ulrike Hartung, Benjamin Hoesch, Gerald Siegmund, Anno Mungen
Imagining and outlining the future is never a value-neutral endeavour but has inevitably ethical implications: Utopian guidelines and dystopian warnings, as well as the distinction between ‘best case’ and ‘worst case’ scenarios are predicated on a strong moral code. The handling of major future challenges seems only possible with a deepened and shared ethical awareness. With every positive evocation of the future, however, comes an ethical responsibility towards those who are attracted and live by it. Futurity – understood here as talking about and ‘designing’ the future – thus, raises tricky ethical issues. The performing arts, as the art form of the present in time and space, nevertheless have a specific potential to imagine, reflect or even anticipate the future with all ethical consequences.
The contributions to this panel discuss these ethical dimensions in conceptions of the future in and through the performing arts from a variety of angles and different disciplines – covering music theatre and video art, drama, performance and contemporary dance. The ethical, practical and methodological questions raised will be taken up in a joint panel discussion, chaired by Anno Mungen.
The panel opens with the practitioner’s reflection “Immersive Playground vs. Ethical Responsibility”: Based on her more than 15 years of expertise in the conception and implementation of immersive, interactive and participatory works, Evelyn Hriberšek speaks out in favor of a code of conduct and thus against a limitless playground. Using O.R.PHEUS (2008-2013) and EURYDIKE (2013-now) as examples, she explains why architects of real, virtual and hybrid worlds have a (digital-)ethical responsibility towards the public, society and nature, as well as where concrete room for improvement lies.
According to Ulrike Hartung’s focus on “Operatic Feminisms? Possibilities for feminist music theatre making”, the ethics of working conditions in the performing arts can be considered as one of the key components in the configuration of crisis. Independent music theatre today appears not only as a laboratory for artistic experiments, but also for those of production. Highlighting concrete examples of feminist methods of making music theatre, this paper will discuss how changing conditions of production subsequently affect the structure as well as aesthetics of music theatre as an institution.
Benjamin Hoesch’s contribution “A professional future in the performing arts? Theatre director’s training between institutional advancement and false promises” raises the question of art schools’ ethical responsibility toward their students facing a professional future of uncertainty and possible precariousness. The ethical dilemma between honest career preparation and organizational self-preservation will be explored in discrepancies between schools’ public profiles and data from a survey conducted among European theatre schools.
As Gerald Siegmund notes in “Handle with Care: Fragile Bodies in Contemporary Dance Practice”, the contemporary independent dance scene is saturated with discourses on precariousness, vulnerability and care work. His paper seeks to analyse to what extent these discourses are reflected in the (self-)descriptions and programmes of academic institutions that train dancers and choreographers. What kind of future is envisioned by the artists and institutions and what are the tacit assumptions about how this ‘future’ will look like? What are the contradictions inherent in their visions?
Saturday, May 6, 2023
09:45 a.m. – 10:15 a.m.
Guest lecture ADK: Theatre during the Pandemic – How to archive documents of crises and institutional transformations
Speaker: Sara Örtel
In 2020, the corona pandemic and its impact on Germany’s theatre system were the reason for launching a new collection project in the Performing Arts Archives at Akademie der Künste (Academy of Arts) in Berlin.
The “Theater during the Pandemic” Collection focuses on event cancellations and changing working conditions due to protective measures, on programmatic reactions of theatres, production houses and theater professionals as well as on the economic and artistic consequences of the measures. Thus collected material includes documents on program planning, artistic issues and hygiene measures of selected theaters, opera houses and production houses, production materials, digital productions and performances, online discussions, internal and external correspondence, cultural-political statements and concepts as well as statistical information.
Since 2021, the Performing Arts Archives have been in regular exchange with the research group of the sub project “Theatre after Covid: Impact and institutional transformations” and sub-project 4 “Outside the Box: Aesthetic Re-formatting at Public Theatres following the 2020 Pandemic-related Closures in Germany, Great Britain and Switzerland” concerning the “Theater in the Pandemic” collection project. An exchange of collection material for possible research by these sub-projects of the DFG research group is planned for 2023 and 2024, as well as the subsequent transfer of surveys and interviews with theater employees by the research group to the “Theater in the Pandemic” Collection.
10:15 a.m. – 12 a.m.
Critical scenarios across the pandemic: Italy, Germany, UK
Speakers: Sebastian Stauss, Matteo Paoletti
Matteo Paoletti: Funding theatre in Italy: critical scenarios across the pandemic
The Italian institutional framework for the performing arts has been deeply reshaped in the last years. Although a unique and comprehensive law by the Parliament is still missing in the country, the sector has been revised by an articulate series of regulatory and administrative acts delivered on several levels of government, from local authorities to the State. The process started in 2013 with the ministerial decree Valore cultura, followed by a large number of legislative interventions by the Regions that have led, in a decade, to a scene which is highly complex and controversial. The health crisis did not help in this regard: the emergency legislation was frequently used to introduce ad hoc (and broadly unknown) funding for specific theatrical institutions, leading to an even more unequal and controversial panorama. As an example, a few lines in the Covid-decree 28 October 2020, n. 137, introduced a 1,000,000 euro grant to the “Orchestra giovanile Luigi Cherubini”, to be delivered annually without any explanation. Such legislative initiatives, frequently disguised in clauses of the State budget laws, led to a tremendous increase of ad hoc contributions, that doubled between 2014 and 2021.
The paper describes the evolution of theatre funding in Italy in the last decade and outlines those critical legislative initiatives and their effects on the theatrical system. The work relies on a database developed by Paoletti and his team, which includes over 11,000 records and 7,000 theatre enterprises in the period 2013-2022.
Sebastian Stauss: Cooperating and breaking barriers in music, theatre and education
Even before the Covid outbreak, publicly funded music theatre had been under pressure in terms of audience structure and declining attendance in many places. Outreach and education programs have been established for some years to counteract such developments – and gain more importance after the pandemic. Comparing European countries, the cultural policy framework within which cultural organizations cooperate with educational facilities varies, especially considering regulations. Using case studies of English and Italian music theatre companies with clear profiles of outreach work, we will show how national and regional structures have been used to exploit formerly unused or impeded opportunities for cooperation between culture and education. The increasingly observable European networking in music theatre also allows an assessment of future developments at the intersections of artistic and pedagogical strategies. Unified by concepts such as early learning and excellence, not only is a field of work getting more professionalized, but the striving for prestige through increased creativity is also intensifying.
The paper draws on the organizational history of the case studies in their respective theatre systems against the background of recent political developments. Qualitative data, also in the form of interviews conducted in the sub-project within the research unit, will be included as well.
Speaker/Referent:innen
Christopher Balme
Christopher Balme is professor of theatre studies and co-director of the Research Centre global dis:connect (www.globaldisconnect.org) at LMU Munich. His publications include Decolonizing the Stage: Theatrical syncretism and postcolonial drama, (Clarendon Press 1999); Pacific Performances: Theatricality and Cross-Cultural Encounter in the South Seas (2007); Cambridge Introduction to Theatre Studies (2008); The theatrical public sphere (2014) and The Globalization of Theatre 1870-1930: The Theatrical Networks of Maurice E. Bandmann, (2020). He was principal investigator of the DFG-funded research network „Configurations of Crisis“ and the ERC Advanced Grant ‘”Developing Theatre: Building Expert Networks for Theatre in Emerging Countries after 1945“.
Nikita Dhawan
Nikita Dhawan holds the Chair in Political Theory and History of Ideas at the Technical University Dresden, Germany. Her research and teaching focuses on global justice, human rights, democracy and decolonization. She received the Käthe Leichter Award in 2017 for outstanding achievements in the pursuit of women’s and gender studies and in support of the women’s movement and the achievement of gender equality. She has held visiting fellowships at Universidad de Costa Rica; Institute for International Law and the Humanities, The University of Melbourne, Australia; Program of Critical Theory, University of California, Berkeley, USA; University of La Laguna, Tenerife, Spain; Pusan National University, South Korea; Columbia University, New York, USA. Selected publications include: Impossible Speech: On the Politics of Silence and Violence (2007); Reimagining the State: Theoretical Challenges and Transformative Possibilities (ed., 2019); Rescuing the Enlightenment from the Europeans: Critical Theories of Decolonization (forthcoming). In 2023, she received the Gerda-Henkel-Visiting Professorship at Stanford University and the Thomas Mann Fellowship.
Neil Darlison
Neil Darlison is currently Director for Theatre and London for the Arts Council of England and has been for about eleven years. He has held a number or senior positions in arts organisations throughout his career – in theatres, arts centres, concert halls, festivals and music companies. These include the Theatre Royal in Stratford East as Co-Chief Executive, Executive Producer of the BT River of Music for the 2012 Cultural Olympiad, at Warwick Arts Centre as Deputy Director & Head of Programming and at the Southbank Centre as Head of Planning. In addition, he has undertaken consultancy and producing roles for the BBC, the Space, and the National Theatre. He co-founded Music Beyond Mainstream, an organisation which commissions, curates and tours large scale jazz, world and contemporary music concerts in the UK, and was Executive Producer of “This Way Up”, an annual touring festival of small-scale theatre.
Thomas Fabian Eder
Thomas Fabian Eder is a Postdoctoral Researcher at the DFG research group Configurations of Crisis [DFG-Forschungsgruppe Krisengefüge der Künste], School of Arts, Theatre Studies Institute at Ludwig-Maximilians-University, Munich. His current research interests include the social situation and working conditions of independent artists, the consequences of the Covid-19 pandemic for the performing arts and their institutional consolidation in the European context. In addition to his academic credentials, he draws on many years of experience as an arts manager entrusted with international activities in the field. Furthermore, he is involved in various jury and committee functions as well as a member of the scientific advisory board of the research project “Systemcheck” conducted by the Federal Association of Independent Performing Arts in Germany.
Angelika Endres
Angelika Endres M.A. is a research associate at the Institute for Theatre Studies at Ludwig-Maximilians-University Munich and is doing her PhD within the interdisciplinary research group “Configurations of Crisis”. She studied Cultural Studies and Business Administration at the Universities of Regensburg and Córdoba, Spain, Theatre Studies at the Ludwig-Maximilians-University Munich and “Curating in the Performing Arts” at the Paris Lodron University of Salzburg. As a project manager and creative producer for the contemporary performing arts, she also works for independent artists and companies as well as for theatres and festivals.
Silke zum Eschenhoff
Silke zum Eschenhoff studied Szenische Künste at University of Hildesheim. She worked as a production manager and dramaturg at Hebbel am Ufer Berlin and at the international festival Theater der Welt 2014, among others, as well as head of the Bürgerbühnen at Staatsschauspiel Dresden and Nationaltheater Mannheim. Since 2018, she has been research assistant in subproject 2 of the DFG research group and additionally juror for the festival BEST OFF – Festival Freier Theater 2020 and 2022 as well as a member of the theatre advisory board in Lower Saxony
Julia Glesner
Julia Glesner is professor of Cultural Management at Potsdam University of Applied Sciences. She studied Theater Studies, German Literature and Politics at the Universities of Mainz and Paris and was a scholarship holder of the Studienstiftung des Deutschen Volkes, the German Academic Exchange Service and the German Research Foundation. Research stays took her to Australia and as a Segal Research Fellow to the City University New York. In 2004 she was awarded a doctorate with a thesis on “Theater and Internet. On the Relationship between Culture and Technology in the dawning 21st Century”. In the 2003/04 season, she moved to Theater Erfurt as a consultant to the general director. From 2004, she was responsible for public relations there. From 2006 to 2017, she headed the department for communication, public relations and marketing at the Klassik Stiftung Weimar, was a member of the foundation’s board of directors and its press spokesperson. Recent publication: Opera for all. The Biography of Sir Peter Jonas (London 2023).
Steven Hadley
Dr. Steven Hadley is an academic, consultant and researcher working internationally in arts management, cultural policy and audience engagement. He is currently a Research Fellow at Trinity College Dublin and a Visiting Lecturer at Leuphana University of Lüneburg (Germany). He previously held research posts at the universities of Galway, Sheffield, Hull and Kings College London. Steven is an Associate Consultant with both The Audience Agency and Counterculture and sits on the Steering Committee of the Cultural Research Network and the Editorial Board of Arts and the Market. He is Policy & Reviews Editor for Cultural Trends. Steven has lectured, taught and delivered training in over thirty countries globally and works as a consultant for a wide range of cultural organisations. His recent published work has focussed on cultural democracy and audience engagement. His book, Audience Development and Cultural Policy, is published by Palgrave MacMillan.
Ulrike Hartung
Ulrike Hartung is a research fellow at the Research Institute for Music Theatre Thurnau, University of Bayreuth. Her research project “Persistence and Movement: Music Theatre in Institutional Change between Musealization and New Formats” is part of the nationwide research network “Crisis and Institutional Transformation in Performing Arts”, funded by the German Research Society (DFG). She studied theatre studies majoring in music theatre, English literature and contemporary German literature in Leipzig and Bayreuth and earned her doctoral degree with a thesis on “Postdramatic Music Theatre” for which she received a fellowship from the Bavarian Elite Support Act (BayEFG).
Axel Haunschild
Axel Haunschild is Professor of Work and Employment Studies at Leibniz University Hannover. His research interests include changing forms of work, employment and organization, cultural industries, sustainability from an industrial relations perspective, occupational lifestyles, and organizational boundaries. He has published in journals such as Human Relations, International Journal of Human Resource Management, Journal of Organizational Behavior, British Journal of Industrial Relations and Equality, Diversity and Inclusion.
Thomas Heskia
Thomas Heskia is founder and managing director of create encounter – Society for Transformative Encounter and lecturer for theatre management at Leuphana University Lüneburg. He studied commercial science and art history in Vienna as well as cultural management in Salzburg, Rome and Chicago. He is a trained organizational developer (DGSF) and is currently writing his PhD on corporate governance of theatres at the doctoral program Sociology and Cultural Organization at Leuphana. He worked for the cultural administration of the city of Vienna and the European Capital of Culture RUHR.2010 before becoming managing director of the Mainz Art School and commercial director of the theatres of Tübingen, Leipzig and Kiel. He published on financing, leadership and organization in the cultural sector and developed a standard for quality management of cultural institutions at the Austrian Standards Institute. His research interests include structure, corporate culture, governance and transformation of theatre companies.
Evelyn Hriberšek
Director Evelyn Hriberšek creates immersive artworks between reality and virtuality. Her interactive borderline experiences combine music theatre with installation and media art. Through hyper-aesthetic future scenarios, urgent issues become playfully accessible to an audience between high culture and mainstream, encouraging them to take action in the real world. O.R.PHEUS and EURYDIKE serve as examples for this approach.
The XR pioneer’s interdisciplinary field of work and research includes the critical examination of new technologies. The ethical and ecological implications of digital media are a major topic of her award-winning work and part of international discourses through keynotes, panels, lectures and publications.
Hriberšek studied architecture, stage and costume design and graduated from the Academy of Fine Arts in Munich with outstanding artistic achievements. As a student, she was awarded as Best Young Stage and Costume Designer in Germany, Austria and Switzerland. Currently, she is involved in curating, producing and writing for THEATER DER WELT 2023. // LinkedIn: Evelyn Hriberšek, Instagram: @evelyn.hribersek.
Benjamin Hoesch
Benjamin Hoesch is a researcher at the Institute for Applied Theatre Studies, University of Giessen. He studied Theatre and Comparative Literature in Valencia, Tel Aviv and Mainz, Germany, where he became a Teaching Assistant after graduating in 2013. Until 2018, he simultaneously studied Applied Theatre Studies in Giessen. His own stage work – mostly together with Gregor Glogowski – was coproduced with Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt, Stadttheater Giessen, Staatstheater Kassel or Kampnagel Hamburg. They were commissioned to teach workshops at the Taiwan National University and the Hogeschool voor de Kunsten Utrecht. In 2022, Hoesch finished his PhD on “Festivals for Young Artists. Organization, Institution, and Change in Contemporary Theatre”. His current project focusses on institutional change in theatre directors’ academic training.
Rosemary Klich
Rosemary Klich is Professor of Theatre and Director of Research at East 15 Acting School, University of Essex. Her research examines immersive, participatory, digital, and audio theatre practices and recent projects investigate the impact of Covid 19 on regional theatres and freelance theatre workers (Theatres Beyond the Stage: The Recovery of Theatres as Placemakers in the East of England, Freelancers in the Dark). She is co-lead for the University of Essex Digital, Cultural, Creative Research Network and leads the University of Essex Screen and Performance Research Network. On joining East 15 from the University of Kent, where she was Head of Drama, Rosie set up and ran the BA Creative Producing course at East 15 from 2018-2022. In 2020, she established the Estuary Producers Network, part of the Creative Estuary project, for arts producers in the Thames Estuary. Her research has been enabled through funding from UK and European organisations including the ESRC, Arts Council England, Enabling Innovation: Research and Application, DanceEast, Focal Point Gallery, and the Polish National Science Centre.
Birgit Mandel
Prof. Dr. Birgit Mandel is Professor of Cultural Mediation and Cultural Management at the University of Hildesheim (Germany). She is Vice-President of the Kulturpolitische Gesellschaft/German society of Cultural Policy, member of the Board of Trustees of the Commerzbank Foundation and founding member of the Fachverband für Kulturmanagement of the German speaking countries which she led as president for several years. She leads subproject 3 in the research group „Configurations of Crisis“.
Bianca Michaels
Dr. Bianca Michaels is a theatre scholar and has been the managing director of the School of Arts at Ludwig-Maximilians-University Munich since 2016. She studied Theater Studies, Musicology and German Philology at the Universities of Erlangen, Mainz, Vienna and Stanford (USA) and subsequently completed her PhD on American Opera in the Media Age at the Universiteit van Amsterdam (NL). After various activities in the field of arts management , she has been working at LMU Munich since 2007, where, in addition to her teaching and research activities, she has been responsible for setting up and leading an advanced vocational training programme in theater and music management. She leads subproject 4 in the research group „Configurations of Crisis“.
Anno Mungen
Anno Mungen is professor for theatre studies and Head of the Research Institute for Music Theatre Studies (fimt) in Thurnau, a research unit of the University of Bayreuth. He initiated the research focus Musik – Stimme – Geschlecht and the international cooperation WagnerWorldWide2013. Since 2017, he is leading a DFG research project on music theatre in Nürnberg during National Socialism, with the opening of the exhibition Hitler.Macht.Oper in 2018. His research interests include opera and music theatre from the 18th to 20th century, Richard Wagner, Gaspare Spontini, German music history in the 20th century, music and Gender as well as music and film.
Maria Nesemann
Maria Nesemann M.A. is a research associate in the DFG research group’s subproject 3 on Theatre Governance and Audience Development Strategies at Public Theatres in France, England and Germany at the University of Hildesheim (Germany). She studied Theatre Studies (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) and Cultural Mediation (Aix-Marseille Université, Universität Hildesheim). She is a funding member of the international artistic network PENGO Germany e.V.
Svea Nübel
Svea Nübel is a Researcher at the Institute for Political Science at the University of Münster Germany. She studied Communication Science at Münster University and at Universidad Rey Juan Carlos, Madrid. She also holds a Master’s degree in NGO and Development Management from the University of East London. From 2019 to 2022 she worked as a Fundraiser for the alliance of German NGOs “Aktion Deutschland Hilft”.
Currently, she is working on her dissertation with the working title “Framing for Good – an advocacy tool in fundraising?” at the institute for political science at Münster University.
Since 2022, she has been working first as a research assistant and later as a research associate in the DFG Research Group Crisis Structures of the Arts in Subproject 7. Here, her research focuses on the development and comparison of cultural governance in Germany, Austria and Switzerland.
Sara Örtel
Sara Örtel M.A. studied Theatre, Film and Media Studies, and Philosophy at Goethe University in Frankfurt am Main. From 2014 to 2018 she worked as a dramaturg at Deutsches Theater Göttingen. Since 2018 she has been a research associate at the Performing Arts Archives at Akademie der Künste (Academy of Arts) in Berlin. There she is responsible for the Performance Documentation Collection and the collection project „Theatre during the Pandemic“.
Matteo Paoletti
Matteo Paoletti (1984) is a senior assistant professor at the University of Bologna since 2021. He develops his research in the field of Economics and organisation of theatre, Opera staging and relationships between theatre and cultural diplomacy.
He is PI of Theatre and music between two shores of the Mediterranean: cultural connections between Italy and Tunisia (Global South 2022) and Migrantheatre/Migration perspectives in Europe (UNA Europa 2021).
He was a Cultural attaché at the Ministry of Foreign Affairs. For the Italian National Commission for UNESCO oversaw the 2003 Convention on Intangible Cultural Heritage.
His recent publications include:
– «A huge revolution of theatrical commerce». Walter Mocchi and the Italian Musical Theatre Business in South America, Cambridge University Press, 2020.
– «A single purpose: the conquest of the foreign art markets»: Theatre and cultural diplomacy in Mussolini’s Italy (1919-1927), New Theatre Quarterly, Vol. 38, Issue 3, August 2022.
Alexandra Portmann
Alexandra Portmann studied philosophy and theatre studies at the University of Bern. As a theatre and cultural scholar, she has been engaged at universities in Switzerland and abroad. Her dissertation “The time is out of joint – Shakespeare’s Hamlet in the countries of the former Yugoslavia” explores the interrelationship between remembrance and theatre and was awarded both the Faculty Prize of the University of Bern and the Martin Lehnert Prize of the German Shakespeare Society. Her PhD (2015) was followed by several years of teaching as well as research stays in the UK and Germany. Since 2019 she is leading the SNF Ambizione project “Festivals and Institutional Change: Perspectives on transnational ways of working in contemporary theatre” and since August 2020 she is Assistant Professor of Theatre Studies with a focus on contemporary theatre. In addition to her academic work, she has been regularly engaged as a dramaturg and project manager in the independent theatre scene. Moreover, she is a board member of the Future Advisory Board (FAB) of Performance Studies international (PSi).
Anja Quickert
Anja Quickert studied theatre, modern German literature and philosophy in Mainz, Bologna, Warsaw and Berlin. She writes for the journal “Theater heute”, works as the Managing Director for the International Heiner Müller Society and as a theatre maker. In 2018 she became a research assistant at the Trier University, since 2021 at the University of Hildesheim as part of
the research group. She serves on various juries of the Berlin Senate and the NATIONALES PERFORMANCE NETZ (NPN). In 2021 she published the first overview of the independent venues in Berlin “Other Spaces – The Independent Performing Arts Venues in Berlin”. Recently she also worked as a guest lecturer at the Berlin University of the Arts.
Jens Roselt
Jens Roselt is professor for theory and practice of theatre at the University of Hildesheim. His research focuses on the aesthetics of contemporary theatre and performance art, the history and theory of acting and directing, costume research, and the method of performance analysis. Forthcoming: Jens Roselt/Ekaterina Trachsel (eds.): Üben üben. Practices and Procedures of Practicing in the Arts, Brill/Fink 2023.
James Rowson
James Rowson is a Postdoctoral Researcher at The Royal Central School of Speech and Drama, University of London. He is currently working with Professor Christopher Balme on the collaborative research project ‘Theatre after Covid’ at LMU Munich and Central. He received his PhD from the Department of Drama and Theatre at Royal Holloway, University of London. He is also an editorial assistant for Contemporary Theatre Review.
Sebastian Stauss
Sebastian Stauss is a postdoctoral researcher in the DFG project at LMU Munich, where he had already worked as lecturer after completing his degrees in theatre studies, English and German literature. He has also authored various articles on opera and aspects of operatic performance history of the nineteenth and twentieth century (e.g. in Studies in Musical Theatre and The Cambridge Wagner Encyclopedia).
Most recent publications include:
– Krise – Boykott – Skandal (co-edited with Elfi Vomberg and Anna Schürmer), edition text + kritik, Munich, 2021.
– Enkulturativer Bruch und Formen der Vermittlung. Empirische Befunde zum deutschen Musiktheater (co-author with Katja Meroth), Forum Modernes Theater, Vol. 33, Issue 1-2, 2022 pp. 22-39.
Gerald Siegmund
Gerald Siegmund is professor for Applied Theatre Studies at the University of Giessen, where he took his Habilitation in 2005. Between 2005 and 2008, he was professor for Contemporary Theatre at the University of Berne, Switzerland. In 2009, he returned to the Institute for Applied Theatre Studies, having been appointed to the professorship for Choreography and Performance. Since January 2012 he holds the professorship for Applied Theatre Studies. Gerald Siegmund is author of numerous articles on contemporary dance and theatre performance as well as editor of the book “William Forsythe – Denken in Bewegung” (2004). His monograph “Abwesenheit. Eine performative Ästhetik des Tanzes” was published in 2006, his latest book „Theater- und Tanzperformance zur Einführung“ in 2020. His research interests include contemporary theatre and dance, theories of theatre, performance, intermediality and the various liminal domains where theatre meets the other arts.
Annette Zimmer
Annette Zimmer is Senior Professor at the Institute of Political Science at the University of Münster, Germany. She was affiliated with the Program on Nonprofit-Organizations at Yale University, USA, and served as the DAAD Visiting Professor at the Centre for International Studies of the University of Toronto, Canada, and as a Visiting Researcher at the American Centre for Contemporary Germany Studies in Washington, D.C. She served on the Board of the German Political Science Foundation (DVPW), and was the President of the International Society for Third Sector Research (ISTR). Her teaching experience covers BA, Master and PhD-programs at universities in Germany (Kassel, Münster, Frankfurt), Canada (Toronto), the Netherlands (Twente), and France (Lille). Her research focuses on the topic of civil society – government relationships as well as on the role and function of nonprofit organizations in selected policy fields, amongst those prominently the arts and culture.
Kooperation Theater in der Krise – DFG-Projekt „Krisengefüge der Künste“ und Sammlung „Theater in der Pandemie“
23.03.2023
Kooperationen
Theater in der Krise – DFG-Projekt „Krisengefüge der Künste“ und Sammlung „Theater in der Pandemie“
Die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf die deutsche Theaterlandschaft war 2020 Anlass dafür, im Archiv Darstellende Kunst in Berlin ein Sammlungsprojekt „Theater in der Pandemie“ ins Leben zu rufen. Das Archiv sammelt Dokumente, die Auskunft über die Folgen dieser Extremsituation für die Arbeit im Bereich der darstellenden Künste geben.
Seit 2021 stehen die Teilprojekte „Outside the Box: Ästhetische Neu-Formatierung an öffentlich getragenen Theatern im Anschluss an die pandemiebedingten Schließungen 2020 in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz“ und „Theater nach der Corona-Krise: Auswirkungen und institutioneller Wandel“ der Forschungsgruppe in regelmäßigem Austausch mit dem Archiv Darstellende Kunst im Rahmen des Sammlungsprojekts „Theater in der Pandemie“.
Für 2023 und 2024 ist ein Austausch von Sammlungsmaterial zur Beforschung durch die Teilprojekte der DFG-Forschungsgruppe geplant ebenso wie die anschließende Übernahme von Umfragen der Forschungsgruppe und Interviews mit Theatermitarbeitenden in die Sammlung „Theater in der Pandemie“ des Archivs Darstellende Kunst.
Ansprechpartnerin AdK: Sara Örtel, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Archiv Darstellende Kunst

LINKS
Veröffentlichung: “Kultur politisch … Postpandemischer Publikumsschwund” in der Zeitschrift Kultur Management Network von Birgit Mandel und Maria Nesemann
06.02.2023
In der neuen Ausgabe der Zeitschrift Kultur Management Network ist ein aus Projekterkenntnissen gespeister Artikel von Prof. Dr. Birgit Mandel und Maria Nesemann, M.A. erschienen.
Die Ausgabe können Sie hier kostenfrei herunterladen:
Link zur kostenfreien Ausgabe
Vortrag von Teilprojekt 4 im Rahmen der Konferenz “Krisenkünste”
12.01.2023 um 14:00 Uhr
Am Donnerstag, den 12. Januar 2023, wird das Teilprojekt 4 um 14:00 Uhr einen Vortrag mit dem Titel “Theater trotz Lockdown: Transformationsdynamiken in der Programmplanung seit Beginn der Corona-Krise” im Rahmen der Konferenz “Krisenkünste” halten.
Die Veranstaltung findet in der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung in Schloß Nymphenburg statt.
Deutschlandfunk: Interview mit Hilko Eilts im Rahmen einer Musikjournal-Sondersendung
26.12.2022
Im Rahmen einer Musikjournal-Sondersendung auf Deutschlandfunk mit dem Titel “Wo ist das Publikum? Eine Spurensuche” ist Hilko Eilts in einem Interview zu hören.
Während die Beiträge der anderen Interviewpartner:innen die aktuelle Nach-Corona-Situation im Konzert- und Theaterbereich in Hinblick auf das Publikum behandeln, geht es in Hilko Eilts Beitrag um die Frage, wie sich die Besuchszahlen bei den öffentlichen Theatern langfristig entwickelt haben und was sich daraus ableiten lässt.
Die Sondersendung ist hier auf Deutschlandfunk kostenlos anzuhören.
Podcast-Diskussion zum Thema Honorare in der Kunst mit Dr. habil. Alexandra Manske
16.10.2022
Unsere assoziierte Kollegin Dr. habil. Alexandra Manske hat am 16.10.2022 an einer Podcast-Diskussion bei Deutschlandfunk Kultur zum Thema Basishonorare für Künstler:innen teilgenommen.
Der Podcast ist hier zu hören: Kulturpolitscher Salon – Große Kunst und gute Arbeitsbedingungen – wie gelingt beides?
Vortrag von TP4 im Rahmen des GTW-Kongresses Matters of Urgency
29.09.2022
Unsere Kolleg:innen Angelika Endres, Dr. Bianca Michaels, Alessa Maria Karešin und Lukas Stempel gestalteten im Rahmen des GTW-Kongresses Matters of Urgency ein Panel zur ästhetischen Neuformatierung an öffentlich getragenen Theater in Deutschland.
Weitere Informationen finden Sie hier: Das Panel auf der Website des Kongresses

Ausschreibung Wissenschaftliche Koordination
23.09.2022 – 17.10.2022
Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ist eine der renommiertesten und größten Universitäten Deutschlands mit vielfältigsten Aufgabenfeldern. Das Department Kunstwissenschaften sucht eine:
Wissenschaftliche Koordination (m/w/d) für das DFG-Projekt „Krisengefüge der Künste“
Für das DFG-Projekt „Krisengefüge der Künste“, angesiedelt am Fach Theaterwissenschaft, ist ab 01.01.2023 die Stelle einer / eines wissenschaftlichen Mitarbeiterin / Mitarbeiters (m/w/d) zu besetzen (75%). Die Stelle ist bis zum 30.04.2024 befristet. Die Eingruppierung erfolgt nach TVL-E13.
Aufgaben
Die ortsverteilte DFG-Forschungsgruppe „Krisengefüge der Künste“ untersucht in ihrer zweiten Förderphase die Veränderungsdynamiken von öffentlich geförderten Theatern sowie der Freien Szene. Um der komplexen Struktur dieses Gefüges gerecht zu werden, erprobt die Forschungsgruppe eine interdisziplinäre Kooperation zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften. Wissenschaftler:innen aus unterschiedlichen Disziplinen verbinden ihre fachspezifischen Perspektiven auf den Forschungsgegenstand. Koordiniert wird die FOR durch eine:n künftigen Mitarbeiter:in. Das Koordinationsprojekt orientiert sich in seinem Arbeitsprogramm an den wissenschaftlichen Zielen der Forschungsgruppe.
Die Tätigkeiten und Aufgaben umfassen
- Wissenschaftliche Koordination des Forschungsverbunds (zentrale Kommunikation und Moderation von Abstimmungsprozessen bzgl. gemeinsamer Aktivitäte n, Forschungsdatenmanagement etc.)
- die inhaltliche Konzeption und organisatorische Leitung gemeinsamer Veranstaltungen wie Workshops und Tagungen (in Präsenz wie Online)
- das Begleiten von Publikationen
- die Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf der Verbundebene
- Öffentlichkeitsarbeit
- Vergabe von Gleichstellungsmitteln
- Verwaltung der Verbundmittel
Anforderungen
Sie verfügen mindestens über einen Masterabschluss in den Geschichts- und Kunstwissenschaften oder einem verwandten Studiengang, sehr gute EDV-Kenntnisse, hohe Einsatzbereitschaft, Teamfähigkeit, eine sorgfältige, strukturierte und selbständige Arbeitsweise und ausgeprägte Team- und Kommunikationsfähigkeiten. Freude an der Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftler:innen sind eine weitere grundlegende Voraussetzung. Erste Erfahrungen im Bereich Wissenschaftsmanagement sind wünschenswert.
Unser Angebot
Ihr Arbeitsplatz befindet sich in zentraler Lage in München und ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Wir bieten Ihnen einen interessanten und verantwortungsvollen Arbeitsplatz mit guten Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten.
Schwerbehinderte Personen werden bei im Wesentlichen gleicher Qualifikation bevorzugt. Die Bewerbung von Frauen wird ausdrücklich begrüßt.
Kontakt
Bitte schicken Sie Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen (mit Lebenslauf, Zeugnissen, Urkunden, elektronischer Adresse) bis spätestens 17.10.2022 ausschließlich in elektronischer Form zusammengefasst in einer PDF-Datei (nach dem Schema nachname_vorname.pdf) an:
Ludwig-Maximilians-Universität
Department Kunstwissenschaften
DFG-Forschungsprojekt „Krisengefüge der Künste“
Dr. des. Simon Gröger
E-Mail: krisengefuege@lrz.uni-muenchen.de
Interviews werden voraussichtlich in der letzten Oktoberwoche stattfinden.
Downloads
- Ausschreibung Koordination Sept. 22 (171 KByte)
Summer School Juli 2022
25.07.2022
Vom 14.07.2022 bis zum 17.07.2022 fand die viertägige Summer School der Forschungsgruppe in München statt. Thematisch stand die Summer School unter dem Thema „Krisenforschung – Methoden, Feld, Ästhetik. Die darstellenden Künste im Wandel (während und nach Corona)“. Dabei wurden insgesamt 15 junge Forschende aus den Kunst-, Kultur- und Sozialwissenschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, deren aktuelle Projekte Berührungspunkte mit der wissenschaftlichen Arbeit der Forschungsgruppe aufweisen, zur Teilnahme eingeladen. Ziel der Veranstaltung war es, die Forschungsprojekte der eingeladenen Nachwuchswissenschaftler:innen kennenzulernen und mit diesen in Austausch zu treten. Dabei erhielten die eingeladenen Personen zugleich einen Einblick in die aktuelle Arbeit der Forschungsgruppe.

Die konkrete inhaltliche Arbeit in Form von Projektvorstellungen und Diskussion relevanter Fragestellungen fand dabei teils im Plenum, teils separat in drei Arbeitsgruppen statt. Das Plenum aller Teilnehmer:innen diente hierbei in erster Linie der Vorstellung der Arbeit der Forschungsgruppe. Die Arbeitsgruppen wurden jeweils von Mitgliedern der Forschungsgruppe aus mehreren Teilprojekten betreut und widmeten sich folgenden Thematiken: Governance, Legitimation und politische Relevanz; Arbeitsbedingungen, Ausbildung und Ästhetik in den freien darstellenden Künsten; ästhetische Neu-formatierung und organisationale Transformation. Die Teilnehmer:innen ordneten sich bereits in ihren Bewerbungen in die gewünschte – und dem jeweiligen, persönlichen Forschungsinteresse entsprechende – Arbeitsgruppe ein.
Die Summer School begann am Donnerstagnachmittag mit einem einführenden Vortrag von Christopher Balme als Sprecher der Forschungsgruppe. Dem folgte der erste von drei geplanten Impulsvorträgen: Gerald Siegmund und Axel Haunschild verbanden darin „Arbeitsbedingungen und Ästhetik“. Am Folgetag folgten zwei weitere Impulsvorträge; Katharina Obuch und Maria Nesemann sprachen über „Kulturpolitische Steuerung im bundesdeutschen und im internationalen Vergleich. Länderkulturpolitik von Hamburg bis Bayern und Cultural Governance-Strategien für kulturelle Teilhabe in Deutschland, Frankreich und England“. Angelika Endres und Thomas Eder gingen im dritten Impulsvortrag vertiefend auf das Thema „Theater in der Pandemie. Zwischen ästhetischer Neuformatierung und organisationaler Transformation“ ein.

Im Anschluss folgte, um den theoretischen Input durch eine historische Perspektive zu erweitern, eine Führung durch die aktuelle Ausstellung „Die Lust am anderen Theater. Freie darstellende Künste in München“ im Deutschen Theatermuseum München, sodass die Arbeit in den AGs gut vorbereitet und motiviert aufgenommen werden konnte.
Die für den Samstagabend geplanten Besuche verschiedener Aufführungen Münchner Theater, fielen leider fast gänzlich der Corona-Pandemie zum Opfer, lediglich Das schlaue Füchslein in der Bayerischen Staatsoper konnte von einigen Teilnehmer:innen der Summer School wie geplant besucht werden.
Am Vormittag des letzten Tages bereiteten die einzelnen Arbeitsgruppen jeweils eine Abschlusspräsentation ihrer gemeinsamen Arbeit vor, welche im Anschluss im Plenum vorgestellt und mit fruchtbaren Diskussionen begleitet wurde.
In einer abschließenden Feedback-Runde wurde die Summer School insgesamt als ein sehr positives Format bewertet, die Gruppe beschloss in Kontakt zu bleiben.
Vortrag von Sebastian Stauss bei “Kunst, Kultur, Gesellschaft” (Zentrum Seniorenstudium)
12.07.2022
Sebastian Stauss sprach am 12.07.2022 in der LMU beim Vortragszyklus “Kunst, Kultur, Gesellschaft” (Zentrum Seniorenstudium) zum Thema: Resilient oder reformbedürftig? Musiktheater und die Bewältigung institutioneller Krisen
Hier finden Sie die Aufzeichnung des Vortrages: Link zum Vortrag
Publikation: Artikel von Katja Meroth und Sebastian Stauss in Forum Modernes Theater
24.06.2022
In ihrem gemeinsamen Artikel “Enkulturativer Bruch und Formen der Vermittlung. Empirische Befunde zum deutschen Musiktheater” präsentieren und reflektieren Katja Meroth und Sebastian Stauss einen Zwischenstand von Forschungsergebnissen in TP 1.
Publikation: Dissertation von Mara Ruth Wesemüller im Kontext der DFG-Forschungsgruppe “Krisengefüge der Künste”
20.06.2022
Mara Ruth Wesemüller veröffentlicht ihre Dissertation mit dem Titel Kooperationen im Theater. Institutioneller Wandel der freien darstellenden Künste, welche im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe “Krisengefüge der Künste” entstanden ist. Hier finden Sie eine Auflistung aller Publikationen im Kontext der Forschungsgruppe.
Vortrag von Thomas Fabian Eder im Rahmen von: Walk the Line – Fairness for the Independent Performing Arts in Europe
25.03.2022
Thomas Fabian Eder hält am 25.03.2022 einen Vortrag bei der Hybrid Conference WALK THE LINE – FAIRNESS FOR THE INDEPENDENT PERFORMING ARTS IN EUROPE in Wien. Dem Vortrag kann in Präsenz oder per Livestream beigewohnt werden. Die Veranstaltung wird auf Englisch abgehalten.
Das Working Paper zum Vortrag.
Auf die Ohren, fertig, los! Festival und Konferenz der Jungen Opern Rhein-Ruhr
24.03.2022 – 27.03.2022
mit Katja Meroth (Vortrag) und PD Dr. Christiane Plank-Baldauf (Vortrag)
Link zur Website der Veranstaltung
Ausschreibung Summer School
18.02.2022
Interdisziplinäre Summer School
DFG-Forschungsgruppe »Krisengefüge der Künste«
Krisenforschung – Methoden, Feld und Ästhetik.
Die darstellenden Künste im Wandel (während und nach Corona)
14. Juli – 17. Juli 2022, Theaterwissenschaft München
Unter dem Titel Krisenforschung – Methoden, Feld und Ästhetik. Die darstellenden Künste im Wandel (während und nach Corona) lädt die DFG-Forschungsgruppe »Krisengefüge der Künste« zur Summer School ein. Dabei wird ein interdisziplinärer Austausch zwischen Expert:innen, Nachwuchswissenschaftler:innen und fortgeschrittenen Studierenden verfolgt, die sich mit den jüngsten Entwicklungen des europäischen Bühnengeschehens, vor allem unter ästhetischen, kulturpolitischen soziologischen und Organisations-Aspekten befassen.
Im Rahmen der Summer School wird vor allem der Vergleich angestrebt, unter welchen Voraussetzungen die Covid-19-Pandemie in den Ländern und Regionen Europas den Theatersektor erschüttert hat, mit welchen Instrumenten darauf reagiert wurde und welche Entwicklungen für die Zukunft zu erwarten sind.
Eingeladen sind Doktorand:innen und fortgeschrittene Masterstudierende der Geistes- und Sozialwissenschaften, insbesondere mit einem themenverwandten Schwerpunkt in ihren Abschlussarbeiten.
Die Interessent:innen werden gebeten, für die Vorstellung ihrer eigenen Projekte eine Materialauswahl zu treffen (z. B. Texte, Daten, Videos), die in den Arbeitsgruppen auch mit den von der Forschungsgruppe entwickelten und angewandten theateranalytischen und sozialwissenschaftlichen Methoden behandelt werden können. Zur Vorbereitung erhalten die ausgewählten Teilnehmer:innen vorab einen Reader (in digitaler Form).
Zu Beginn der Summer School erfolgt ein Überblick über die bisherige Arbeit der Forschungsgruppe. Am zweiten Tag wird die Summer School, nach Impulsvorträgen von Mitgliedern der Gruppe, in drei parallel tagende Arbeitsgruppen eingeteilt, die jüngste Entwicklungen einschließlich der von den Teilnehmer:innen ausgewählten Beispiele behandeln. Die Abschlussdiskussion dient, auch um in der Ergebniszusammenfassung Schnittmengen der Arbeitsgruppen auszuloten, der Zusammenführung der verschiedenen Perspektiven.
Vorläufiger Zeitplan
14. Juli 2022
14-17h Vorstellung der Forschungsgruppe und der Teilnehmer:innen; thematische und methodische Einführung
15. Juli 2022
9:30-13h im Plenum: Inputs zu Theater als Institution
- Impulsvortrag 1: Kulturpolitische Steuerung im bundesdeutschen und im internationalen Vergleich. Länderkulturpolitik von Hamburg bis Bayern und Cultural Governance-Strategien für kulturelle Teilhabe in Deutschland, Frankreich und England
- Impulsvortrag 2: Arbeitsbedingungen und Ästhetik
- Impulsvortrag 3: Theater in der Pandemie. Zwischen ästhetischer Neuformatierung und organisationaler Transformation
Aufteilung der Teilnehmer:innen in Arbeitsgruppen (AG) zur Vertiefung:
14-17:30h parallel: Themenblock Organisationsstrukturen
Vorstellung/Bearbeitung themenrelevanter Forschungsvorhaben
- AG 1: Governance am Theater
- AG 2: Arbeitsbedingungen, Organisationsstrukturen und Ästhetik
- AG 3: organisationale Anforderungen und Neuerungen
16. Juli 2022
9:30-13h parallel: Themenblock Inkonsistenzen und Konfliktpotentiale
Vorstellung/Bearbeitung themenrelevanter Forschungsvorhaben
- AG 1: Relevanzverlust und Teilhabeorientierung
- AG 2: Ausbildung: Marktzugänge, Überproduktion, Ästhetik
- AG 3: physische Kopräsenz vs. digital liveness
14-17:30h parallel: Themenblock Nach Corona?
Vorstellung/Bearbeitung themenrelevanter Forschungsvorhaben
- AG 1: Vermittlung als Ausgleich von Stakeholder-Interessen
- AG 2: Kooperationsformen und Ästhetik im Wandel
- AG 3: Neuformatierung und Stakeholder-Interessen
17. Juli 2022
9:30-13h Zusammenfassung; Abschlussdiskussion
Hinweise zum inhaltlichen und organisatorischen Konzept
Die Summer School dient auch der Reflexion quantitativer und qualitativer empirischer Methoden für die Theaterforschung, wie sie in der Gruppe »Krisengefüge der Künste«, in ihrer interdisziplinären Zusammensetzung aus Theaterwissenschaft, Sozialwissenschaften sowie Kulturmanagement und Kulturvermittlung, seit 2018 mit angewendet und weiterentwickelt werden.
Am ersten Tag der Summer School werden wie erwähnt das bisherige Vorgehen und Erkenntnisse der Forschungsgruppe vorgestellt. In den Diskussionsrunden und Übungen der Arbeitsgruppen an den Folgetagen soll zusätzliches Forschungspotential vor dem Hintergrund der Corona-Krise erarbeitet werden. Idealerweise wählen die Bewerber:innen vorab Fälle (Häuser, Ensembles, Produktionshäuser und freie Gruppen) an verschiedenen Standorten Europas, die in ihrem kulturpolitischen Setting und in ihren Governance-Strukturen gemeinsam mit der Forschungsgruppe reflektiert werden. Die genaue inhaltliche Ausrichtung dieser Arbeitsgruppen wird an den Bedarf der Teilnehmer:innen angepasst.
Die Impulsvorträge und Arbeitsgruppen entsprechen folgenden Arbeitsfeldern, die im Rahmen von Teilprojekten der Gruppe »Krisengefüge der Künste« beforscht werden.
1) Governance, Legitimation und politische Relevanz
mit Teilprojekten 1, 3, 7; Betreuung von AG 1
Nicht zuletzt angesichts der Verteilung milliardenschwerer, nationaler Rettungspakete gegenüber gewaltigen Kürzungen regionaler und kommunaler Kulturbudgets in mehreren europäischen Ländern stellt sich die Frage: Auf welchem Grundverständnis und nach welchen Kriterien verändern sich öffentliche Wahrnehmung, kulturpolitische Förderung und Steuerung von Theater im europäischen Vergleich? Der Fokus der Arbeitsgruppe in diesem Arbeitsfeld liegt auf der Auseinandersetzung mit dem Oberbegriff Governance für den Kulturbereich. Dieser wird auf verschiedenen sich gegenseitig bedingenden Ebenen reflektiert und diskutiert. Mit den Teilnehmer:innen sollen in diesem Rahmen tiefergehende Kenntnisse zu der Triade Governance, Legitimation und politischer Relevanz erarbeitet werden. Dieser thematische Schwerpunkt umfasst sowohl sich wandelnde binnenorganisatorische Strukturen und Leitungsmodelle als auch kulturpolitische Steuerung(en).
2) Arbeitsbedingungen, Ausbildung und Ästhetik in den freien darstellenden Künsten
mit Teilprojekten 2, 5, 6; Betreuung von AG 2
Die Kernfrage dieses Arbeitsfelds der Summer School lautet: Welche Arbeitsmodelle und Ausbildungskonzepte finden sich in den freien darstellenden Künsten und welche Zusammenhänge bestehen zwischen Arbeitsformen und künstlerischer Ästhetik? Die Lockdown-Phasen der Corona-Pandemie legten länderübergreifend die mangelhafte Absicherung bei flexiblen Arbeitsverhältnissen in den darstellenden Künsten offen. Im Rahmen der Arbeitsgruppe dieses Arbeitsfelds sollen Möglichkeiten und Alternativen der Arbeitssicherung und -organisation, der Ausbildung sowie des projekt- und netzwerkorientierten Arbeitens einander gegenübergestellt und im Hinblick auf ihre ästhetischen Konsequenzen analysiert werden.
3) Ästhetische Neuformatierung und organisationale Transformation
mit Teilprojekt 4 und Corona-Querschnittsprojekt; Betreuung von AG 3
Welche mittel- und langfristigen Auswirkungen haben die aufgrund der Corona-Pandemie verordneten Maßnahmen auf die darstellenden Künste und wie verändert sich in Zeiten von physical distancing das (Selbst-)Verständnis einer Institution, die sich über physische Kopräsenz definiert? Nicht nur digitale Angebote haben in der Pandemie deutlich zugenommen, auch die Organisation darstellender Künste hat sich verändert. Daher wird in der Arbeitsgruppe dieses Arbeitsfelds untersucht, welche Potentiale für Innovation und Transformation theatraler Produktion und Organisation durch die Corona-Krise bestehen.
Hinweise zur Teilnahme
Wir bieten
- 15 Plätze für Doktorand:innen und fortgeschrittene Masterstudierende
- Hotelunterbringung und Übernahme der An- und Abreisekosten (bevorzugt per Bahn)
- Rahmen- und Abendprogramm
Wir bitten um
- Motivationsschreiben zum Forschungsinteresse (insg. max. 250 Wörter), inkl. möglichen Fallbeispielen und gewünschter Zuordnung zu einem Arbeitsfeld
- (Akademischer) Lebenslauf inkl. Kontaktdaten
Bitte senden Sie Ihre Bewerbung in einer pdf-Datei bis spätestens 6. Mai 2022 an krisengefuege@lrz.uni-muenchen.de
Weitere Informationen zur Forschungsgruppe sowie deren Teilprojekten sind zu finden unter www.krisengefuege.theaterwissenschaft.uni-muenchen.de
Downloads
Ausschreibung “Wissenschaftliche Koordination”
02.12.2021
Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ist eine der renommiertesten und größten Universitäten Deutschlands mit vielfältigsten Aufgabenfeldern. Das Department Kunstwissenschaften sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine:
Wissenschaftliche Koordination (m/w/d) für DFG-Projekt „Krisengefüge der Künste“
Für das DFG-Projekt „Krisengefüge der Künste“, angesiedelt am Fach Theaterwissenschaft, ist ab 1.4.2022 die Stelle einer / eines wissenschaftlichen Mitarbeiterin / Mitarbeiters (m/w/d) zubesetzen (75%). Die Stelle ist bis zum 30.4.2024 befristet. Die Eingruppierung erfolgt nach TVL – E13.
Aufgaben
Die ortsverteilte DFG-Forschungsgruppe „Krisengefüge der Künste“ untersucht in ihrer zweiten Förderphase die Veränderungsdynamiken von öffentlich geförderten Theatern sowie der Freien Szene. Um der komplexen Struktur dieses Gefüges gerecht zu werden, erprobt die Forschungsgruppe eine interdisziplinäre Kooperation zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften. Wissenschaftler:innen aus unterschiedlichen Disziplinen verbinden ihre fachspezifischen Perspektiven auf den Forschungsgegenstand. Koordiniert wird die FOR durch eine:n künftige:n Mitarbeiter:in. Das Koordinationsprojekt orientiert sich in seinem Arbeitsprogramm an den wissenschaftlichen Zielen der Forschungsgruppe.
Die Tätigkeiten und Aufgaben umfassen
- Wissenschaftliche Koordination des Forschungsverbunds (zentrale Kommunikation und Moderation von Abstimmungsprozessen bzgl. gemeinsamer Aktivitäten, Forschungsdatenmanagement etc.)
- die inhaltliche Konzeption und organisatorische Leitung gemeinsamer Veranstaltungen wie Workshops und Tagungen (in Präsenz wie Online)
- das Begleiten von Publikationen
- die Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf der Verbundebene
- Öffentlichkeitsarbeit
- Vergabe von Gleichstellungsmitteln
- Verwaltung der Verbundmittel
Anforderungen
Sie verfügen mindestens über einen Masterabschluss in den Geschichts- und Kunstwissenschaften oder einem verwandten Studiengang, sehr gute EDV-Kenntnisse, hohe Einsatzbereitschaft, Teamfähigkeit, eine sorgfältige, strukturierte und selbständige Arbeitsweise und ausgeprägte Team- und Kommunikationsfähigkeiten. Freude an der Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind eine weitere grundlegende Voraussetzung.
Unser Angebot
Die Eingruppierung erfolgt nach TV-L, Entgeltgruppe 13. Die Stelle ist auf 2 Jahre befristet.
Ihr Arbeitsplatz befindet sich in zentraler Lage in München und ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Wir bieten Ihnen einen interessanten und verantwortungsvollen Arbeitsplatz mit guten Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten.
Schwerbehinderte Personen werden bei im Wesentlichen gleicher Qualifikation bevorzugt.
Die Bewerbung von Frauen wird ausdrücklich begrüßt.
Kontakt
Bitte schicken Sie Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen (mit Lebenslauf, Zeugnissen, Urkunden, elektronischer Adresse) bis spätestens 9.1.2022 ausschließlich in elektronischer Form zusammengefasst in einer PDF-Datei (nach dem Schema nachname_vorname.pdf) an:
Ludwig-Maximilians-Universität
Department für Kunstwissenschaften
DFG-Projekt „Krisengefüge“
PD Dr. Christiane Plank-Baldauf
Email: krisengefuege@lrz.uni-muenchen.de
Interviews werden voraussichtlich in der letzten Januarwoche stattfinden.
Downloads
Ausschreibung Hilfskraft (m/w/d)
02.12.2021
Im Teilprojekt „Outside the Box: Ästhetische Neu-Formatierung an öffentlich getragenen Theatern im Anschluss an die pandemiebedingten Schließungen 2020 in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz“ (Leitung: Dr. Bianca Michaels) der DFG-Forschungsgruppe „Krisengefüge der Künste“ suchen wir ab dem 01.03. bzw. 15.03.2022 Verstärkung für unser Team.
Das Teilprojekt untersucht die Auswirkungen der Pandemie-bedingten Theaterschließungen auf
die Spielplangestaltung der öffentlich getragenen Theater in Deutschland, Großbritannien und der
Schweiz. Ziel ist – neben der Untersuchung der Formate – zu erforschen, inwiefern diese auch
die Strukturen von Theater als Institution verändern.
Aufgaben
- Recherchetätigkeiten (Internet, Literatur- und Dokumentenanalysen, insbesondere Spielpläne öffentlich getragener Theater)
- strukturierte Aufnahme von Daten in Excel
- ggf. Transkription von Interviews
- Erstellen von Präsentationsmaterial (PPP, Handout) für Vorträge/Konferenzen
- Unterstützung beim Lektorat
Anforderungen
- Student:in im BA oder MA mit Haupt- oder Nebenfach Theaterwissenschaft
- Freude und Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten und an konzeptionellem Denken
- strukturierte, zuverlässige und exakte Arbeitsweise
- hohe Eigenverantwortlichkeit
- hohe soziale und kommunikative Kompetenz
- gute Kenntnisse von MS Office Anwendungen (u.a. Excel)
Rahmenbedingungen
- 8-12 Wochenstunden
- ab dem 01./15.03.2022
Ihre Bewerbung (kurzes Anschreiben, Lebenslauf und ggf. Abschlusszeugnisse) richten Sie bitte
bis spätestens 14.01.2022 via Mail im 1-PDF-Format an Angelika Endres:
angelika.endres@lmu.de
Erste Qualifizierungsarbeit der Forschungsgruppe erfolgreich verteidigt
04.11.2021
Am 4.11.2021 hat Mara Ruth Wesemüller, bis vor Kurzem Mitarbeiterin im Teilprojekt 2 der Forschungsgruppe, erfolgreich ihre Dissertationsschrift Kooperationen im Theater. Institutioneller Wandel der freien darstellenden Künste verteidigt. Der interdisziplinär angelegte Forschungsbeitrag untersucht Transformationsdynamiken im Feld der darstellenden Künste anhand des Phänomens der Kooperationen zwischen Freier Szene und öffentlich getragenen Theater. Neben einer Diskursanalyse zum Thema stützt u.a. die empirische Untersuchung verschiedener Kooperationen die These eines institutionellen Wandels des Praxisfelds der (freien) darstellenden Künste. Die Arbeit wurde von dem Theaterwissenschaftler Prof. Dr. Christopher Balme und dem Arbeitswissenschaftler Prof. Dr. Axel Haunschild betreut. Die Dissertationsschrift wird im Frühjahr 2022 in der Reihe Literatur – Kultur – Ökonomie des Peter-Lang-Verlags erscheinen.

Veröffentlichung: “Kultur theoretisch und praktisch… Theater in der Legitimationskrise?”
27.10.2021
Prof. Dr. Birgit Mandel, Leiterin des Teilprojekts 3, beteiligt sich mit einem Artikel an der 162. Ausgabe des Kultur Management Network Magazins im Oktober 2021. Im Heft mit dem Schwerpunkt Werbung im Kulturbetrieb setzt sich die Forscherin inbesondere mit der Legitimationskrise im Theater auseinander, in einem Exzerpt von Forschungsergebnissen der ersten Förderphase der Krisengefüges der Künste. Birgit Mandel stellt dabei Fragen wie:
Wie relevant sind sie [die Theater] (noch) für das kulturelle und gemeinschaftliche Leben? Wen erreichen sie überhaupt mit ihren Angeboten, repräsentieren sie die Bevölkerung in ihrer Diversität? Befinden sich die Stadt- und Staatstheater in einer Publikums- oder mehr noch in einer Legitimationskrise?
Durch einen Einblick in ihre bisherigen Forschungsergebnisse zeigt Birgit Mandel Ansatzpunkte der wissenschaftlichen Ergründung auf. Das Inhaltsverzeichnis des Magazins, sowie die Möglichkeit zum Download der Ausgabe finden Sie hier.
Kolloquiumsteilnahme Dr. Sebastian Stauss
07.10.2021
Dr. Sebastian Stauss, Mitarbeiter in Teilprojekt 1, hat am 7.10.2021 an einem Forschungskolloquium zu Musikinstitutionen in der Krise teilgenommen. Es entstand in Zusammenarbeit mit dem Centre Interdisciplinaire d’études et de Recherches sur l’Allemagne (CIERA), einem deutsch-französisch-internationalem Forschungsnetzwerk mit Sitz in Paris. Das dreisprachige Kolloquium beschäftigte sich im deutsch, englisch, französischem Austausch mit dem Umgang mit gesellschaftlichem Krisen, wie der Coronakrise, in Musikinstitutionen. Dabei wurden neben umfassend treffenden Konsequenzen, auch länderspezifische Problematiken und Lösungen zur Befreieung aus der Krise beleuchtet. So wurden unter anderem folgende Fragen besprochen:
Erzeugt die Corona-Krise spezifische Reaktionen oder werden durch die Krise bereits bestehende – latente oder manifeste – Problematiken verstärkt? Kann die Corona-Krise Ausgangspunkt für die Entstehung neuer Institutionen und signifikanter Transformationen sein? Oder macht sie stattdessen Grenzen von Institutionen sichtbar, deren Grundfesten nicht veränderbar erscheinen? Wie kann die Komplexität institutioneller Netzwerke und den z.T. ganz individuellen Strategien unterschiedlichster Musikinstitutionen gefasst werden, mit denen sie auf neue Formen von Instabilität reagieren?
Weitere Informationen finden Sie hier.
Veröffentlichung: Krise – Boykott – Skandal
06.10.2021
Die neu erschienene Publikation Krise – Boykott – Skandal. Konzertierte Ausnahmezustände, unter anderem herausgegeben von Dr. Sebastian Stauss, Mitarbeiter in Teilprojekt 1, setzt sich mit verschiedenen Aspekten des Krisenbegriffs im Bereich der darstellenden Künste und der Musik auseinander.
Krise, Boykott, Skandal – drei schillernde Begriffe, denen ein schlechtes Image anhaftet, die aber auch produktive Potenziale freisetzen können. Besondere Strahlkraft entwickeln sie, seit moderne Krisendiskurse schnell wechselnde, zunehmend massenmedial geprägte Umbruchszenarien befeuern.
Das Buch ist im edition text + kritik Verlag erschienen und sowohl als e-Book als auch gebunden erhältlich.
Weitere Informationen, wie Inhaltsverzeichnis und Klappentext, finden Sie hier.
Veröffentlichung: Das (un)verzichtbare Theater
27.08.2021
Die Abschlusspublikation des Teilprojektes 3: Strukturwandel der Kulturnachfrage als Auslöser von Anpassungs- und Innovationsprozessen in deutschen Stadt- und Staatstheatern, ist nun erschienen. Sie ist sowohl print als auch digital (open access) erhältlich.
Prof. Dr. Birgit Mandel, Charlotte Burghardt M.A., und Maria Nesemann M.A., haben sich inhaltlich in verschiedenen Studien unter anderem mit der Legitimität der Stadt-, Staats- und Landestheater, sowie einer Diskursanalyse des Krisenbegriffs in der Fachöffentlichkeit und dem Themengebiet von Audience Development auseinandergesetzt.
Den Link zum Download des PDFs finden Sie hier.
Vortrag von Thomas Fabian Eder im Rahmen des Kutná Hora Performing Arts Festival
10.08.2021
Thomas Fabian Eder hält am 11.09.2021 einen Vortrag beim Kutná Hora Performing Arts Festival in Tschechien. Der Vortrag ist Teil des Rahmenprogramms und widmet sich dem Thema “Organisationsstrukturen und Governance in den Freien Darstellenden Künsten Europas”.
Bericht über die Jahrestagung 2021
Wird das Theater zur Diskursbude?
30.06.2021
In der Deutschen Bühne ist unter dem Titel Wird das Theater zur Diskursbude? ein Bericht von Detlef Brandenburg über die Jahrestagung 2021 der Forschungsgruppe erschienen. Brandenburgs Fazit lautet:
„Diese beiden Tage boten überreichlich Stoff zum Nachdenken und auch für Sorgen um das Theater. Denn in welchen Legitimationsmythos man seine Hoffnung auch setzen mag: Die Krisensituation, die Christopher Balme, Birgit Mandel und ihre Kollegen in zahlreichen Facetten kenntlich gemacht haben, ist real. Sie wird derzeit von einer anderen Krise überdeckt, und wie es aussieht, wird das Theater, wenn es denn wieder spielen darf, schon aus infektionshygienischen Gründen noch eine Zeit lang mit sehr viel weniger Zuschauern auskommen als zuvor. Aber am Ende wird es erneut mit den Erkenntnissen und Fragen konfrontiert sein, die diese Tagung formuliert hat. Die Suche nach Lösungen sollte bald beginnen. Am besten jetzt.“
Erschienen ist der Artikel in der Juni Ausgabe 2021 der Deutschen Bühne.
Strukturkrise und institutioneller Wandel in den darstellenden Künsten.
Kontexte, Akteure, Prozesse
Dienstag, 23.3.21
Mittwoch, 24.3.21
Beginn um 9:30 Uhr
ONLINE- KONFERENZ
Aufzeichnung Tag 1
Aufzeichnung Tag 2
Die dritte Jahreskonferenz der Forschungsgruppe steht im Zeichen einer „Halbzeitbilanz“ der sieben Teilprojekte und ihrer Analysen zu jüngeren Entwicklungen der deutschen Staats- und Stadttheater sowie der Freien Szene. Inwieweit für diese Bereiche (bereits vor der Corona-Pandemie) im Diskurs um strukturelle Krise(n) eine Dynamisierung institutioneller Prozesse, Annäherungen und Veränderungen festzustellen ist, wird als Ausgangsfragestellung der interdisziplinären Zusammenarbeit zum einen multiperspektivisch beantwortet. Zum anderen werden gemeinsame Forschungsfelder und -ansätze reflektiert. Die Panels beziehen sich auf:
- neue Formate im Spannungsfeld von Institutionenkritik, sich wandelnder Produktionsbedingungen und Kooperationen
- modifizierte Legitimationsmuster und -strategien für neue Anspruchsgruppen, vor allem der Stadtgesellschaft
- Autonomie und Abhängigkeiten künstlerischer Produktion und Ästhetik
- „Markt“ und Kulturpolitik als (insbesondere seit der deutschen Wiedervereinigung länderbezogen und kommunal erheblich) divergierende Steuerungsmechanismen
In der interaktiven Online-Tagung werden, dem gemeinsamen Schwerpunkt empirischer Forschungsarbeit der Gruppe entsprechend, Expert*innen aus Wissenschaft und (Theater-)Praxis und das Publikum in erweiterten Diskussionsrunden mit einbezogen.
Mitwirkende:
Lara Althoff
Christopher Balme
Charlotte Burghardt
Christoph Dittrich
Hilko Eilts
Silke zum Eschenhoff
Clara Godlinski
Marc Grandmontagne
Ulrike Hartung
Axel Haunschild
Denis Hänzi
Benjamin Hoesch
Birgit Mandel
Jonas Marggraf
Katja Meroth
Bianca Michaels
Barbara Mundel
Anno Mungen
Maria Nesemann
Eckhard Priller
Anja Quickert
Jens Roselt
Franziska Schößler
Gerald Siegmund
Sebastian Stauss
Lukas Stempel
Matthias Warstat
Mara Ruth Wesemüller
Annette Zimmer
Downloads
- Book of Abstracts (287 KByte)
- Flyer Jahrestagung (91 KByte)
Programm
Dienstag, 23. März
9:30 – 9:45
Begrüßung
9:45 – 11:00
Panel I: Genrespezifische Enkulturation und partizipative Projektarbeit im Musiktheater
Mit: Christopher Balme, Katja Meroth, Sebastian Stauss
11:00 – 11:20
Kaffeepause
11:20 – 12:55
Panel II: Transformationsdynamiken (in) der Freien Szene
Produktionsweisen zwischen Institutionenkritik und (Re)Institutionalisierung
Mit: Silke zum Eschenhoff, Axel Haunschild, Anja Quickert, Jens Roselt, Mara Ruth Wesemüller
12:55 – 14:00
Mittagspause
14:00 – 15:20
Panel III: Neu-Formatierungen als Symptom des institutionellen Wandels?
Transformationsdynamiken im Programm öffentlich getragener Theater
Mit: Clara Godlinski, Bianca Michaels, Lukas Stempel und Ute Godlinski (Office Yoga)
15:20 – 16:00
Get together
Mittwoch, 24. März
9:30 – 9:35
Begrüßung
9:35 – 11:05
Panel IV: Die Stadt im Theater – das Theater in der Stadt
Strategien der Stadt- und Staatstheater im Umgang mit dem Strukturwandel der Kulturnachfrage
Mit: Charlotte Burghardt, Birgit Mandel, Maria Nesemann und Video-Statements von Christoph Dittrich und Barbara Mundel
11:05 – 11:20
Kaffeepause
11:20 – 12:45
Panel V: Kunstautonomie? Strukturkrise aus ästhetischer Sicht
Mit: Ulrike Hartung, Benjamin Hoesch, Anno Mungen, Gerald Siegmund
12:45 – 13:45
Mittagspause
13:45 – 15:15
Panel VI: Sein oder Nicht-Sein: Kulturpolitik und deutsche Stadttheater
Mit: Lara Althoff, Hilko Eilts, Jonas Marggraf, Bianca Michaels, Eckhard Priller, Annette Zimmer
15:15 – 15:30
Kaffeepause
15:30 – 16:30
Perspektivwechsel: Blicke von außen
Mit: Christopher Balme, Marc Grandmontagne, Denis Hänzi, Matthias Warstat
Abstracts
Das Book of Abstracts finden Sie auch hier zum Download.
Dienstag, 23. März
Panel I: Genrespezifische Enkulturation und partizipative Projektarbeit im Musiktheater
Mit: Christopher Balme, Katja Meroth, Sebastian Stauss
Das Panel ist auf die Problematik einer im Wandel begriffenen Legitimationsbasis von Musiktheater und Zukunftsperspektiven durch Vermittlung ausgerichtet. Zunächst gehen wir der Frage nach dem Prozess der Enkulturation und ihren möglichen Brüchen nach. Sie werden auf gesellschaftliche Wandlungsprozesse, z.B. hinsichtlich neu definierter Werte und Bildungskonzepte, zurückgeführt, innerhalb derer vor allem unter älteren Generationen übliche kulturelle Praktiken ihre Kontinuität einbüßen und neuer Legitimationsmuster für jüngere bedürfen. Von diesem Konzept ausgehend zeichnet das Panel beide Seiten dieses Hiatus anhand von Beispielen nach: Zum einen werden a) Ergebnisse aus Publikumsbefragungen in München und Meiningen zur Enkulturation innerhalb verschiedener Musiktheatergattungen vorgestellt, um ein differenziertes Bild zu erhalten, in welchem Alter und mit welchen kulturellen bzw. bildungsbezogenen Motivationen Zuschauer*innen auf den Musiktheaterbesuch geprägt worden sind. Zum anderen stellen wir b) die Vermittlungsarbeit innerhalb partizipativer Musiktheater-Formen in München und Stuttgart, gestützt auf Expert*innen-Interviews der Produktionsleitung und Fokusgruppenbefragungen von Mitwirkenden an interkulturellen und intergenerativen Projekten, vor.
9:45 – 9:50 Uhr
Christopher Balme
Einführung in das Panel
9:50 – 10:00 Uhr
Katja Meroth
Enkulturation und Brüche als theoretische Konzepte
10:00 – 10:10 Uhr
Sebastian Stauss
Frage- und Problemstellungen der Vermittlung im Musiktheater
10:10 – 10:20 Uhr
Katja Meroth
Umfragedesign und -ergebnisse
10:20 – 10:30 Uhr
Sebastian Stauss
Ergebnisse aus Interviews mit Vermittelnden und Partizipierenden
10:30 – 11:00 Uhr
Moderation: Christopher Balme
Diskussion
Panel II: Transformationsdynamiken (in) der Freien Szene. Produktionsweisen zwischen Institutionenkritik und (Re)Institutionalisierung
Mit: Silke zum Eschenhoff, Axel Haunschild, Anja Quickert, Jens Roselt, Mara Ruth Wesemüller
11:20 – 11:30 Uhr
Axel Haunschild und Jens Roselt
Einführung in das Panel
11:30 – 11:40 Uhr
Anja Quickert
Die Institution und ihre Kritik
Sucht man in Wikipedia, dem relevantesten Online-Archiv des Internets, nach einer Erklärung für den Begriff ‚Institutionenkritik‘, so erhält man ausschließlich auf Englisch Auskunft: „In art, Institutional Critique is the systematic inquiry into the workings of art institutions, such as galleries and museums, and is most associated with the work of artists like Michael Asher, Marcel Broodthaers, Daniel Buren, Andrea Fraser […] and Hans Haacke.“ Der mittlerweile vielfältige Diskurs zur Institutionenkritik wurde international im Wesentlichen im Bereich der Bildenden
Kunst geführt: Im globalen Kontext spielt die institutionalisierte Form des Theaters eine nur marginale Rolle. Erst in den letzten Jahren, im Zuge sich verstärkender Krisendiskurse hinsichtlich sozialer, genderoder race-basierter Disparitäten bezüglich der Teilhabe und Gleichstellung sozialer Akteur*innen im Rahmen institutioneller Gefüge, rückt auch die Institution Theater (wieder) in den Fokus. Dass das Freie Theater, das sich nach 1968 infolge der Student*innenproteste in Deutschland gegründet und explizit von den hierarchisch, patriarchal und bürgerlich
geprägten Produktionsweisen der existierenden Institutionen abgegrenzt hatte, in diversen Spielformen und -konzepten an die Traditionslinie bezüglich Bertolt Brechts anknüpfte, ist mittlerweile in Vergessenheit geraten.
Ebenso wurde die Rolle Brechts als erster expliziter Kritiker der Institution Theater niemals systematisch aufgearbeitet. Im Sinne dieser Leerstelle will der Vortrag zur Auseinandersetzung mit Brechts Institutionenkritik
beitragen und am Beispiel des feministischen Kollektivs She She Pop eine zeitgenössische, alternative Organisationsform von Theaterarbeit darstellen.
11:40 – 11:50 Uhr
Silke zum Eschenhoff
Ästhetik im Kontext von Arbeitsbedingungen und Förderung
Das Freie Theater erlangte seit seinen Anfängen Legitimation durch Abgrenzung zu den Produktionsweisen der öffentlich getragenen Theater. Dabei unterscheiden sich a) Vergabe und Zugriff auf Ressourcen (wie Räume, Instrumente der finanziellen Zuwendung, Material und Infrastruktur) sowie b) die Art und Weise der Organisation von Arbeits- und Probenprozessen, beispielsweise kollektiv oder demokratisch entwickelte Konzepte, längere Recherche- und Probenphasen und eine stärkere Autor*innenschaft aller Projektbeteiligten. Diese unterschiedlichen Prozesse des Freien Theaters durchlaufen, angeregt durch vielfältige Anreizstrukturen, Professionalisierungsebenen und sind mit den Inhalten, Dramaturgien, ästhetischen Strategien und künstlerischen Ergebnissen des Freien Theaters verknüpft. Die Verknüpfung der ökonomischen Prozesse, der Organisations- und Arbeitsbedingungen mit den Ästhetiken lässt sich in der Frage bündeln, welche künstlerischen, ästhetischen Möglichkeiten im Freien Theater gedacht und konzipiert werden können.
Leitende Fragen für das Vorhaben sind u.a.: Welche Marktbedingungen können Produktionsweisen schaffen, die künstlerische Innovation ermöglichen? Wie lässt sich die Notwendigkeit der ästhetischen Profilbildung mit dem Instrument der Projektförderung vereinen? Und welche künstlerischen Strategien zur regionalen Verortung und bundesweiter Verflechtung machen sich Freie Kollektive zu eigenen?
In der Untersuchung von Ästhetik im Kontext von Arbeitsbedingungen und Förderung haben sich zwei weitere Bezugspunkte herauskristallisiert, die transformierend oder beharrend auf Produktionsweisen wirken können und im Vortrag diskutiert werden: Einerseits ein häufig stark intrinsisch motiviertes Selbstverständnis der Künstler*innen sowie andererseits von den Künstler*innen kreierte und/oder von außen herangetragene Narrative wie Innovations- und Agilitätsversprechen.
11:50 – 12:00 Uhr
Mara Ruth Wesemüller
Verschwimmende Grenzen? Kooperationen zwischen Freier Szene und öffentlich getragenen Theatern als Phänomen institutionellen Wandels in den (freien) darstellenden Künsten
Kooperationen zwischen Freier Szene und öffentlich getragenen Theatern sind spätestens seit der Programmlinie Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes ein relevantes Phänomen in den deutschen darstellenden
Künsten. Kritische wie befürwortende Stimmen finden sich, wenn es um die Einordnung dieses – je nach Sichtweise – kulturpolitisch motivierten Mobilisierungsprogramms für öffentlich getragene Theater oder finanziellen Stabilisierungsprogramms für die Freie Szene geht. Auch wenn dieses Programm nachhaltig auf das Kooperationsverhalten freier Theaterschaffender mit öffentlich getragenen Theatern eingewirkt hat, gab und gibt es auch Kooperationen davor und darüber hinaus, z.B. im Festivalkontext oder durch Bundesländer gefördert. Dort, wo Koproduktionen und Kooperationen auch ohne einen übergeordneten Förderzusammenhang eingegangen werden, handelt es sich um die Initiative einzelner Akteur*innen, die jedoch wiederum sehr gut vernetzt und im Feld positioniert sind. Diese kuratorischen Eingriffe haben eine hybride Ästhetik durch institutionelle Verschiebungen zur
Folge. Beispiele gibt es von verschiedenen Standorten: das Produktionsmodell der Münchner Kammerspiele mit der Integration einer überregionalen/internationalen Freien Szene in den Repertoirebetrieb; das Koproduktionsmodell des Theaters Oberhausen mit dem freien Produktionshaus Ringlokschuppen Ruhr; das Residenzmodell des Schauspiels Leipzig mit freien Gruppen oder das BANDEN!-Festival des Staatstheaters Oldenburg. Diese neuen (Ko-)Produktionsmodelle zwischen Freier Szene und institutionell geförderten Theatern, in denen neue Allianzen
zwischen Gruppen und institutionell geförderten Häusern eingegangen werden, zeigen in ihrer Vielfalt Verschiebungen und Transformationsprozesse der Parallelstrukturen darstellender Künste in Deutschland. Der Beitrag wird exemplarisch verschiedene Produktionsmodelle charakterisieren und diese auf die These eines institutionellen Wandels in den (freien) darstellenden Künsten beziehen.
12:10 – 12:35 Uhr
Anja Quickert, Silke zum Eschenhoff, Mara Ruth Wesemüller
Parallele Diskussionsrunden zu den Vorträgen
(Teilnahme nur per Zoom möglich)
12:40 – 12:55 Uhr
Axel Haunschild und Jens Roselt
Abschluss
Panel III: Neu-Formatierungen als Symptom des institutionellen Wandels? Transformationsdynamiken im Programm öffentlich getragener Theater
Mit: Clara Godlinski, Bianca Michaels, Lukas Stempel und Ute Godlinski (Office Yoga)
In den Programmen der öffentlich getragenen Theaterhäuser Deutschlands lassen sich in den letzten zwei Dekaden neue bzw. vermehrt auftretende Formen beobachten, welche unter den verschiedensten Bezeichnungen aufgeführt werden, häufig mit einem Fokus auf partizipativen Angeboten. Die Anzahl dieser Veranstaltungsformen ist nicht
nur gestiegen, diese Formen spiegeln Transformationsdynamiken wider und befördern gleichzeitig heterogene Veränderungsprozesse. Daraus ergeben sich unter anderem folgende Fragen: Wie lässt sich die Vielzahl dieser Formen strukturieren? Warum bauen die Theater insbesondere ihre partizipativen Angebote aus?
Das Panel will sich der Beantwortung dieser Fragen aus vier Richtungen nähern: in einem ersten Schritt wird es um einen Überblick gehen, welche Formen neu oder vermehrt auftreten und mit welchen Inhalten bzw. Absichten diese von den Theatern angeboten werden. Danach folgt eine theatertheoretische Einordnung der Begriffe ‚Form‘, ‚Format‘, ‚Programm‘ und ‚Sparte‘. Diese vier Termini und deren Relationsbeziehungen untereinander sind wichtig, um die Diskussion rund um Transformationsprozesse in Theaterprogrammen theoretisch zu reflektieren und zu systematisieren. In einem dritten Schritt sollen Ergebnisse aus 40 Expert*innen-Interviews mit Theaterakteur*innen und Impulsgeber*innen neuer Formen vorgestellt werden. Wie werden neue Formen konkret entwickelt, realisiert und welche organisationalen Folgen hat dies für die Institution Theater? Im abschließenden Teil werden die Ergebnisse der bisherigen Forschungsarbeiten in Beziehung zu grundsätzlicheren Fragestellungen hinsichtlich der Kategorie des Wandels öffentlich getragener Theater in Deutschland gesetzt.
14:00 – 14:05 Uhr
Lukas Stempel
Einführung in das Panel
14:05 – 14:20 Uhr
Lukas Stempel
Neue Formate im Programm der öffentlich getragenen Theater
14:20 – 14:35 Uhr
Clara Godlinski, Bianca Michaels, Lukas Stempel
Gesprächsrunde über Expert*innen-Interviews
14:35 – 14:45 Uhr
Ute Godlinski
Office Yoga
14:45 – 15:00 Uhr
Bianca Michaels
Zum Wandel von Erwartungshaltungen an das Theater
15:00 – 15:20 Uhr
Moderation: Bianca Michaels
Diskussion
Mittwoch, 24. März
Panel IV: Die Stadt im Theater – das Theater in der Stadt. Strategien der Stadt- und Staatstheater im Umgang mit dem Strukturwandel der Kulturnachfrage
Mit: Charlotte Burghardt, Birgit Mandel, Maria Nesemann und Video-Statements von Christoph Dittrich und Barbara Mundel
Anhand einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung, einer Diskursanalyse der Theater-Fachöffentlichkeit, einer Befragung der Intendant*innen der deutschen Stadt- und Staatstheater sowie Fallstudien an drei Theatern untersuchte das Teilprojekt, welche Legitimitätsrisiken für die Theater mit dem Strukturwandel der Kulturnachfrage verbunden sind und mit welchen Publikumsstrategien sie darauf reagieren.
Die Gesellschaft in Deutschland steht unverkennbar unter dem Einfluss eines demografischen und digitalen Wandels und damit einhergehend einer Heterogenisierung der Kultur- und Freizeitinteressen. Dabei scheint die einstige Vormachtstellung der öffentlich getragenen Theater in der deutschen Kulturlandschaft zunehmend hinterfragt zu werden. Inwieweit nehmen die Theaterhäuser die bestehenden gesellschaftlichen Veränderungen als Risiko und ‚Krise‘ wahr? Welche Anspruchsgruppen haben dabei auf die Theater Einfluss und mit welchen Strategien reagieren die Theater auf die veränderte Kulturnachfrage und die immer diverser werdende Gesellschaft? Wie kommt also die Stadt ins Theater und wie das Theater in die Stadt?
Antworten auf diese Fragen aus der Perspektive der Theaterschaffenden gibt eine Befragung der Intendant*innen der öffentlich getragenen Theater in Deutschland. Diese zeigt nicht nur eine hohe Veränderungsdynamik der einzelnen Häuser, sondern auch die aktuellen Herausforderungen im Umgang mit den unterschiedlichen Stakeholdern, insbesondere einer zuverlässigen Finanzierung durch die Kulturpolitik. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Theater weiterhin eine hohe Wertschätzung für ihr Haus in der Stadtgesellschaft wahrnehmen und sich selbst als einen zentralen gesellschaftlichen Diskursort verstehen.
Einen vertiefenden Blick auf die tatsächliche Umsetzung von konkreten Strategien, um neues und diverses Publikum zu erreichen und sich für verschiedene Stadtöffentlichkeiten zu öffnen, bieten drei Fallbeispiele. Die untersuchten Theater (Maxim Gorki Theater Berlin, Theater für Niedersachsen und Städtische Theater Chemnitz) sind in Rechtsform, Standort und Ausrichtung sehr verschieden. Was sie verbindet, ist der Anspruch, ‚die Stadt zu meinen‘, die Strategien der Publikumsentwicklung hingegen differieren. Das Maxim Gorki Theater spiegelt die Diversität der postmigrantischen Stadtgesellschaft in Personal, Programm und Publikum wider. Das Theater für Niedersachsen und das Theater Chemnitz richten sich mit einem niedrigschwelligen und zugleich vielfältigen Programm an ihr Publikum in der Stadt und auf dem Land und versuchen, den unterschiedlichen Publikumsgruppen gerecht zu werden.
Insgesamt zeigt sich, dass Veränderungen kultureller Interessen und Ansprüche an Kulturangebote vor allem bei jüngeren Generationen mittelfristig zu Risiken für die Legitimität der Stadt- und Staatstheater führen. Aktuell scheint der Rückhalt in der Bevölkerung, die mehrheitlich nicht zum Theaterpublikum gehört, nicht gefährdet. Obwohl die Theater weder Veränderungsdruck aus Publikum und Bevölkerung und selten konkrete Vorgaben von Seiten kulturpolitischer Zuwendungsgeber wahrnehmen, ergreifen sie vielfältige Maßnahmen, vor allem im Bereich kultureller Bildung und entwickeln neue Formate, mit denen sie ihre gesellschaftliche Relevanz unter Beweis stellen. Dennoch wird deutlich, dass die meisten Theater grundsätzlich an ihren tradierten Programm- und Organisationsstrukturen festhalten.
Nach der Präsentation der Ergebnisse der Intendant*innenbefragung sowie der Fallstudien zu den Audience Development Strategien wird ein Gesamtfazit gezogen, das von Expert*innen aus der Praxis im Rahmen einer Video-Einspielung kommentiert wird.
9:35 – 9:40 Uhr
Birgit Mandel
Einführung in das Panel
9:40 – 9:55 Uhr
Charlotte Burghardt
Bewegt sich was? Die Perspektive von Intendant*innen auf Handlungsoptionen und Herausforderungen im Umgang mit einer veränderten Kulturnachfrage
9:55 Uhr – 10:10 Uhr
Maria Nesemann
Audience Development als legitimierendes Add On oder institutioneller Veränderungsprozess? Strategien zur Gewinnung neuen und diverseren Publikums am Maxim Gorki Theater, dem Theater für Niedersachsen und den Städtischen Theatern Chemnitz
10:10 – 10:25 Uhr
Birgit Mandel
Legitimitätsrisiken und Strategien zur Legitimitätssicherung im Strukturwandel der Kulturnachfrage. Gesamtfazit des Forschungsprojekts
10:25 – 10:35 Uhr
Christoph Dittrich und Barbara Mundel
Video-Statements von Expert*innen aus der Praxis
10:35 – 11:05 Uhr
Moderation: Birgit Mandel
Diskussion
Panel V: Kunstautonomie? Strukturkrise aus ästhetischer Sicht
Mit: Ulrike Hartung, Benjamin Hoesch, Anno Mungen, Gerald Siegmund
11:20 – 11:25 Uhr
Anno Mungen
Einführung in das Panel
Die Erforschung von Theater als Organisation und Institution sieht tendenziell davon ab, dass dessen ‚Produkte‘ ästhetisch verfasst sind. Dem Ästhetischen wird jedoch seit dem 18. Jahrhundert mit der Autonomie der Kunst zugetraut, die materiellen und sozialen Bedingungen seiner Herstellung zu überschreiten und die Erfahrung von Freiheit zu ermöglichen. Das Panel versucht, diesen Blick auf das Theater im Sinne eines Re-Entry des Ästhetischen wieder in die Diskussion einzubringen. Ästhetischen Dynamiken ist ein Hang zum Krisenhaften immer schon eingeschrieben, zugleich ist das Ästhetische der Modus, der noch jede Krise produktiv wenden kann. Die Beiträge untersuchen dieses Verhältnis anhand ästhetischer Theorie und der ästhetischen Analyse von Aufführungsbeispielen. Dabei zeigt sich zwischen dem Autonomieversprechen des Theaters und seiner sozialen Einbettung eine notwendige Spannung, die auch die wissenschaftliche Untersuchung nicht in eine Richtung – institutionelle Abhängigkeit oder Autonomie der Kunst von allem Sozialen – auflösen kann.
11:25 – 11:40 Uhr
Gerald Siegmund
Die Praxis des Theaters denken: Zum Darstellungsproblem des Theaters
Der Vortrag unternimmt den Versuch, die als krisenhaft empfundenen Veränderungen der Theaterlandschaft aus ästhetischer Sicht zu beschreiben. Er kehrt damit die Blickrichtung auf veränderte Formen und Formate um, indem er diese zunächst aus der Praxis des Theaters selbst heraus zu verstehen sucht. Veränderungen ergeben sich aus der Dynamik des Ästhetischen selbst, das die einmal gefundenen Formen mit jedem erarbeiteten Stück ins Spiel bringt und dadurch aufs Spiel setzt, wodurch sie verhandelt und infrage gestellt werden. Für das Theater bedeutet das über die Freisetzung seiner Mittel hinaus vor allem, sich an seine zweifache Verfasstheit zu erinnern. Denn das Theater ist nie ausschließlich ein ästhetisches Ereignis, sondern stets auch ein soziales, zu dem Menschen zusammenkommen. Was geschieht nun, wenn sich das Theater in seiner doppelten Ausrichtung als ästhetisches
Kunstprodukt und soziales Ereignis selbst denkt? Nimmt das Theater seine Praxis und Möglichkeitsbedingung des realen Zusammenkommens und Handelns ernst, führt dies, so die These des Vortrags, auch zu einer Veränderung der Theaterpraxis, die wiederum Auswirkungen auf Arbeitsprozesse und institutionelle Veränderungen mit sich bringt. In dieser Logik setzt sich das Ästhetische letztlich selbst aus. Der Vortrag steht einer traditionelleren, an der Ästhetik ausgerichteten Methodik des Fachs Theaterwissenschaft näher mit dem Ziel, diese in die Diskussion zu Krisenphänomenen einzubeziehen.
11:40 – 11:55 Uhr
Benjamin Hoesch
Ästhetik der Selbstbehauptung. Künstlerische Reflexionen des Anerkennungskampfes im Nachwuchs
Die seit den 1990er Jahren gestiegene Aufmerksamkeit für den künstlerischen Nachwuchs hat jungen Künstler*innen zwar Gelegenheiten zur künstlerischen Artikulation etwa in zahlreichen Nachwuchsfestivals verschafft; die Prekarität des Berufsstatus von Nachwuchskünstler*innen mit massiver Konkurrenz und unsicheren Professionalisierungsaussichten haben diese kurzfristig-seriellen Formate jedoch nicht entschärft. In der Folge werden die öffentlichen Plattformen immer häufiger nicht zu klassisch-dramatischer Inszenierungsarbeit genutzt, sondern zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Wettbewerbs- und Leistungsdruck nach einem zeitgenössischen performance principle. Dabei kristallisiert sich in unterschiedlichen Stilen etwas heraus, das eine Ästhetik der Selbstbehauptung genannt werden kann: Solo-Performer*innen wie auch Ensembles machen ihre eigene performative Wirkung und Leistung in der Aufführung ebenso explizit zum Thema wie ihre krisenhafte
Situation als Nachwuchskünstler*innen und suchen nach Souveränität über Versagensängste, Überforderung und Erwartungsdruck. Die gesichteten Aufführungen, die klar dieser selbstreflexiven Tendenz zuzuordnen sind, bedienen sich dazu unterschiedlicher Strategien der formalen Selbstbeschränkung oder sozialen Öffnung, der Ironisierung
oder Fiktionalisierung, womit sie in den Festivalprogrammen sowohl beim Publikum als auch bei den Preisentscheidungen äußerst erfolgreich sind. Der Vortrag will an einzelnen Beispielen diese ästhetische Reflexion institutioneller Transformationsdynamiken nachzeichnen. Hinterfragt wird dabei auch, ob diese Ästhetik kritisches Potential – auch gegen das Format des Nachwuchsfestivals selbst – entfaltet, oder ob die genannten Strategien vielmehr das eigene Prekariat künstlerisch kapitalisieren, um sich letztlich den Erwartungen des Nachwuchsmarkts zu unterwerfen.
11:55 – 12:10 Uhr
Ulrike Hartung
Social Responsibility statt L’art pour l’art? Musiktheater zwischen Kunstfreiheit und Bildungsauftrag
Das Krisengefüge, mit dem sich öffentlich getragene Musiktheaterbetriebe im deutschsprachigen Raum konfrontiert sehen, ist so vielfältig wie komplex. Das Spannungsfeld von institutioneller Legitimation und künstlerischer Autonomie ist nur eines, wenn auch ein zentrales, von dem dieses Gefüge wesentlich geprägt ist. Als personell und finanziell aufwendigste Gattung ist das Legitimationsproblem des Musiktheaters größer als das anderer Formen öffentlich finanzierter darstellender Kunst. Umso größer ist in diesem Sinne auch die Rolle des kulturpolitischen
Auftrags, zum Beispiel zur kulturellen Bildung. Die sich daraus ergebende Reibung zwischen freier ästhetischer Formfindung und notwendig erscheinender ethischer Haltung bestimmt somit ebenfalls das künstlerische Produkt (als auch seinen oftmals wenig beachteten Produktionsprozess). Das Musiktheater sieht sich somit im Kontext seiner
Legitimationsproblematik und einer gleichzeitigen Konjunktur diskursiver Formate in den darstellenden Künsten im Allgemeinen gezwungen, seinen Status als vermeintlich rein ästhetisches Ereignis zugunsten einer stärkeren gesellschaftlichen Anbindung aufzugeben. Am Beispiel zweier Musiktheaterbetriebe und ihrer Produktionen möchte der Vortrag unterschiedlichen Manifestationen dieses Spannungsfelds nachgehen sowie Strategien der ästhetischen Reflexion dieser Entwicklung herausarbeiten.
12:10 – 12:45 Uhr
Moderation: Anno Mungen
Diskussion
Panel VI: Sein oder Nicht-Sein: Kulturpolitik und deutsche Stadttheater
Mit: Lara Althoff, Hilko Eilts, Jonas Marggraf, Bianca Michaels, Eckhard Priller, Annette Zimmer
In den vergangenen Dekaden hat sich im Kulturbereich viel getan. Mit der Wiedervereinigung entstand ein neuer Kulturraum, dessen Gestaltung die Kulturinstitutionen, Kulturpolitik und -verwaltung auch angesichts der Krise der öffentlichen Haushalte vor große Herausforderungen stellte. In jüngster Zeit hat Kultur als Anker von Identität und Arena reflexiver Auseinandersetzungen mit den Verwerfungen der Moderne an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig ist ein tiefgreifender Umbau der Kulturverwaltungen, der Steuerung und der Finanzierungsmodalitäten kultureller Einrichtungen erfolgt. All dies hatte beachtliche Auswirkungen auf die Institution Theater und insbesondere auf die öffentlich getragenen Theater in Deutschland. Diese haben sich bemüht, den vielfältigen Anforderungen zu entsprechen und sich den veränderten Kontextbedingungen anzupassen, und zwar sowohl in ihren administrativen
Strukturen als auch in ihrem jeweiligen Profil.
Ziel des Panels ist es, diese Entwicklung anhand der Ergebnisse der Untersuchung von sechs ausgewählten Stadttheatern nachzuzeichnen und kritisch zu hinterfragen. Hat sich in der Tat etwas grundlegend verändert? Welche Rolle kommt der Kulturpolitik der Bundesländer und welche den Kommunen als Träger der Stadttheater zu? Haben wir es heute mit ganz anderen Institutionen zu tun? Oder handelt es sich nur um „des Kaisers neue Kleider“? Danach entsprechen die Theater bei PR und Marketing den Vorgaben kommerzieller Beratungsfirmen, aber gleichzeitig sind sie sich bewusst: Es kommt vor allem darauf an, die Politik auf ihre Seite zu bekommen. Und wer entscheidet über „Sein oder Nicht-Sein“, die Größe, Ausstattung und den Spartenmix der Stadttheater? Spielt der ‚Markt‘ als Steuerungsmechanismus überhaupt eine Rolle? Diesen Fragestellungen wird im Rahmen des Panels Sein oder Nicht-Sein: Zur Situation deutscher Stadttheater nachgegangen. In zwei Vorträgen werden die Ergebnisse der Fallstudien des Teilprojektes 7 zur Diskussion gestellt.
Untersucht wurden die Kontextbedingungen bzw. die kulturpolitische Governance (Landes- und kommunale Ebene) von sechs Stadttheatern in West- (NRW) und Ostdeutschland, die Corporate Governance, die Leitungs- und Führungsstrukturen der Theater, ihre (gewachsenen) Profile sowie die Einschätzung der Beschäftigten (künstlerisches und nicht-künstlerisches Personal) hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung des jeweiligen Theaters und seiner Funktion für die Stadt.
13:45 – 13:55 Uhr
Annette Zimmer
Einführung in das Panel
13:55 – 14:15 Uhr
Jonas Marggraf
Die Theaterpolitik der Bundesländer
Das Grundgesetz regelt: Kulturpolitik ist grundsätzlich Sache der Länder. Doch über diesen häufig zitierten Satz hinaus hat sich die Forschung bisher kaum – und noch weniger im Fall der öffentlichen Theater – mit den 16 verschiedenen Kulturpolitiken der Länder auseinandergesetzt. Der Vortrag thematisiert die Theaterpolitik der im Projekt Beruf als Passion untersuchten Bundesländer (NRW, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern) und ordnet diese in einen gesamtdeutschen Zusammenhang ein. Grundlage dafür sind die Auswertung von Interviews, die in den zuständigen Ministerien der Länder geführt wurden, sowie offizielle Dokumente und Gesetzestexte.
14:15 – 14:35 Uhr
Lara Althoff und Jonas Marggraf
Lokale Cultural Governance im Kontext deutscher Stadttheater
Der zweite Beitrag des Panels stellt die Ergebnisse der empirischen Untersuchung der Einbettung und politischen Steuerung der im Rahmen des Teilprojektes näher betrachteten Stadttheater vor. Dabei wird der Fokus vor allem auf die historischen, strukturellen und politischen Rahmenbedingungen gelegt, welche direkt oder indirekt auf die sechs
untersuchten Stadttheater einwirken. Es werden Faktoren bzw. zentrale Parameter identifiziert, die den organisatorischen und künstlerischen Handlungsspielraum deutscher Stadttheater prägen. Für die Analyse
werden Strukturdaten der Kommunen, z.B. Bevölkerungsentwicklung, Arbeitslosenquoten, interne Dokumente und Unterlagen, wie etwa schriftliche Vereinbarungen (Kontraktmanagement) zwischen Theatern und Kommunen, sowie insbesondere die Ergebnisse der mit Repräsentant*innen von Politik, Verwaltung, Medien und Fördereinrichtungen
geführten Interviews herangezogen.
14:35 – 14:55 Uhr
Mit: Lara Althoff und Jonas Marggraf
Discussants: Hilko Eilts und Bianca Michaels
Moderation: Annette Zimmer
Fragerunde
14:55 – 15:15 Uhr
Moderation: Eckhard Priller und Annette Zimmer
Plenumsdiskussion
Perspektivwechsel: Blicke von außen
Mit: Christopher Balme, Marc Grandmontagne, Denis Hänzi, Matthias Warstat
Downloads
- Book of Abstracts (287 KByte)
Mitwirkende
Forschungsgruppenmitglieder des Teilprojekts 1 (TP1):
Die dritte Ebene – Musiktheatervermittlung und der enkulturative Bruch
Ludwig-Maximilians-Universität München/Institut für Theaterwissenschaft
Christopher Balme
ist seit 2006 Professor für Theaterwissenschaft an der LMU München. Promotion an der Universität Otago, Neuseeland, Habilitation 1993 an der Universität München. Er ist Herausgeber der Zeitschrift Forum Modernes Theater. Zu seinen wichtigsten Publikationen gehören: Decolonizing the Stage: Theatrical Syncretism and Post Colonial Drama (1999); Einführung in die Theaterwissenschaft (1999); Das Theater der Anderen (Hg.) (2001); Pacific Performances: Theatricality and CrossCultural Encounter in the South Seas (2007); Cambridge Introduction to Theatre Studies (2008); The Theatrical Public Sphere (2014); The Globalization of Theatre 1870-1930: The Theatrical Networks of Maurice E. Bandmann (2020). Zuletzt erschienen: Theatre Institutions in Crisis. European Perspectives (Hg. Christopher Balme, Tony Fisher) (2020). Er ist Sprecher der DFG-Forschungsgruppe Krisengefüge der Künste und Principal Investigator des ERC Advanced Grant Developing Theatre: Building Expert Networks for Theatre in Emerging Countries after 1945.
Sebastian Stauss
forscht am Institut für Theaterwissenschaft der LMU als Postdoc im Teilprojekt 1. Neben der Lehrtätigkeit in München war er mit Vorträgen 2019/20 u.a. in der Ringvorlesung zur Musiktheaterpädagogik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg zu Gast. Außerdem sammelte er über mehrere Jahre Erfahrungen als Musikredakteur und freier Autor (im Radio- und Tonträgerbereich). Aufsätze und Artikel veröffentlichte er z.B. in MGG Online, The Cambridge Wagner Encyclopedia, Laaber Lexikon der Gesangsstimme, wagnerspectrum und Studies in Musical Theatre.
Forschungsgruppenmitglieder des Teilprojekts 2 (TP2):
Markt als Krise – Institutioneller Wandel und Krisendiskurse in der Freien Theaterszene
Leibniz Universität Hannover/Institut für Interdisziplinäre Arbeitswissenschaft
Universität Trier/Neuere deutsche Literaturwissenschaft
Silke zum Eschenhoff
studierte Szenische Künste an der Universität Hildesheim. Von 2010 bis 2013 war sie am Hebbel am Ufer in Berlin tätig, u.a. Leitung des Festivals 100° Berlin (2011) und Produktionsleitung bei Unendlicher Spaß. 24 Stunden durch den utopischen Westen (2012). Anschließend arbeitete sie bei Theater der Welt 2014 in Mannheim als Dramaturgin für X Firmen (2014). In der Spielzeit 2014/15 war sie stellvertretende Leiterin der Bürgerbühne am Staatsschauspiel Dresden zusammen mit David Brückel und leitete von 2016 bis 2018 die Bürgerbühne am Nationaltheater Mannheim. Seit 2018 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt 2 am Institut für interdisziplinäre Arbeitswissenschaft der Leibniz Universität Hannover tätig. Zusätzlich ist sie Jurorin für das Festival BEST OFF – Festival Freier Theater 2020 und 2022 und im niedersächsischen Theaterbeirat. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Ästhetik, Arbeitsbedingungen, Produktions- und Probenprozesse sowie Förderstrukturen des zeitgenössischen (freien) Theaters.
Axel Haunschild
ist Professor und Direktor des Instituts für interdisziplinäre Arbeitswissenschaft an der Leibniz Universität Hannover und leitet zusammen mit Franziska Schößler das Teilprojekt 2. Er forscht u.a. zu neuen Arbeits- und Organisationsformen im Kontext zunehmender Vermarktlichung, zu Beschäftigungsverhältnissen in den Creative bzw. Cultural Industries sowie zu Projektifizierung, Flexibilisierung und Digitalisierung von Erwerbsarbeit. Lehrtätigkeiten führten ihn nach Trier, London und Innsbruck.
Anja Quickert
studierte Theaterwissenschaft, Neuere deutsche Literatur und Philosophie in Mainz, Bologna, Warschau und Berlin. Sie lebt in Berlin, schreibt als freie Autorin u.a. für Theater heute. Als Dramaturgin hat sie projektbezogen und an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz gearbeitet. Seit 2011 ist sie die Geschäftsführerin der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft. Sie verantwortet deren regelmäßige Veranstaltungsreihen − den Müllermontag von 2012-2016 im Literaturforum im Brecht-Haus, den Müllersalon im Deutschen Theater Berlin seit 2017 − hat an diversen Werkstätten der Gesellschaft dramaturgisch/produktionstechnisch mitgearbeitet, die internationale Konferenz Das Rätsel der Freiheit zu Heiner Müller mitgeleitet (2014) sowie das Theaterfestival Heiner Müller! am HAU Hebbel am Ufer initiiert und kuratiert (2016). Seit 2018 ist sie Teil der DFG-Forschungsgruppe und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Trier. Seit 2007 schreibt sie für Theater heute regelmäßig Beiträge mit dem Schwerpunkt auf internationalem Theater, Freier Szene und Kulturpolitik. Für die Homepage des Goethe Instituts hat sie u.a. Beiträge zu Partizipation im Theater, dem institutionellen Wandel des Maxim Gorki Theaters Berlin und zu Digitalem Theater verfasst.
Jens Roselt (Co-Leitung TP 2 ab Mai 2021)
ist seit 2008 Professor für Theorie und Praxis des Theaters an der Stiftung Universität Hildesheim. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Ästhetik des zeitgenössischen Theaters und der Performancekunst, der Geschichte und Theorie der Schauspielkunst und der Regie sowie der Methode der Aufführungsanalyse. Ausgewählte Publikationen: Auftritte. Strategien des In-Erscheinung-Tretens in den Künsten und Medien (hrsg. mit Annemarie Matzke und Ulf Otto). Bielefeld 2015; Aufführungsanalyse. Eine Einführung (zus. mit Christel Weiler) Tübingen 2017; De-/Professionalisierung in den Künsten und Medien. Formen, Figuren und Verfahren einer Kultur des Selbermachens (hrsg. mit Stefan Krankenhagen) Berlin 2018.
Franziska Schößler
ist Professorin für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Trier und leitet zusammen mit Axel Haunschild das Teilprojekt 2. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Gender Studies, Ökonomie und Literatur, Drama und Theater (insb. Gegenwartsdramatik) sowie kulturwissenschaftliche Literaturtheorie.
Mara Ruth Wesemüller
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt 2 und promoviert mit einem Stipendium des Cusanuswerks an der Schnittstelle von Theaterund Sozialwissenschaft. 2016 Masterabschluss in Theaterwissenschaft (LMU München) und Abschluss eines Executive Masters in Arts Administration (Universität Zürich). Davor Bachelorstudium im Fach Soziologie mit Nebenfach Wirtschaftswissenschaften (LMU München). Erfahrungen im Bereich Kulturmanagement sammelte sie als Koordinationsassistentin bei der Stiftung für die deutsch französische kulturelle Zusammenarbeit, bei der Unternehmensberatung actori sowie an der Hamburger Kunsthalle. Hospitanzen und kleinere Regieassistenzen führten sie an das Saarländische Staatstheater und an die Münchner Kammerspiele.
Forschungsgruppenmitglieder des Teilprojekts 3 (TP3):
Strukturwandel der Kulturnachfrage als Auslöser von Anpassungs- und Innovationsprozessen in deutschen Stadtund Staatstheatern
Universität Hildesheim/Institut für Kulturpolitik
Charlotte Burghardt
studierte Theaterwissenschaft und Politikwissenschaften in Leipzig sowie Kultur- und Medienmanagement in Hamburg. Neben ihrem Studium arbeitete sie selbstständig in der Veranstaltungsplanung sowie für das Goethe Institut in Brüssel und das ZDF-Auslandsstudio in Paris. Weiterhin ist sie aktiv im Diskurs zu einer ‚Kulturpolitik für morgen‘ und organisierte in diesem Rahmen bereits eine digitale Tagung sowie ein Gesprächs- und Netzwerkformat. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt 3 am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und promoviert zum Strukturwandel der Kulturnachfrage und den daraus resultierenden Veränderungen an öffentlich geförderten Theatern unter Berücksichtigung von Diversifizierungsstrategien als Möglichkeit einer nachhaltigen Verortung der Theater in der Stadtgesellschaft.
Birgit Mandel
ist Professorin für Kulturvermittlung und Kulturmanagement an der Universität Hildesheim und Direktorin des Instituts für Kulturpolitik. Sie leitet den Masterstudiengang Kulturvermittlung. Sie ist Vize Präsidentin der Kulturpolitischen Gesellschaft, Gründungsmitglied des Fachverbands für Kulturmanagement in Forschung und Lehre, Kuratoriumsmitglied der Commerzbank-Stiftung, Aufsichtsratsmitglied der Kulturprojekte Berlin. Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen, u.a.: Veränderungen im Cultural Leadership durch neue Generationen von Führungskräften (Hildesheim 2018), Arts/Cultural Management in international contexts (Hildesheim 2017), Teilhabeorientierte Kulturvermittlung (Bielefeld 2016), Interkulturelles Audience Development (Bielefeld 2013), Tourismus und Kulturelle Bildung (München 2012), PR für Kunst und Kultur (Bielefeld 2012), Jahrbuch für Kulturmanagement im Auftrag des Fachverbandes für Kulturmanagement (Bielefeld 2009-2013), Audience Development, Kulturmanagement, Kulturelle Bildung. Konzeptionen und Handlungsfelder der Kulturvermittlung (München 2008), Theater in der Legitimationskrise? Eine Bevölkerungsbefragung der Einstellungen zum Theater (Hildesheim 2020).
Maria Nesemann
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt 3. Ihr Bachelorstudium in den Fächern Theaterwissenschaft und Germanistik absolvierte sie in Mainz, den deutsch-französischen Doppelmaster Kulturvermittlung/ Médiation culturelle del’art in Marseille und Hildesheim. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit arbeitet sie als freie Kulturvermittlerin und ist Teil des Kurationsteams des internationalen Residenz-und Festivalprojekts PENGO_Cultural and Artistic Network.
Forschungsgruppenmitglieder des Teilprojekts 4 (TP4):
Von Bürgerbühnen und Stadtprojekten – Neu-Formatierung als Symptom des institutionellen Wandels im gegenwärtigen deutschen Stadt- und Staatstheater
Ludwig-Maximilians-Universität München/Institut für Theaterwissenschaft
Bianca Michaels
ist Theaterwissenschaftlerin und seit 2016 Geschäftsführerin des Departments Kunstwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie studierte Theaterwissenschaft, Musikwissenschaft und Deutsche Philologie an den Universitäten Erlangen, Mainz, Wien und Stanford (USA) und promovierte anschließend an der Universiteit van Amsterdam (NL) über Amerikanische Oper im Medienzeitalter. Nach Tätigkeiten im Kulturmanagement arbeitet sie seit 2007 an der LMU München, wo sie neben ihren Lehr- und Forschungstätigkeiten u.a. für Aufbau und Leitung der wissenschaftlichen Weiterbildung Theater- und Musikmanagement zuständig war/ist. Aktuelle Forschungsschwerpunkte umfassen u.a. Theater als Institution, Kulturpolitik, Legitimationsfragen des Theaters sowie Programmgestaltung öffentlich getragener Theater. Sie leitet das Teilprojekt 4.
Lukas Stempel
studierte im Bachelor und Master Theaterwissenschaft an der LudwigMaximilians-Universität München. Nach seinem Studium war er von 2015 bis 2018 wissenschaftlicher Koordinator und Leiter des Studienbüros am Department Kunstwissenschaften der LMU München. Seit März 2018 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter und promoviert im Teilprojekt 4.
Clara Godlinski
ist als studentische Hilfskraft im Teilprojekt 4 tätig. Seit dem Wintersemester 2018/19 studiert sie Theaterwissenschaft mit Nebenfach Sprache, Literatur, Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
Forschungsgruppenmitglieder des Teilprojekts 5 (TP5):
Beharrungs- und Bewegungskräfte – Musiktheater im institutionellen Wandel zwischen Musealisierung und neuen Formaten
Universität Bayreuth/Forschungsinstitut für Musiktheater
Ulrike Hartung
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt 5. Sie promovierte im Graduiertenkolleg Musik und Performance am Forschungsinstitut für Musiktheater Thurnau (fimt) an der Universität Bayreuth. Für ihre Dissertation Postdramatisches Musiktheater, die sich mit der Ästhetik der zeitgenössischen Operninszenierung beschäftigt, erhielt sie ein Stipendium nach dem Bayerischen Elitefördergesetz. Nach ihrem Studium der Theaterwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung des Musiktheaters, der englischen sowie der Neueren deutschen Literatur in Leipzig und Bayreuth, das sie mit Magister Artium abschloss, arbeitete sie u.a. als wissenschaftliche Mitarbeiterin am fimt, übernahm Lehraufträge, z.B. an der Goethe-Universität Frankfurt und war außerdem als Kommunikationsberaterin tätig.
Anno Mungen
Seit 2006 ist Anno Mungen Inhaber des Lehrstuhls für Theaterwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung des Musiktheaters sowie Leiter des Forschungsinstituts für Musiktheater (fimt) an der Universität Bayreuth. Er ist Initiator des Forschungsschwerpunktes Musik – Stimme – Geschlecht sowie des internationalen Kooperationsprojektes WagnerWorldWide2013. Seit Januar 2017 leitet er ein DFG-Forschungsprojekt zum Musiktheater in Nürnberg im NS, zu dem im Juni 2018 die Ausstellung Hitler.Macht.Oper in Nürnberg eröffnet wurde. Von 2005 bis 2006 war er Professor für Musikwissenschaft an der Universität Bonn. Er studierte Flöte an der Musikhochschule Ruhr, Abteilung Duisburg, sowie Musik- und Kunstwissenschaft an der Technischen Universität Berlin. Längere Forschungsaufenthalte führten ihn nach Paris, Wien und in die USA.
Forschungsgruppenmitglieder des Teilprojekts 6 (TP6):
Teilprojekt 6: Nachwuchsfestivals – Zwischen Event und der Suche nach neuen Formen
Justus-Liebig-Universität Gießen/Institut für Angewandte Theaterwissenschaft
Benjamin Hoesch
studierte Theaterwissenschaft sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Mainz, Valencia und Tel Aviv. Seit dem Magisterabschluss 2013 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Mainz und begann zeitgleich das Masterstudium der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen. In Mainz war er Koordinator des Internationalen Promotions-Programms (IPP) Performance & Media Studies sowie Mitbegründer der AG Immersive Räume am Research Center of Social and Cultural Studies Mainz (SoCuM); in Gießen co-organisierte und -kuratierte er DISKURS 15 – Festival on Spatial Arts. Künstlerisch arbeitet er etwa am Stadttheater Gießen und regelmäßig am Künstlerhaus Mousonturm, v.a. im Regieduo mit Gregor Glogowski. Praktische Workshops und szenische Projekte u.a. zu Rhythmus- und Lichtgestaltung leiteten sie an der Taiwan National University of the Arts und der Hogeschool voor de Kunsten Utrecht. Seit März 2018 ist Hoesch wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt 6. Mit der dabei entstehenden Dissertation ist er zudem an das Giessen Centre for the Study of Culture (GCSC) angeschlossen.
Gerald Siegmund
studierte Theaterwissenschaft, Anglistik und Romanistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main und ist jetzt Professor für Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zwischen 2005 und 2008 war er Assistenzprofessor am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern, Schweiz. Von 2015 bis 2018 leitete er das DFG-Projekt Theater als Dispositiv. Von 2012 bis 2016 war Gerald Siegmund Präsident der deutschsprachigen Gesellschaft für Theaterwissenschaft (GTW). Zuletzt erschienen seine Monografie Jérôme Bel. Dance, Theatre, and the Subject (London: Palgrave Macmillan 2017) sowie zusammen mit Rebekah Kowal und Randy Martin The Oxford Handbook of Dance and Politics (Oxford University Press 2017).
Forschungsgruppenmitglieder des Teilprojekts 7 (TP7):
Passion als Beruf – Karriere und Arbeitssituation des künstlerischen, technischen und administrativen Personals an ausgewählten Mehrspartenbühnen in NRW und den neuen Bundesländern
Westfälische Wilhelms-Universität Münster/Institut für Politikwissenschaft, Maecenata Institut für Philanthropie und Zivilgesellschaft, Berlin
Lara Althoff
belegte den Bachelorstudiengang Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln und absolvierte ihren Master im Double Degree Program der University of Twente sowie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Studienfach European Studies (M.A & M.Sc.). Ihre Studienschwerpunkte belaufen sich dabei auf (populistisches) Parteiverhalten sowie internationale Konflikt- und Lösungstheorien. Sie ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt 7 tätig und konzentriert sich dort hauptsächlich auf die kulturpolitische Analyse von Krefeld und Mönchengladbach sowie auf die Auswertung der Totalerhebungen hinsichtlich signifikanter Unterschiede der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen zwischen den verschiedenen Standorten.
Jonas Marggraf
studierte im Bachelor und Master den deutsch-französischen Politikwissenschaftsstudiengang Internationale und Europäische Governance an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und am Sciences Po Lille. Dabei spezialisierte er sich insbesondere auf die Themen Kulturpolitik, Migration und Integration sowie Nachhaltigkeit. Er ist aktuell wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt 7 und konzentriert sich dort auf die Analyse des Theaterstandortes Halle sowie den Vergleich der kommunalen und bundeslandspezifischen Faktoren, welche die Arbeits- und Förderbedingungen der untersuchten Theater beeinflussen.
Eckhard Priller
ist Ökonom und Soziologe, Lehrbeauftragter an mehreren Hochschulen und wissenschaftlicher Co-Direktor des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft. Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist die empirische Forschung zur Zivilgesellschaft, zum bürgerschaftlichen Engagement und zu Spenden. Aktuell arbeitet er als Projektmitarbeiter im Teilprojekt 7.
Annette Zimmer
ist Seniorprofessorin für Deutsche und Europäische Sozialpolitik und Vergleichende Politikwissenschaft am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Annette Zimmer hat bereits eine Vielzahl von Forschungsprojekten zum Nonprofit-Sektor begleitet, darunter auch eine Reihe von EU-Projekten. Darüber hinaus engagiert sie sich im Beirat des Netzwerkes für Frauen und Geschlechterforschung NRW und war President of the International Society for Third Sector Research (ISTR). Zudem ist sie Initiatorin des Weiterbildungsstudiengangs Nonprofit Management and Governance an der WWU Münster und leitet das Teilprojekt 7.
Assoziierte Mitglieder der Forschungsgruppe
Hilko Eilts
arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Hannover im Studiengang Szenografie, Kostüm und experimentelle Gestaltung und promoviert am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin über Transformationsprozesse im deutschen Stadttheatersystem seit der Wende. Nach einer Dramaturgieassistenz am Thalia Theater Hamburg war er als Schauspieldramaturg am Theater Bremen, Theater Augsburg und am Theater Osnabrück tätig sowie freischaffend als Festivalleiter (Spieltriebe-Festival Osnabrück und Outnow!-Festival der Schwankhalle Bremen). Seit Mai 2018 ist er an die DFG-Forschungsgruppe Krisengefüge der Künste assoziiert.
Katja Meroth
hat 2016 den Bachelor und 2019 den Master der Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München abgeschlossen. Außerdem absolvierte sie ein Zertifikatsstudium der interkulturellen Kommunikation. An der Schnittstelle dieser Fächer promoviert sie seit 2019 zum Themenkomplex der Enkulturation, Kulturvermittlung und kulturellen Vererbung. Ziel ist, die These eines sog. enkulturativen Bruchsim deutschen Musiktheaterpublikum repräsentativ zu überprüfen und somit zu klären, ob Änderungen in der Kulturerziehung zu einer Überalterung des Theaterpublikums führen. Als assoziierte Mitarbeiterin ist sie dem Teilprojekt 1 angegliedert, in dem sie bereits als Hilfskraft ihre Masterarbeit Enkulturationsprozesse im Publikum des Münchner Gärtnerplatztheaters. Eine qualitative und quantitative Analyse durchgeführt hat.
Gäste
Marc Grandmontagne
geboren 1976, hat an den Universitäten von Saarbrücken, Tübingen und Siena (Italien) Jura und Politikwissenschaften studiert. Nach seiner Tätigkeit als parlamentarischer Mitarbeiter bei Jürgen Schröder MdEP 2006 in Brüssel war er von 2007 bis 2010 als Leiter des Büros der Geschäftsführung der RUHR.2010 Kulturhauptstadt Europas GmbH sowie anschließend als Programmleiter bei der Stiftung Mercator in Essen tätig. Von 2013 bis 2016 war er Geschäftsführer der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. in Bonn. Dort leitete er u.a. die Verbandsaktivitäten und war in Kulturentwicklungsplanungen und andere Projekte des Instituts für Kulturpolitik involviert. Seit 2017 ist Marc Grandmontagne Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins. Grandmontagne ist Mitglied im Beirat Vielfalt Kultureller Ausdrucksformen der Deutschen UNESCO-Kommission. Seit 2017 ist er Sprecher im Rat für darstellende Kunst und Tanz (Deutscher Kulturrat); außerdem ist er Mitglied des PEARLE* Executive Committee, der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, im Beirat der Deutschen Orchesterstiftung und des Frauenkulturbüros NRW sowie im Kuratorium der Stiftung Tanz-Transition.
Denis Hänzi
ist Dozent im Studienbereich Alltag und Wissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Luzern. Sein kombiniertes kultur-, geschlechterund berufssoziologisches Forschungsinteresse galt u.a. den habituellen Krisenbewältigungsstrategien einstiger Schweizer Flugkapitäne (Wir waren die Swissair), einer strukturell auf Dauer gestellten professionellen Zerreißprobe bei Volksschullehrkräften (Fördern und Auslesen) sowie – konkret mit Blick auf den Regieberuf – den (Re-)Produktionsdynamiken individuell-institutioneller Passungsverhältnisse im Feld der Darstellenden Künste (Die Ordnung des Theaters). Aktuell arbeitet Hänzi an einer Kritik des gesellschaftlichen Zukunftsregimes der Gegenwart, das als ‚Potenzialismus‘ zu begreifen er vorschlägt.
Matthias Warstat
ist seit 2012 Professor für Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Zwischen 2008 und 2012 hatte er den Lehrstuhl für Theaterund Medienwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg inne. 2012 ERC Advanced-Grant für ein Projekt über Ästhetiken angewandten Theaters. Seit 2019 Projektleiter im DFG-Sonderforschungsbereich 1171 Affective Societies (Projekt: Theater als affizierende und affizierte Institution). Sprecher des Dahlem Humanities Centers. Arbeitsschwerpunkte: Theorie und Ästhetik des Gegenwartstheaters, Geschichte politischen Theaters sowie Relationen von Theater und Gesellschaft. Publikationen (Auswahl): Soziale Theatralität. Die Inszenierung der Gesellschaft (Paderborn: Fink 2018); Theater als Intervention. Politiken ästhetischer Praxis (mit Joy Kristin Kalu u.a., Berlin: Theater der Zeit 2015). In Vorbereitung: Umstrittene Vielfalt. Affektive Dynamiken institutioneller Diversifizierung (hg. mit Hansjörg Dilger, Frankfurt/M.: Campus 2021).
Sammelpublikation: Cultural Governance
Legitimation und Steuerung in den darstellenden Künsten
14.04.2021
Erste gemeinsame Publikation der Forschungsgruppe
Mit dem Abschluss der ersten Förderphase der Forschungsgruppe Krisengefüge der Künste, sind nun die Ergebnisse aus drei Forschungsjahren in einem Sammelband erschienen. Im Buch, herausgegeben von Birgit Mandel und Annette Zimmer, beschäftigen sich die Mitglieder der Forschungsgruppe und einige Gastautor*innen mit einem breiten Themenfeld rund um das Zusammenspiel von (Kultur-)Politik und den darstellenden Künsten.
Zur Beantwortung der Fragestellungen der Teilprojekte wurden unterschiedlichste Methoden angewendet, die Antworten beispielsweise zu den Themen Wahrnehmung von Theater in der Bevölkerung, ästhetischer Neu-Formatierung oder auch Legitimationsstrategien einzelner Häuser liefern.
Open Access oder Softcover
Das im Springer Verlag erschienene Buch ist ab sofort als Softcover Version bestellbar oder als Open Access Version direkt online unter folgendem Link kostenlos abrufbar: https://www.springer.com/de/book/9783658321581#aboutBook. Es kann dort entweder online gelesen oder als PDF heruntergeladen werden.

Interview mit Christopher Balme im WDR
01.04.2021
Krise als Motor für Veränderungen
Prof. Dr. Christopher Balme, Sprecher der Forschungsgruppe, erläutert im Interview mit dem WDR die Untersuchungen zur Krise der darstellenden Künste. Er spricht von existentiellen Bedrohungen für das Theater und dass die Krise auch ein Motor für Veränderungen sein kann.
Das ganze Interview gibt es zum Nachhören in der WDR Mediathek:
Veröffentlichung: Oper 2020. Eine Dokumentation aus der Oper Dortmund
Thurnauer Schriften zum Musiktheater (fimt) Band 43
10.03.2021
Im Februar 2021 erschien die Gemeinschaftspublikation der Oper Dortmund und dem fimt (Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth), herausgegeben von Dr. Merle Fahrholz, Heribert Germeshausen, Dr. Ulrike Hartung, und Prof. Dr. Anno Mungen. Thema des Bandes sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Musiktheater.
Am 01.03.2021 wurde ein Beitrag zur Publikation im Musikjournal des Deutschlandfunks gesendet, den Sie hier nachhören können.
Weitere Informationen zur Publikation finden Sie hier und hier.
Interview mit Christopher Balme
10.03.2021
“Nachdenken über ein anderes Theater“
Was bedeutet die Coronakrise für die Bühnen? Christopher Balme, Sprecher der Forschungsgruppe, spricht von Veränderungen „ungeahnten Ausmaßes“. Zum Interview: https://www.lmu.de/de/newsroom/news-und-events/news/nachdenken-ueber-ein-anderes-theater.html
Ausschreibung “Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in”
25.02.2021
Das Department Kunstwissenschaften sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine*n Wissenschaftliche*n Mitarbeiter*in (m/w/d)
Einrichtung: Department Kunstwissenschaften
Besetzungsdatum: Mai/Juni 2021
Ende der Bewerbungsfrist: 18.03.2021
Entgeltgruppe: TV-L E13 (65%)
Befristung: 3 Jahre
Über uns:
Die ortsverteilte DFG-Forschungsgruppe Krisengefüge der Künste (FOR 2734) untersucht seit 2018 in einer interdisziplinären Kooperation zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften die existentielle Bedrohung der öffentlich geförderten Kultureinrichtungen Deutschlands. In der 2021 beginnenden zweiten Förderphase konzentriert sich das Teilprojekt „Outside the Box: Ästhetische Neu-Formatierung an öffentlich getragenen Theatern im Anschluss an die pandemiebedingten Schließungen 2020 in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz“ unter der Leitung von Dr. Bianca Michaels auf die Untersuchung der Folgen der Corona-Krise für die Theaterlandschaft. Die im Forschungsprojekt anvisierten Ziele lassen sich in die drei Untersuchungskategorien (A) Ästhetische Neu-Formatierung und Spielplangestaltung, (B) medientheoretische Kontextualisierung und (C) Auswirkungen auf Theater als Institution unterteilen, anhand derer institutionelle Transformationsprozesse untersucht werden sollen. Im Rahmen des Projekts ist eine Doktorand*innenstelle (wiss. Mitarbeiter*in E13 TV-L, 65%) zu besetzen.
Ihre Aufgaben:
- Mitarbeit im Forschungsprojekt und Durchführung von diversen Analysen:
o Quantitative und qualitative Dokumentenanalysen (u.a. Untersuchung von
Spielzeitheften, Websites und der Theaterstatistik)
o Interviews mit Dramaturg*innen, Künstler*innen und Intendant*innen
o Theoretisch-begriffliche Ausarbeitungen (u.a. im Kontext institutions- und
medientheoretischer Perspektiven)
- Auswertung der Forschungsergebnisse, gemeinsam mit Teilprojektleiterin und Hilfskraft
- Forschungsaustausch mit den Kolleg*innen der anderen Teilprojekte innerhalb der Forschungsgruppe, Teilnahme an Arbeitstreffen und Klausurtagungen, Vorträge auf Konferenzen
- Anleitung und Mitbetreuung der am Projekt mitarbeitenden Hilfskraft
Ihr Profil:
- Abgeschlossenes Studium auf Masterniveau im Fachbereich Theaterwissenschaft oder angrenzender Fächer
- Ausgeprägtes Forschungsinteresse und Aufgeschlossenheit gegenüber interdisziplinären Fragestellungen
- Strukturierte, eigenständige Arbeitsweise
- Hohe soziale und kommunikative Kompetenz mit ausgeprägter Teamfähigkeit
- Erste Erfahrungen in der Arbeit mit quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden sind wünschenswert
Unser Angebot:
- Möglichkeit, unter engagierter Betreuung Erfahrungen in der Forschung zu sammeln
- Unterstützung in allen Phasen der Dissertation
- Großer Gestaltungsspielraum und Förderung von Kooperationen
- Teilnahme an nationalen und internationalen wissenschaftlichen Konferenzen / Kongressen
Wir bieten Ihnen einen interessanten und verantwortungsvollen Arbeitsplatz mit guten Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Ihr Arbeitsplatz befindet sich in zentraler Lage in München und ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Die Eingruppierung erfolgt nach TV-L, Entgeltgruppe 13. Schwerbehinderte Personen werden bei ansonsten im Wesentlichen gleicher Eignung bevorzugt. Es handelt sich um eine Teilzeitstelle mit 26 Stunden pro Woche. Die Stelle ist zunächst auf 3 Jahre befristet.
Bewerbungsprozess:
Bitte schicken Sie Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen bis spätestens 18.03.2021 ausschließlich per Mail (ein PDF, max. 5MB) an michaels@lmu.de.
Unterlagen:
- Kurzes Anschreiben (max. 300 Wörter)
- Kurzer CV (max. 2 Seiten), plus Publikationsliste
- Eine Textprobe (z.B. ein Kapitel einer Hausarbeit, Ihrer Abschlussarbeit oder ein Artikel). Diese sollte Ihr gegenwärtiges Forschungsinteresse reflektieren; Länge: max. 5000 Wörter
- Namen und Kontakte von zwei Referenzen.
Die Bewerbungsgespräche werden voraussichtlich am 29./30. März 2021 stattfinden.
Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Bianca Michaels sehr gerne unter michaels@lmu.de zur Verfügung.
Veröffentlichung: Theatre Institutions in Crisis European Perspectives
1st Edition; Edited by Christopher Balme, Tony Fisher
02.02.2021
Theatre Institutions in Crisis examines how theatre in Europe is beset by a crisis on an institutional level and the pressing need for robust research into the complex configuration of factors at work that are leading to significant shifts in the way theatre is understood, organised, delivered, and received.
Balme and Fisher bring together scholars from different disciplines and countries across Europe to examine what factors can be said to be most common to the institutional crisis of European theatre today. The methods employed are drawn from systems theory, social-scientific approaches, economics and statistics, theatre and performance, and other interpretative approaches (hermeneutics), and labour studies.
This book will be of great interest to researchers, students, and practitioners working in the fields of performance and theatre studies. It will be particularly relevant to researchers with a particular interest in European theatre and its networks.
For further information please click here.
SAVE THE DATE: Jahrestagung der Forschungsgruppe am 23. & 24. März 2021
Strukturkrise und institutioneller Wandel in den darstellenden Künsten – Kontexte, Akteure, Prozesse
20.01.2021
In der Online-Tagung wird die Forschungsgruppe ihre Ergebnisse der 1. Förderperiode (2018-21) präsentieren, zusammenführen und zur Diskussion stellen. Die Anmeldung ist kostenlos und ab sofort möglich unter krisengefuege@lmu.de
Das Programm erscheint voraussichtlich Mitte Februar.
Veröffentlichung: „Neue Methoden der Theaterwissenschaft“ und weitere
09.12.2020
In Kooperation der Forschungsgruppe mit der SFB-Initiative „Humandifferenzierungen“ an der Universität Mainz ist der Sammelband Neue Methoden der Theaterwissenschaft bei transcript erschienen, gemeinsam herausgegeben von Benjamin Wihstutz und Benjamin Hoesch (TP6).
Die Publikation baut auf der aktuellen Methodenauseinandersetzung im Fach auf und versammelt die methodischen Impulse, Weiterentwicklungen und (Re-)Kombinationen aus aktuellen Forschungsprojekten von 13 Beitragenden. Als Hauptfelder der Methodenentwicklung zeigen sich die Erweiterung der Aufführungsanalyse, neue Theaterhistoriografien sowie die Organisations- und Institutionsforschung – womit der Band unmittelbar an das Interesse der Forschungsgruppe anschließt. Zum letztgenannten Feld hat Hoesch den Aufsatz Institution und Organisation. Theaterforschung in der Spannung sozialer Ordnungen beigetragen.
Weitere Informationen zum Sammelband finden Sie hier.
Weitere Publikationen
Jüngst sind zudem noch zwei weitere Publikationen erschienen, die Beiträge von Benjamin Hoesch enthalten:
Theatre and Internationalization. Perspectives from Australia, Germany, and beyond, herausgegeben von Ulrike Garde und John R. Severn. Der Band mit Hoeschs Aufsatz Young artists, international markets: legitimizing myths and institutional strategies geht auf eine Konferenz an der Macquarie University Sydney im April 2019 zurück.
Mehr Informationen zu diesem Band finden Sie hier.
Festivals als Innovationsmotor?, herausgegeben von Beate Hochholdinger-Reiterer und Alexandra Portmann. Der Band ist das Ergebnis des Doktorierendenworkshops „itw: im dialog“ im April 2019 in Bern. In diesem Rahmen entstand auch Hoeschs Beitrag Regiehandschrift in Gebärdensprache. Jeden Gest zwischen Identitätspolitik und Nachwuchsmarkt.
Mehr Informationen zu diesem Band finden Sie hier.
Veröffentlichung: »Gefühle sind von Haus aus Rebellen«
Musiktheater als Katalysator und Reflexionsagentur für gesellschaftliche Entwicklungsprozesse
04.11.2020
Im Oktober 2020 erschien die Publikation »Gefühle sind von Haus aus Rebellen« Musiktheater als Katalysator und Reflexionsagentur für gesellschaftliche Entwicklungsprozesse, herausgegeben von Dominik Frank, Ulrike Hartung – Mitglied der Forschungsgruppe –, und Kornelius Paede im Königshausen & Neumann Verlag. Die Publikation entstand zu der gleichnamigen Tagung, die im Juli 2019 durch das Forschungsinstitut für Musiktheater Thurnau der Universität Bayreuth in Kooperation mit der Oper Halle ausgerichtet wurde.
Diskutiert werden Legitimations- und Strukturprobleme in der Oper, sowie das Innovationspotenzial neuerer Formen von Prozess und Kollaboration innerhalb bestehender Institutionen.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Veröffentlichung: Wie weiter mit Führungskrisen am Theater?
Versuch einer systematischen Betrachtung
03.11.2020
Mara Ruth Wesemüller, Mitarbeiterin des Teilprojekts 2, hat in Zusammenarbeit mit Christian Steinau einen Beitrag für die Zeitschrift Kulturpolitische Mitteilung (Heft 170 III/2020) verfasst.
Im Artikel Wie weiter mit Führungskrisen am Theater? Versuch einer systematischen Betrachtung analysieren sie die Kritik am Generalintendant*innen-Modell innerhalb des deutschsprachigen Theatersystems und zeigen am Staatstheater Braunschweig exemplarisch eine Form der Strukturanpassung, die einen „angemessenen Umgang mit dem Generalintendant*innen-Modell“ ermöglicht.
Den vollständigen Beitrag finden Sie auf dieser Seite unter Downloads.
Weitere Informationen zur Zeitschrift finden Sie hier.
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- Steinau_Wesemüller_2020 (129 KByte)
Veranstaltungshinweis: Eine Kulturpolitik für morgen
Perspektiven und Diskurse junger Kulturakteur_innen
29.10.2020
Vom 29.-30.10.2020 findet online die Tagung Eine Kulturpolitik für morgen. Perspektiven und Diskurse junger Kulturakteur_innen statt. Organisiert wird die Veranstaltung der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel u.a. von Charlotte Burghardt, Johannes Crückeberg und Mara Ruth Wesemüller.
Die partizipative Tagung will die Relevanz junger Perspektiven auf Kulturpolitik herausarbeiten und Verbindungen zwischen Personen schaffen, die sich überparteilich im Politikfeld der Kultur engagieren.
Im Nachgang wird es eine Dokumentation geben.
Das Programm der Tagung finden Sie auf dieser Seite unter Downloads.
Downloads
- Programm_Kulturpolitik für Morgen (492 KByte)
Veröffentlichung: “Neue Formen und andere Räume – Gegenwärtige Programmentwicklungen im öffentlich getragenen deutschen Theater”
27.10.2020
In seinem Beitrag Neue Formen und andere Räume – Gegenwärtige Programmentwicklungen im öffentlich getragenen deutschen Theater diskutiert Lukas Stempel vor allem neuer(e) Theaterformen, die sich in den letzten 15 Jahren in den Programmen der öffentlich getragenen Theater finden lassen. Ausgehend von einer Vorstellung ausgewählter neuer(er) Formen wird im Beitrag skizziert, wie die Theater vermehrt gewohnte Räume verlassen und neue, andere Räume betreten, ergründen und erforschen. Zudem werden besonders die Potenziale neuer beziehungsweise verstärkt auftretender Veranstaltungsformen reflektiert.
Der Beitrag ist in der, im Oktober 2020 erschienenen, Publikation Elfenbeinturm oder Kultur für alle? Kulturpolitische Perspektiven und künstlerische Formate zwischen Kulturinstitutionen und Kultureller Bildung zu finden.
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Veröffentlichung: »Lernen aus dem Lockdown? Nachdenken über Freies Theater«
24.10.2020
Am 15. Oktober erscheint die Publikation »Lernen aus dem Lockdown? Nachdenken über Freies Theater« im Alexander Verlag Berlin. Herausgeber sind Haiko Pfost, Wilma Renfordt, Falk Schreiber, NRW KULTURsekretariat und das Impulse Theater Festival.
Die Publikation behandelt Themen, die während des Lockdowns des Kulturlebens an Bedeutung gewonnen haben. Zum einen werden Problematiken aufgegriffen, zum anderen wird aber auch das Theater als einzigartige Stätte der Versammlung und Begegnung charakterisiert. Die Publikation versammelt Beiträge von Freien Theaterschaffenden und Verantwortlichen aus Kultur und Politik über ihre Erkenntnisse, Ideen und Forderungen, die sie bisher aus der Corona-Krise gewonnen haben. Die Themen reichen von Förderpolitik und sozialer Absicherung über das Grundrecht der Kunstfreiheit und Digitalität bis zur Verwundbarkeit des Körpers im Theaterraum. Beitragende der Publikation sind unter anderem Anja Quickert – Mitglied der Forschergruppe – Michael Annoff/Nuray Demir, Holger Bergmann, Boris Nikitin, Daniela Dröscher, Joy Kristin Kalu, Meine Damen und Herren, Mbene Mwambene, Sibylle Peters, Sahar Rahimi, Felizitas Stilleke, Swoosh Lieu, Arne Vogelgesang, Stefanie Wenner u.a.
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Veröffentlichung: „A crisis of the singers’ market? Shifting discourses on opera from vocal health to changes in the organization of work”
02.10.2020
Im Journal Studies in Musical Theatre (double-blind peer reviewed) ist in der Ausgabe 14.2 (Juli 2020) der Artikel „A crisis of the singers’ market? Shifting discourses on opera from vocal health to changes in the organization of work” von Dr. Sebastian Stauss erschienen. Im ausgearbeiteten Vortragstext von der Konferenz Systemic Crisis in European Theatre (London 2018) wird u.a. das Theoriemodell der Triade (Figur des Dritten) angewendet, das im Teilprojekt 1 der Forschungsgruppe für Musiktheatervermittlung von zentraler Bedeutung ist.
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Interview: Christopher Balme im Gespräch mit der Deutschen Bühne
Avantgarde über die Institution denken
09.09.2020
“Die eigentliche Avantgarde steckt […] in Versuchen wie denen der Münchner Kammerspiele, das Stadttheater neu zu denken”, so Christopher Balme in der Deutschen Bühne. Und auch seine Forschungsarbeit bewegt sich aktuell weg von der Analyse der Ästhetik, hin zur Untersuchung der Avantgarde in der Institution Theater in Deutschland, der damit einhergehenden Provokation und Veränderung. Christopher Balme im Interview mit Detlev Baur und Anne Fritsch über Legitimationsfragen, die Krise des Theaters und die möglichen Folgen der Corona-Pandemie, erschienen in der Juli Ausgabe 2020 der Deutschen Bühne.
TP 5: Zeitschrift zu aktuellen Wandlungsprozessen im Musiktheater veröffentlicht
11.08.2020
Die aktuelle Ausgabe der digitalen Zeitschrift für Musik & Performance ACT (Heft 9), herausgegeben von Ulrike Hartung und Anno Mungen (Gesamtherausgeber der Zeitschrift: fimt Bayreuth), beschäftigt sich mit Veränderungs- und Transformationsprozessen ästhetischer, organisationeller und institutioneller Art, die durch den Krisendiskurs im Theater ausgelöst und angetrieben werden. In einem produktiven Verständnis von Krise als Innovationskatalysator und Antrieb von Wandlungsprozessen ist in diesem Zusammenhang von zentralem Interesse, mit welchen Veränderungen Musiktheater konfrontiert ist und/oder welche es selbst in dieser Konfrontation hervorbringt.
In den Beiträgen der Zeitschrift behandeln die Autor*innen (darunter aus der Forschungsgruppe Christiane Plank-Baldauf und Benjamin Hoesch) Forschungsfragen und Fallstudien, die weit über die im Forschungsprojekt diskutierten hinausgehen. Durch zusätzliche Perspektiven und Anwendungsbeispiele möchte diese Ausgabe von ACT ergänzend zur aus dem Forschungsprojekt entstehenden Monografie ein noch facettenreicheres Bild sowohl des Krisendiskurses als auch seiner Zusammenhänge mit tatsächlichen Veränderungen in der ästhetischen wie institutionellen Praxis zeichnen. Die versammelten Texte zeigen noch einmal anders die Virulenz und die Omnipräsenz dieses Krisendiskurses insbesondere im Kontext von Musiktheater auf und verdeutlichen die Dringlichkeit ihrer Verhandlung.
Die gesamte Zeitschrift können Sie hier lesen.
Interview: Alex Haunschild im Gespräch mit SWR2
„Kleiner König“ Intendant: Macht am Arbeitsplatz Theater
31.07.2020
Die kritische Lage am Badischen Staatstheater Karlsruhe um Intendant Peter Spuhler spitzt sich immer mehr zu. Der Führungsstil Spuhlers steht massiv in der Kritik. Mitte Juli wurde zu einer öffentlichen Demonstration aufgerufen, die auf die ungerechte Behandlung einiger Mitarbeiter*innen des Theaters aufmerksam machen sollte. Mehr als 300 Beschäftigte hatten einen Neuanfang ohne Peter Spuhler gefordert. Im Kontext dieser aktuellen Krise in Karlsruhe und der vieldiskutierten Machtfülle von Theaterintendant*innen sprach Axel Haunschild, Leiter des Teilprojekt 2 – Markt als Krise, mit dem SWR2. Ein Beitrag über Machtverhältnisse an Theatern und problematische Arbeitsbedingungen unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit:
Interview: Das Stadttheater als Plattform einer offenen Gesellschaft
28.07.2020
Als 2019 das Land Brandenburg die Förderung der Theater auf 80 Prozent erhöhte und die Kommunen dadurch deutlich entlastet wurden, entschied sich die Stadt Brandenburg a. d. Havel den Bereich Darstellendes Spiel am städtischen Haus aufzuwerten: mit mindestens 500.000 Euro Projektmitteln pro Jahr. Das Theater, welches Ende der neunziger Jahre durch Umstrukturierungen außer dem Orchester alle Ensembles und ein Großteil der Mitarbeiter*innen verlor, hat dadurch die Anzahl an Eigenproduktionen wieder ausbauen können – mit Unterstützung der über viele Jahre gewachsenen Amateurtheaterkultur. Wie kann ein derartiger neuer Austausch zwischen professionellen Darsteller*innen und Bürger*innen der Stadt gelingen? Entstehen neue Formen und Formate im Theaterprogramm? Wie wird die Stadt und die Bürgerschaft in die Veränderungsdynamiken einbezogen, die sich am Theater Brandenburg vollziehen? Im Rahmen seiner aktuellen Forschungsarbeit wandte sich mit diesen Fragen Lukas Stempel, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt 4 „Von Bürgerbühnen und Stadtprojekten – Neu-Formatierung als Symptom des institutionellen Wandels im gegenwärtigen deutschen Stadt- und Staatstheater“ an Frank Martin Widmaier, den Künstlerischen Leiter am Theater Brandenburg.

Lukas Stempel: Zu Beginn der Spielzeit2019/20 beteiligte sich das Brandenburger Theater an den Veranstaltungen zum 30-jährigen Jubiläum „Friedliche Revolution“ und „Mauerfall“. Wie wichtig ist es, dass Theater sich in derartige Diskurse einbringt?
Frank Martin Widmaier: Ziel eines Theaterprogramms ist es, die Bevölkerung in ihrer Breite anzusprechen, natürlich in erster Linie mit ästhetischen Mitteln, aber auch gleichzeitig im Rahmen des Kulturauftrags, mit relevanten Zeitthemen. Betrachtet man die Geschichte der Stadt Brandenburg a.d. Havel, zeigt sich, dass in den letzten 30 Jahren, neben dem Umbruch in ein neues System und eine neue Gesellschaftsstruktur, auch Themen wie Arbeitslosigkeit oder das unglückliche Agieren der Treuhand eine zentrale Rolle spielen. Diese Themen sind natürlich aufzugreifen, vor allem vor dem Hintergrund unseres momentanen Zustands in der Parteienlandschaft und im Ringen um Demokratie. Im Rahmen des Jubiläums haben wir deshalb gemeinsam mit der Stadt und der evangelischen Gesamtkirchengemeinde der Stadt Veranstaltungsformen entwickelt, welche die Brücke zwischen damals und heute schlagen sollten. Unter anderem wurde nach dreißig Jahren das Format „Runder Tisch“ wieder konzipiert. Hier wurde z.B. über Fortschritt und Nicht-Fortschritt in den Bereichen Kultur, Umwelt, Stadtentwicklung und Erziehung diskutiert. Auf den Podien wurden neben Zeitzeugen auch junge Bürger*innen zum Austausch und zum Gespräch eingeladen. Zusätzlich haben wir als Theater, Schauspieler*innen des ehemaligen Ensembles gebeten, im Rahmen einer Lesung die damaligen Verhältnisse zwischen Theater und Bezirksleitung der SED darzustellen. Ich sehe es als meinen Auftrag an, Theater für den Ort zu machen, an dem ich arbeite und die Themen zu suchen und aufzunehmen, die den gesellschaftlichen Diskurs gerade bestimmen.
Wie werden in künstlerischen Produktionen und im Rahmenprogramm aktuelle Themen aufgegriffen?
Zu Spielzeitbeginn haben wir die Uraufführung von Grete Minde ins Programm gesetzt, in welcher das Thema Dynamik von Hass, Dynamik von übler Nachrede, von Verleumdung, auch vor dem Hintergrund von ‚Fake News‘, verhandelt wird. Mit dem Musical Mein Freund Bunbury von Gerd Natschinski haben wir ein Stück gespielt, in dem es um die Doppelbödigkeit menschlicher Verhältnisse geht. Zusätzlich gab es in unserem Foyer eine Ausstellung des Brandenburger Karikaturisten Paul Pribbernow, der die politischen Systeme im Nachkriegsdeutschland bis heute kritisch betrachtet hat. In einem Theaterkonzept sollte der Diskurs, die Bildende Kunst, die Darstellende Kunst, die Musik als zusammengehörig betrachtet werden. In unserer heutigen Zeit muss ein zusätzliches und diverses Angebot an Veranstaltungsformen geschaffen werden, weg von einem reinen Repräsentationstheater. Neben der Reibungsfläche, die Kunst vor allem im Darstellenden Spiel durch die Aufführung erreicht, ist die Reflexion darüber genauso wichtig. Hier ist das Stadttheater eine besondere Plattform einer offenen Gesellschaft. Wir können beispielsweise das Foyer als öffentlichen Raum der Bevölkerung zur Verfügung stellen, mit Ausstellungen, Kunstmessen oder Mini-Festivals und anderem. Das Stadttheater der Zukunft muss stärker mit der Gesellschaft vor Ort im Austausch stehen, und wird sich vermehrt auch über partizipative Theaterformen definieren.
Welche Rolle spielt im Rahmen der Neustrukturierung des Programms und der Öffnung hin zur Stadt die Historie des Brandenburger Theaters?
Vor ca. zwanzig Jahren wurden alle Ensemblemitglieder von Ballett, Chor, Musiktheater, und Schauspiel entlassen. Nur das Orchester wurde erhalten. So hat sich das Brandenburger Theater hauptsächlich zu einem Bespieltheater entwickelt, obwohl das Land Brandenburg das Konzept hatte, mit dem bestehenden Theaterorchester auch Opern zu produzieren. Das konnte jedoch aus organisatorischen und finanziellen Gründen nicht lange realisiert werden. Das Theater wurde hauptsächlich zu einem so genannten Abnehmerhaus von Produktionen der anderen Brandenburger Theater. Das Orchester entwickelte sich mehr und mehr zu einem Sinfonieorchester mit wenig Einsätzen im Musiktheater. Dass in der Stadt aber weiter ein Bedarf an Theater bestand, zeigte sich in Aktivitäten ehemaliger Ensemblemitglieder und Laien aus der Stadt in der „freien Szene“.
2018 gab der Oberbürgermeister in der Stadt Brandenburg dann den Impuls, das Theater wieder verstärkt zu einem eigenproduzierenden Haus hinzuführen, inklusive Neugründung eines Ensembles. Grund dafür war die erwähnte gestiegene Landesförderung. Für 2019 und 2020 wurde deshalb ein Projektmitteletat von 500.000 Euro vonseiten der Stadt eingerichtet, mit welchem mehr Eigenproduktionen realisiert werden sollen. Es war aber schnell klar, dass dieses Geld nicht in die Schaffung eines Ensembles investiert werden kann, auch um eine gewisse Vielfalt im Programm weiterhin zu ermöglichen. Somit habe ich versucht, aus einem Pool von Schauspieler*innen ein freies festes Ensemble aufzubauen. Gleichzeitig wurde von mir der Laienbereich ausgebaut, das heißt: es gab zwar bereits eine Bürgerbühne und ein Jugendtheater, die Möglichkeiten der Auftritte und der Partizipation an Projekten, außer den eigenen, wurden jedoch erhöht.
Wie werden die nichtprofessionellen Darsteller*innen in die Produktionen einbezogen?
Die Uraufführung von Grete Minde im September 2019 wurde von knapp zehn professionellen Schauspieler´*innen und 25 Menschen aus der Bevölkerung verwirklicht – Bürgerbühne, Jugendtheater und anderen Interessierten. Meine konzeptionelle Idee war, mit den Amateuren als Bewegungs- und Sprechchor, das Volk als Gegenpol zu den agierenden zentralen Rollen auftreten zu lassen.
Für das Musical Mein Freund Bunbury brauchten wir einen Chor. Deshalb wurde 2019 ein Theaterchor gegründet. Dieser setzt sich ausschließlich aus Laien zusammen. Die Kosten für den Chorleiter und die Stimmbildung übernahm das Theater. So konnte man in der Revueoperette Mein Freund Bunbury die Akteur*innen des Chores singend, tanzend und in zahlreichen kleinen Rollen erleben. Und damit haben wir viele Brandenburger*innen an das Theater binden können, die voller Begeisterung entdeckt haben, was Theater bedeutet. In diesem Projekt wurde das partizipative Arbeiten deutlich ausgeweitet. Auf diese Weise kann auch in Zukunft die Anzahl der Produktionen erhöht werden. Und damit gewinnen wir Publikum, gewinnen wir Theaterinteresse; so entsteht überhaupt erst wieder ein Flair in die Stadt Brandenburg a.d. Havel: „Was bedeutet es für uns, ein eigenes Theater zu haben?“.
Welche Herausforderungen entstehen in der Arbeit mit Laien?
Es kommt einerseits darauf an, die Menschen auf der Bühne so zu faszinieren, dass das Gemeinschaftsprojekt gelingt. Andererseits muss die ästhetische Konzeption erzählt und vermittelt werden. Auch muss im Rahmen der Proben auf eine gute Mischung zwischen Trennung und Zusammenführung von professionellen Schauspieler*innen und Laien geachtet werden. Im Kontrast dazu ist die Laien-Chorarbeit durch die von der Partitur vorgegebene Struktur etwas einfacher zu realisieren. Da in Mein Freund Bunbury der Chor auch tänzerische Elemente einüben musste, war hier die Auswahl der Choreographin entscheidend. Die Gruppe sollte sich gut verstanden und behandelt fühlen. Und wenn man einmal in so einem Prozess mitgewirkt hat, weiß man, auf was man sich da einlässt. Es ist ein oft langer und komplizierter Weg, bis man zwischen Text, Person, Haltung und Spiel wirklich eine Form findet. Ich bin deshalb stets auch immer ein bisschen Missionar in Fragen wie „Was ist Theater?“, „Wie ist Theater?“ und „Was für eine einmalige Ausstrahlung hat Theater?“. Sich selbst zu repräsentieren und aktiv auf der Bühne mitzuwirken – das ist für viele nicht-professionelle Darsteller*innen ein prägendes Erlebnis. Schlussendlich ist es wie in der klassischen Programmarbeit wichtig, Themen und Stoffe zu finden, die im Publikum für Überraschungen sorgen und auch eine Reibungsfläche bilden, auch begeistern oder Emotionen freisetzen, ganz im Sinne unseres Kulturauftrags.
Kann sich aufgrund der engen gemeinsamem Arbeit mit Laien ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln?
Im Rahmen der Produktionen Mein Freund Bunbury und Grete Minde ist auf jeden Fall eine Gemeinschaft entstanden, mit allen Problemen, die jede Gruppe mit sich bringt. In der Bürgerbühne und im Jugendtheater klappte das ja schon länger. Es war toll zu beobachten, wie Menschen, die in ihrem Leben zuvor wenig Berührungspunkte mit Kunst oder Theater hatten, für sich eine völlig neue Tür aufgemacht haben. Es geht mir nicht darum zwischen Profis und Laien zu unterscheiden, sondern es geht darum, gemeinsam künstlerisch zu arbeiten. Und das schließt beispielsweise aus, dass man Hierarchien entstehen lässt. Wichtig ist, mit allen Beteiligten künstlerisch auf gleicher Augenhöhe zu agieren.
Was fasziniert Sie an der Arbeit mit Laien?
Als Regisseur und künstlerischer Leiter habe ich immer wieder versucht, Kontakte zwischen dem Theater in der Stadt und den kleinen freien künstlerischen Aktivitäten herzustellen, beziehungsweise Zusammenarbeit zu ermöglichen. Besonders im Rahmen der künstlerischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen konnte ich erfahren, dass dadurch Begeisterung für das Theater geweckt werden kann. Besonderen Spaß macht es mir, im Rahmen dieser Arbeit junge Sänger*innen oder Schauspieler*innen zu fördern. Einige junge Menschen, die mir so begegnet sind, entschieden sich später für einen Ausbildungsweg im künstlerischen Bereich.
Wie arbeiten Sie im Rahmen der Entwicklung Ihres Programms mit Institutionen aus Brandenburg zusammen?
Innerhalb der Stadt Brandenburg führen wir einen Dialog mit Kultur- und Bildungseinrichtungen, wie Schulen, Musikschulen und Chören. Mit den Kulturkreisen in der Stadt Brandenburg stehen wir ebenso im intensiven Austausch. Zusätzlich ist es mir wichtig, eine überregionale Vernetzung herzustellen. Mit dem Theater- und Konzertverbund des Landes Brandenburg wird dies schon seit Jahren geschaffen. Durch die Entwicklung des freien festen Ensembles wurde zudem der Austausch mit der Freien Szene verstärkt. In Zukunft streben wir eine Kooperation mit Studierenden der UdK in Berlin an.
Wie wird Ihre Arbeit in der Brandenburger Stadtgesellschaft auf- und wahrgenommen?
Durch die Erhöhung der Anzahl von Eigenproduktionen hat das Haus bereits nach einem Jahr eine deutlich größere Ausstrahlung bekommen. Wir hoffen, dass eine Re-Institutionalisierung stattfindet und die Mittel weiter verstetigt werden um Planungssicherheit zu bekommen, auch verbunden mit einem Wiederaufbau der Sparten. Durch die Mitwirkung vieler Bürger*innen in den größeren Projekten gehen plötzlich mehr Menschen im Haus wieder aus und ein. Das Community-Konzept, welches ich speziell für das Theater Brandenburg entwickelt habe, wird also sehr gut angenommen. Auch die Durchlässigkeit der vielfältigen partizipativen Angebote funktioniert prächtig: Viele machen in den Projekten in verschiedenen Ensembles mit.
Welche Auswirkungen wird die Corona-Pandemie in Zukunft auf Ihre Arbeit haben?
Corona wird nicht spurlos am Theater vorübergehen. Dennoch bin ich sicher, dass viele Menschen irgendwann voller Sehnsucht wieder in unsere Häuser kommen, vor allem um wieder das soziale Miteinander stärker und tiefer zu erleben. Aktuell können Online-Angebote nur eine Brücke schlagen. Auch die Einschränkungen werden uns eine Weile live stark limitieren. Sie werden die Aura eines Theaterabends nur sehr begrenzt übertragen können. Was die Politik angeht, wird es schwieriger. Ich hoffe, dass die bescheidenen Mittel, die im Vergleich zum Gesamthaushalt für Kunst ausgegeben werden, nicht radikal runter gefahren werden, und dass eine Neiddebatte entsteht, wie wir sie schon zum Teil aus früheren Zeiten kennen: also, dass man jetzt wieder Schulspeisungen und KITA-Plätze gegen Zuschüsse für das Theater hochrechnet. Inzwischen ist doch unbestritten: Jeder in das Theater investierte Euro bringt vierfach Früchte. Das rentiert sich besonders an einem so zukunftsfähigen Ort wie Brandenburg an der Havel: Natur, Kultur, Geschichte, die sich in einem tollen Stadtbild wiederspiegelt und die Lage in der Hauptstadtregion mit bester Verkehrsanbindung.
Wie systemrelevant ist Theater?
Je fester ein Theater in die Gemeinschaft der Stadtgesellschaft eingebunden ist, seine Wichtigkeit von den alten und neuen Bürger*innen erfahren und gespürt wird, ja, um den aktuellen Begriff einzusetzen: seine Systemrelevanz erkannt wird, um so hoffnungsvoller können wir daran glauben, dass es auch nach der Corona-Krise Theater eine Zukunft hat. Dabei setze ich auf die Vernunft unserer Politik. Der Kunstbetrieb hat sein Zentrum nicht in einer Form der Effizienz im marktwirtschaftlichen System, sondern in den existentiellen Fragen des Menschen, die im Spiegel der Bühne die Menschen ansprechen.
TP 2 in der Lehre: Seminar „Freie Theater in Niedersachsen – Best OFF“
14.07.2020
Silke zum Eschenhoff, Mitarbeiterin des TP 2, leitet im laufenden Sommersemester 2020 an der Leibniz Universität Hannover ein Seminar zum Thema „Freie Theater in Niedersachsen – Best OFF“. Im Zentrum des Seminars steht das „Best OFF – Festival Freier Theater”, in dessen Rahmen herausragende Inszenierungen von Freien Theatergruppen aus Niedersachsen – darunter professionelle Produktionen, sowie Arbeiten junger Kollektive – ausgezeichnet werden.
Ziel des Seminars ist es u.a. den Studierenden einen Einblick in die Freie Theaterszene Niedersachsens zu verschaffen und ihnen die Kenntnisse zu vermitteln die kulturpolitischen Rahmenbedingungen sowie deren Einfluss auf Arbeitsbedingungen und Ästhetiken von Theaterproduktionen der Freien Szene einschätzen zu können.
Veranstaltungshinweis: Eine Kulturpolitik für morgen?
Perspektiven und Diskurse junger Kulturpolitik
01.07.2020
Einige Mitarbeiter*innen der Forschungsgruppe, darunter Charlotte Burghardt, Johannes Crückeberg, Ulrike Hartung und Mara Käser, konzeptionieren eine Veranstaltung zu dem Thema „Eine Kulturpolitik für morgen? Perspektiven und Diskurse junger Kulturpolitik“.
Kulturpolitik prägt Kultur, wird aber auch von aktuellen und jungen Strömungen der Kultur geprägt. Was sind aktuelle Vorstellungen einer jungen Kulturpolitik? Wie kann eine neue zukunftsgewandte Kulturpolitik aussehen?
Die partizipative Tagung will am 29. und 30. Oktober 2020 in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel die Relevanz junger Perspektiven auf Kulturpolitik herausarbeiten und Verbindungen zwischen Personen schaffen, die sich überparteilich im Politikfeld der Kultur engagieren.
Mehr Informationen unter:
https://www.bundesakademie.de/kompetenz/publikationen/eine-kulturpolitik-fuer-morgen
Beiträge können als zusammengefügtes PDF bis zum 15. Juli 2020 an franziska.schoenfeld@bundesakademie.de eingereicht werden. Der Call for Ideas ist hier zu finden:
https://www.bundesakademie.de/fileadmin/Bilder/Seminare/ku/CALL_FOR_IDEAs_20200608_5.pdf

Veröffentlichung: “Theater in der Legitimationskrise?”
04.02.2020
Kürzlich erschien die Publikation “Theater in der Legitimationskrise? Interesse, Nutzung und Einstellungen zu den staatlich geförderten Theatern in Deutschland – eine repräsentative Bevölkerungsbefragung” von Prof. Dr. Birgit Mandel und Moritz Steinhauer. Die Untersuchung, die auf einer Bevölkerungsbefragung basiert, geht der Frage nach, ob Stadt- und Staatstheater sich in einer Legitimationskrise befinden, “weil das Interesse an und die Nachfrage nach Theaterangeboten sowie die Einschätzung der Theater als gesellschaftlich wertvolle Einrichtungen in der Bevölkerung nicht (mehr) hinreichend vorhanden sind?”
Die vollständige Publikation finden Sie hier zum Nachlesen.
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Interview: “Krise als Chance”
15.01.2020
Christopher Balme im Interview über deutsche Kulturpolitik, die Widerstände gegen den Intendanten Matthias Lilienthal und Krisen als Motor für Veränderungen.
Der Theaterstreit an der Oper Halle aus der Perspektive der Forschung
16.12.2019
Die aktuelle Sonderbeilage “Musik-(Stadt-)Theater der Zukunft. Ein Themenheft zum ästhetischen Neustart an der Oper Halle unter der Intendanz von Florian Lutz”, die gemeinsam mit der Dezemberausgabe des Fachmagazins Die Deutsche Bühne am 28. November 2019 erschienen ist, beinhaltet auch einen Beitrag von Dr. Ulrike Hartung. Unter dem Titel “Die Oper Halle zwischen Beharrungs- und Bewegungskräften: Die Musiktheaterwissenschaftlerin Ulrike Hartung betrachtet den Theaterstreit an der Saale aus der Perspektive der Forschung” geht dieser den Querelen an den Bühnen Halle aus Sicht ihrer Forschungsarbeit nach und untersucht das Handeln der Akteure im Spannungsfeld von ästhetischer Innovation und institutioneller Struktur.
Programm der Jahrestagung 2019
Kulturpolitische Dynamiken in den darstellenden Künsten. Legitimation, Steuerung, Aushandlungsprozesse
28.11.2019 – 29.11.2019
Donnerstag, 28. November: 9:30 – 16:00 Uhr
Freitag, 29. November: 9:30 – 15:30 Uhr
Ort: Studiobühne TWM
Eingang: Am Kosttor, München
Kostenfreie Anmeldung unter krisengefuege@lmu.de
Mit der deutschen Kulturpolitik im Fokus präsentiert die DFG-Forschungsgruppe Krisengefüge der Künste zur Jahreskonferenz 2019 erste Forschungsergebnisse aus den Teilprojekten und geht Wechselwirkungen nach: Wie stark bilden sich kulturpolitische Entscheidungen und Strategien in den darstellenden Künsten ab bzw. an welchen Erfolgsparametern ‚gelungenen Theaters’ werden kulturpolitische Akteure und Konzepte gemessen?
Schon länger steht die traditionell rahmengebende Kulturpolitik auf dem Prüfstand. Seit Jahrzehnten sind ökonomische Legitimationsmuster etabliert, z.B. die Annahme des grundsätzlichen Marktversagens bei der Bereitstellung kultureller Güter oder die Erwartung einer erhöhten Standortattraktivität durch Kulturangebote. Diesen stehen kulturpolitische Maßgaben kultureller Bildung und Partizipation gegenüber wie auch das Konzept eines ‚marketplace of ideas’. Idealtypisch ist Kreativität hiernach im gerechten Wettbewerb förderungs-, gestaltungs- und entwicklungsfähig. Die Forschungsgruppe geht den Argumentationslinien im Kontext kulturföderalistischer Kooperation und Konkurrenz nach. In Bezug auf jüngere Entwicklungen und Kontinuitäten lauten die Themenfelder der Konferenz:
• politische und zivilgesellschaftliche Legitimation von Theater und deren Aushandlungsprozesse
• die Stadtgesellschaft als Paradigma zunehmend heterogener öffentlicher Interessen und Anspruchsgruppen
• kulturpolitische Steuerungsmodelle für die darstellenden Künste
• Innovation und Nachhaltigkeit
• De- und Re-Institutionalisierung von Theater
• Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen von Theaterschaffenden zwischen Festanstellung und (Projekt-)Förderung
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eine Programmübersicht
Abstracts der Panels und Titel der Vorträge
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Programmübersicht
Donnerstag, 28. November
9:30 – 11:45
Panel I: Zwischen Aushandlung und Direktive – Kulturpolitische Steuerungsmodelle und Theater
Mit: Christopher Balme, Johannes Crückeberg, Julia Glesner, Ulrike Hartung, Anno Mungen, Gerald Siegmund, Moritz Steinhauer
11:45 – 12:45
Mittagspause
12:45 – 13:30
Gastvortrag: Die kulturpolitische Wirkmacht von Förderprogrammen
Von Kirsten Haß
13:40 – 16:00
Panel II: Theater im Kampf um Anerkennung – Legitimitätsdiskurse und Legitimationsstrategien
Mit: Silke zum Eschenhoff, Axel Haunschild, Benjamin Hoesch, Bianca Michaels, Sebastian Stauss, Anja Quickert
Freitag, 29. November
9:30 – 11:00
Panel III: “Passion als Beruf?”: Erste Ergebnisse der Mitarbeiter*innenbefragung an sechs Stadttheatern
Mit: Lara Althoff, Christopher Balme, Axel Haunschild, Alexandra Manske, Eckhard Priller, Annette Zimmer
11:00 – 11:30
Pause
11:30 – 13:45
Panel IV: Das (un-)entbehrliche Theater? Die veränderte Rolle der (Stadt-)theater in einer pluralisierten Stadtgesellschaft
Mit: Charlotte Burghardt, Hilko Eilts, Birgit Mandel, Lukas Stempel
13:45 – 14:15
Pause
14:15 – 15:30
Abschluss der Tagung mit Respondent Max Fuchs
Abstracts
Donnerstag, 28. November
Panel I: Zwischen Aushandlung und Direktive – Kulturpolitische Steuerungsmodelle und Theater
Leitung: Christopher Balme, Anno Mungen, Gerald Siegmund
Kulturpolitische Akteure nehmen Einfluss auf die Theaterlandschaft. Im Bereich der Stadt- und Staatstheater kann mittelbare Steuerung durch Personalentscheidungen oder Förderstrukturen erfolgen. Institutionelle Förderung, besonders aber die Vergabe von Projektmittel offenbart einen noch größeren Einfluss kulturpolitischer Akteure auf die Theater. Aber auch die unmittelbare Steuerung, zum Beispiel durch diskursive Einmischung, ist ein probates Mittel kulturpolitischer Steuerung. In diesem Panel wird die kulturpolitische Steuerung von Theatern zum einen de jure – also mit einem Fokus auf die rechtlichen Rahmenbedingungen – zum anderen aber auch de facto – also durch die Betrachtung tatsächlicher Steuerung – analysiert. Anhand von Fallbeispielen wird diskutiert, welche kulturpolitischen Steuerungsinstrumente zur Verfügung stehen und welche in der Praxis Anwendung finden. Zur Kontextualisierung wird eine historische Entwicklung von Steuerung vorgenommen. Dabei wird sowohl die Perspektive der kulturpolitischen Akteure als auch die der geförderten Theater beleuchtet und diskutiert, inwiefern Steuerung in direktiver Form oder in Aushandlungsprozessen eingesetzt wird, welche Potentiale und Probleme sich aus dieser Form der kulturpolitischen „Einmischung“ ergeben und wie sich die Theaterlandschaft durch diese Einflussnahme verändert.
• Christopher Balme (TP1) & Gerald Siegmund (TP6): Einführung in das Panel
• Moritz Steinhauer & Johannes Crückeberg (TP3 & TP7): Steuerungsmodelle und ihr Einfluss auf die kommunale Theaterverwaltung
• Ulrike Hartung & Anno Mungen (TP5): Kulturbetrieb als Schlangengrube – Kulturpolitische Steuerung de facto und de jure anhand der ‚Causa Binder‘
• Julia Glesner (Gast): Bedingung und Freiheit: Theaterbetriebe zwischen kulturpolitischem Auftrag und zivilem Ungehorsam
Gastvortrag: Die kulturpolitische Wirkmacht von Förderprogrammen
Von Kirsten Haß (Leiterin Förderung und Programme der Kulturstiftung des Bundes)
Die Kulturstiftung des Bundes reagiert mit ihren antragsoffenen Förderprogramme auf Bedarfe aus den jeweiligen Kulturfeldern. Gleichzeitig setzt sie mit ihnen Impulse und wirkt als kulturpolitischer Player steuernd auf Institutionen ein. Der Vortrag reflektiert Absichten, Mechanismen und Wirkungen von Fördermaßnahmen in den Darstellenden Künsten auf Bundesebene und zeigt auch die Grenzen der Wirksamkeit auf.
Kirsten Haß studierte Neuere Deutsche Literatur, Linguistik und Publizistik an der FU Berlin und leitete bis 1994 den Bereich Veranstaltungen und Öffentlichkeit einer großen Buchhandlung in Berlin. Danach wechselte sie als Geschäftsführerin zum Landesverband Freier Theater in Niedersachsen. Bis 2006 war sie Sprecherin der Freien Kulturverbände Niedersachsen sowie geschäftsführende Vorsitzende des Bundesverbands Freier Theater und wurde in zahlreiche Fachbeiräte für Theaterförderung und Soziokultur sowie als Beirätin in die Künstlersozialkasse berufen. Daneben bildete das Thema Evaluation im Kulturbereich einen Schwerpunkt ihrer Vortrags- und Seminartätigkeit. 2007 nahm sie ihre Arbeit bei der Kulturstiftung des Bundes zunächst als Leiterin der Allgemeinen Projektförderung auf und leitet seit 2010 den Förder- und Programmbereich der Stiftung. Ab 2020 wechselt Kirsten Haß auf die Position der Verwaltungsdirektorin und bildet gemeinsam mit Hortensia Völckers den Vorstand der Kulturstiftung des Bundes.
Panel II: Theater im Kampf um Anerkennung – Legitimitätsdiskurse und Legitimationsstrategien
Leitung: Axel Haunschild, Bianca Michaels
Eine Institution wie das Theater erhält ihre Stellung in der Gesellschaft durch Legitimität, d.h. ihre soziale wie kulturelle Anerkennung und Wertschätzung. Diese Legitimität ist jedoch nicht einfach gegeben, sondern muss in Argumentationsstrategien und Aushandlungsprozessen immer wieder gesucht und hergestellt werden. Der Legitimationsbedarf betrifft individuelle und kollektive kulturpolitische Akteur*innen auf allen Ebenen sowie ihre gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisse: Die Politik muss im Ressortstreit die Bedeutung des Theaters abwägen und zugleich ihre Entscheidungen über die Verteilung knapper Mittel gegenüber den zahlreichen Anspruchsgruppen verteidigen; die Theater bewegen sich im Rahmen kulturpolitischer Vorgaben und erfüllen und/oder konterkarieren gesellschaftliche Erwartungen, um als möglichst förderwürdig zu gelten; Künstler*innen bewerben sich um Engagements und Zuwendungen, organisieren sich aber auch zunehmend zu eigenen Interessensverbänden, die sich direkt in kulturpolitische Verhandlungen einschalten. Alle Akteur*innen richten sich dabei immer auch an die Öffentlichkeit, die sowohl Medium der Auseinandersetzung als auch Adressat der Legitimationsbemühungen ist und mit ihrer Aufmerksamkeit eine bedeutsame Stimme im Legitimitätsdiskurs darstellt. Das Panel zeichnet Dynamiken und Effekte dieser Aushandlungsprozesse anhand von Fallstudien aus Forschungsprojekten zu Vermittlung, Freier Szene, Nachwuchsförderung und theaternahem Rahmenprogramm nach und betrachtet hierbei die verschiedenen Ebenen und Verknüpfungspunkte von kulturpolitischer Förderung sowie bundespolitischen bis hin zu kommunalen Initiativen. In Kurzvorträgen und einer anschließenden Podiumsdiskussion werden zusammenhängende Mechanismen und gemeinsame Tendenzen zum Ausgang des Kampfes um Anerkennung ermittelt.
• Axel Haunschild (TP2): Einführung in das Panel
• Sebastian Stauss (TP1): Zwischen künstlerischer Qualitätssicherung und Öffnung für neues Publikum. Staatstheater und kulturpolitische Maßgaben am Beispiel Hannover
• Silke zum Eschenhoff (TP2): Ein Versprechen auf die Zukunft. Der Einfluss der Förderung auf Arbeitsbedingungen und Theaterästhetiken am Beispiel der Freien Szene in Niedersachsen
• Anja Quickert (TP2): Krisendiskurse und Agenda-Setting in der Freien Theaterszene Berlins als Re-Politisierung des künstlerischen Diskurses
• Benjamin Hoesch (TP6): Nachwuchsförderung als Legitimationsmythos
• Bianca Michaels (TP4): Das soziale Mandat? Programmplanung öffentlich getragener Theater unter Legitimationsdruck
• Podiumsdiskussion
Freitag, 29. November
Panel III: “Passion als Beruf?”: Erste Ergebnisse der Mitarbeiter*innenbefragung an sechs Stadttheatern
Leitung: Christopher Balme, Annette Zimmer
In den letzten Jahren haben umfassende Veränderungen an den deutschen Stadttheatern stattgefunden. Wie wirken sich diese auf die Arbeitsbedingungen und Beschäftigungsverhältnisse aus? Wie sehen die Mitarbeiter*innen die Zukunft ihres Theaters? Wie bewerten sie ihre persönliche Arbeitssituation und wie sehen sie ihre beruflichen Perspektiven? Und welche Erwartungen haben die Mitarbeiter*innen der Häuser an ihr Theater als Arbeitgeber sowie als Ort künstlerischer Innovation? Diese Fragen stehen im Zentrum einer umfassenden Befragung von Theaterschaffenden und Mitarbeiter*innen an ausgewählten Stadttheatern in NRW und in Ostdeutschland. Die Novembertagung 2019 des Projektverbundes dient als Arena zur Vorstellung und Diskussion erster Ergebnisse der Befragung.
• Einführung
• Annette Zimmer (TP7): Aufbau und Anlage der Untersuchung: „Passion als Beruf?“
• Eckhard Priller (TP7): Zur Beschäftigungssituation und den Arbeitsbedingungen – erste Ergebnisse der Befragung „Passion als Beruf?“
• Lara Althoff (TP7): Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Die untersuchten Theater im Vergleich
• Eckhard Priller & Annette Zimmer (TP7): Herausforderungen, Innovationen und Zukunftserwartungen – aus der Perspektive der Mitarbeiter*innen
• Discussants: Axel Haunschild (TP2) & Alexandra Manske (Assoziiertes Mitglied der Forschungsgruppe)
• Podiumsdiskussion
Panel IV: Das (un-)entbehrliche Theater? Die veränderte Rolle der (Stadt-)theater in einer pluralisierten Stadtgesellschaft
Leitung: Birgit Mandel
Die Verankerung der öffentlich geförderten Theater in der ‚Stadtgesellschaft‘ gilt als wesentlich für deren kulturpolitische Legitimation. Dafür muss Theater in der breiten Bevölkerung als wertvoll und unverzichtbar
gelten, also auch bei denjenigen, die Theaterangebote selbst nicht nutzen. Wie wird das öffentliche Theater in der Stadtbevölkerung wahrgenommen? Welche Aufgaben sollen die (Stadt-)theater aus Sicht der Bevölkerung haben? Wie nehmen die Theaterschaffenden selbst ihre Aufgabe als (Stadt-)theater wahr, was wissen sie über die Erwartungen ihres potentiellen Publikums und wie reagieren sie darauf? Welche Programme werden neu entwickelt mit welcher Resonanz? Liegt die Zukunft der Stadttheater im Format der Bürgerbühne? Oder sind
die Theater mit all diesen neuen Aufgaben und Formaten hoffnungslos überfordert?
Wahrnehmbar ist, dass Theater ihre Aufgaben über die Präsentation von Stücken hinaus erweitern, um ihre Legitimität in einer sich ausdifferenzierenden ‚Stadtgesellschaft‘ zu sichern. Sie wollen zu ‚dritten Orten‘ werden, wo sich eine heterogene Bevölkerung treffen und über gemeinsame ästhetische und kulturelle Erfahrungen als Stadtgesellschaft formieren kann. Darüber hinaus setzen immer mehr Theater ihre Expertise und Ressourcen auch außerhalb ihrer Theaterhäuser in städtischen Projekten ein im Sinne eines Katalysators für Prozesse des Community Building und der kulturellen Stadtentwicklung. Dabei erfährt vor allem die Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund innerhalb der von kulturpolitischen Akteuren definierten Anspruchsgruppen aktuell
besondere Aufmerksamkeit.
• Birgit Mandel (TP3): Einführung in das Panel und Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung über Einstellungen zum öffentlich geförderten Theater
• Charlotte Burghardt (TP3): “Der Blick nach draußen.” Die Rolle der Stadttheater in der Stadtgesellschaft sowie die vermuteten Ansprüche des Publikums aus Sicht der Theaterschaffenden
• Hilko Eilts (Assoziiertes Mitglied der Forschungsgruppe): Diversifizierung der Programme der Stadt- und Staatstheater als Reaktion auf die veränderte Stadtgesellschaft
• Lukas Stempel (TP4): „Authentische“ Inszenierung von Stadtgesellschaft(en)? Neue(re) partizipative Theaterformen und deren Auswirkungen auf die Institution Stadttheater
• Das (un-)entbehrliche Theater? Die veränderte Rolle der (Stadt-)theater in einer pluralisierten Stadtgesellschaft – Diskussion von vier Thesen in kleineren Gruppen
Abschluss der Tagung mit Respondent Max Fuchs
Prof. Dr. Max Fuchs ist Honorarprofessor für Erziehungswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Er studierte Mathematik (Diplom) und Erziehungswissenschaft (Promotion in historischer Bildungsforschung), war Lehrer für Mathematik und anschließend 25 Jahre lang Leiter der Bundesakademie Remscheid für Kulturelle Bildung. Er war Vorsitzender der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung und Präsident des Deutschen Kulturrates (bis 2013). Als Gastdozent für Kultur- und Kunsttheorie sowie Kulturpolitik lehrt er an den Universitäten Hamburg und Basel. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind: Konstitution von Subjektivität und Bildungstheorie sowie Kulturpolitikforschung. Letzte Veröffentlichungen: Rechtes Denken und Kulturpessimismus 2019, Technik als Kultur 2019, Die Kulturschule und kulturelle Schulentwicklung 2018. Homepage: www.maxfuchs.eu
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Save the date: Jahrestagung 2019
28.11.2019 – 29.11.2019
“Kulturpolitische Dynamiken in den darstellenden Künsten. Legitimation, Steuerung, Aushandlungsprozesse” ist der Titel der zweiten Jahrestagung der Forschungsgruppe, die am 28. und 29. November 2019 in München stattfinden wird. Neben Vorträgen von Mitgliedern der Forschungsgruppe wird es Beiträge von Gästen aus Wissenschaft und Praxis geben.
Das konkrete Programm finden Sie hier.
Ort: Studiobühne der Theaterwissenschaft München. Eingang: Am Kosttor
Kostenfreie Anmeldung: krisengefuege@lmu.de
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Veröffentlichung: Regietheater und Opernkritik als Diskurs-und Vermittlungsebenen von Homosexualität
18.10.2019
Herausgegeben von Irene Lehmann, Katharina Rost und Rainer Simon, erschien am 08.10.2019 der Band “Staging Gender – Reflexionen aus Theorie und Praxis der performativen Künste“. Er beinhaltet einen Aufsatz von Dr. Sebastian Stauss mit dem Titel “Überwinden der Außenseiterrolle – Regietheater und Opernkritik als Diskurs- und Vermittlungsebenen von Homosexualität”. In Betrachtung des Kritikers als “Figur des Dritten” schlägt Sebastian Stauss eine Brücke zu seinem Forschungsprojekt. Erschienen ist der Band im transcript Verlag und ist dort auch erhältlich.
Vortrag von Sebastian Stauss an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
18.10.2019
Dr. Sebastian Stauss hält am 23.10.2019 einen Vortrag an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Der Vortrag findet statt im Rahmen der Ringvorlesung “Musiktheater: Praxis, Pädagogik, Wissenschaft”. Sebastian Stauss widmet sich darin dem Thema “Musiktheatervermittlung an deutschen Bühnen – Ansatzpunkte und Entwicklungslinien vor und nach der Wiedervereinigung”.
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Bericht: IFTR Konferenz in Shanghai
Inside and outside the City – Theatre and the Urban Public Sphere in Germany
28.08.2019
Die internationale Jahreskonferenz der IFTR (International Federation for Theatre Research) vom 8.-12. Juli stand unter dem thematischen Schwerpunkt “Theatre, Performance, and Urbanism”. Am Veranstaltungsort Shanghai Theatre Academy kam eine beeindruckende Anzahl internationaler Wissenschaftler*innen zusammen, um das Verhältnis zwischen Theater und Stadt aus den diversesten Perspektiven zu analysieren und sich auszutauschen.

Auch einige Mitglieder der DFG-Forschungsgruppe „Krisengefüge der Künste“ – Ulrike Hartung, Benjamin Hoesch und Anja Quickert – waren mit einem eigenen Panel vertreten. Unter dem Titel “Inside and outside the City – Theatre and the Urban Public Sphere in Germany” führte der Sprecher der Forschungsgruppe, Prof. Christopher Balme, zuerst in die besondere Situation der breiten, öffentlich geförderten Stadt- und Staatstheaterlandschaft in Deutschland ein. Damit wurde der institutionelle Rahmen verständlich, vor dessen Hintergrund die aktuellen Entwicklungs- und Transformationsprozesse, die Gegenstand der einzelnen Vorträge waren, ablesbar sind.
Am Beispiel der Oper in Dortmund führte Ulrike Hartung aus, welche innovativen strategischen Maßnahmen installiert wurden, um die Institution für Publikumsschichten zu öffnen, die traditionell nicht am Bereich „Hochkultur“ partizipieren. Anja Quickert stellte die besondere Dynamik zwischen Theater und Stadt in Berlin dar – mit Fokus auf der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und der Freien Theaterszene – die vor dem Hintergrund der Umbrüche 1989 eine dezidiert gesellschaftliche Relevanz behauptet. Daran schloss Benjamin Hoeschs Vortrag über das 2016 ins Leben gerufene Performing Arts Festival an, der die Transformationsdynamiken und die Professionalisierung der Berliner Freien Theaterszene unter der Maßgabe des „Kreativitätsdispositivs“ (Reckwitz) auch kritisch beleuchtete.

Unter der Gesprächsleitung von Chair Dodi Tavares Borges Leal, Professorin an der Universidade Federal Do Sul Da Bahia, folgte eine angeregte Diskussion auf die Vorträge, die sich auf Berlin als kulturellen Mikrokosmos mit spezifischer Eigendynamik einerseits und die funktionale Effizienz kulturpolitischer Förderinstrumente im deutschsprachigen Raum andererseits fokussierte, und sich auch über das Panel selbst hinaus fortsetzte. Der internationale Austausch mit Kolleg*innen, die sich wie die Forschungsgruppe ebenfalls mit dem Verhältnis von Theater und Stadtgesellschaft bzw. den Auswirkungen von Urbanisierungsprozessen auf die darstellenden Künste auseinandersetzen, war äußerst fruchtbar und für die weitere Forschungsarbeit überaus inspirierend.
Auf Anregung von Christopher Balme sollen die Vorträge nun bearbeitet und in internationalen Fachmedien publiziert werden.
- Ulrike Hartung: Opera and the city – Dortmund’s Bürgeroper between high culture and urban society
- Benjamin Hoesch: Closing stages, claiming the city – From 100˚ to Performing Arts Festival Berlin
- Anja Quickert: Performing (in) Berlin – The Performing Arts as Co-Producers and Reflection of the City’s Development and History
Interview mit Birgit Mandel
Im Theater sollte sich die gesamte Bevölkerung treffen
27.08.2019
Wer besucht Theater, Museen, Opern und Konzerthäuser – wer bleibt fern? Rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung geht niemals in öffentliche kulturelle Einrichtungen. Nur etwa 10 Prozent zählen zum Stammpublikum. Die Besuchszahlen an Theatern sind in 20 Jahren sukzessive gesunken. Wer die Kulturnutzer sind und wie sich die Kulturhäuser verändern und andere Aspekte ihrer Forschung legt Prof. Dr. Birgit Mandel im Interview dar.
Das Interview ist erschienen im Journal Die Relation (Ausgabe #5 2019) der Universität Hildesheim. Download hier (S. 63–67)
Forschungsgruppe bei IFTR Konferenz in Shanghai mit Panel vertreten
08.07.2019 – 12.07.2019
Bei der Jahreskonferenz 2019 der IFTR (International Federation for Theatre Research), die vom 8.-12. Juli unter dem Titel “Theatre, Performance, and Urbanism” in Shanghai/China stattfindet, sind mit Anja Quickert, Ulrike Hartung, Benjamin Hoesch und Christopher Balme auch Mitglieder der Forschungsgruppe vertreten.
Im Kontext der Tagung, die sich mit dem Zusammenspiel von Theater und Urbanisierungsprozessen, bzw. den Auswirkungen von Urbanisierung auf die darstellenden Künste und ihr soziologisches, stadtplanerisches, (kultur-)politisches, ökonomisches und architektonisches Umfeld auseinandersetzt, platziert die Forschungsgruppe ein Panel mit dem Titel “Inside and outside the City – Theatre and the Urban Public Sphere in Germany”. Folgende Vorträge sind geplant:
- Ulrike Hartung: Opera and the city – Dortmund’s Bürgeroper between high culture and urban society
- Benjamin Hoesch: Closing stages, claiming the city – From 100˚ to Performing Arts Festival Berlin
- Anja Quickert: Performing (in) Berlin – The Performing Arts as Co-Producers and Reflection of the City’s Development and History
General Panel “Inside and outside the City – Theatre and the Urban Public Sphere in Germany”
Chair: Prof. Dr. Christopher Balme
Opera and the city – Dortmund’s Bürgeroper between high culture and urban society
Dr. Ulrike Hartung
State funded opera houses in Germany are becoming increasingly a target of public criticism. The combination of certain factors – for example diversification of urban audiences, digitalization, changes in aesthetic demands etc. – raises questions of institutional legitimacy and thus a certain state of crisis. Opera houses develop systematic strategies to counter these kinds of transformative powers on the one hand and the related fundamental institutional criticism on the other: Oper Dortmund for example established Germany’s first so called Bürgeroper (citizen opera). It is a participative project to introduce a more diverse audience to opera and to integrate it directly into the creative process of a production.
Statistics indicate that every fifth resident in Germany has immigration status or a migratory background. Dortmund as a city with its highly diverse population is not being represented accordingly neither in the audience nor on management level. The new opera manager and his team considered this discrepancy as virulent and applied for a government program called 360° – Fund for Cultures of a New Urban Society. The aim of this program is to install “agents for intercultural opening” who are tasked with promoting cultural diversity within the program, personnel and audience of cultural institutions. One of these agents is now directing Dortmund’s Bürgeroper.
This paper will elaborate on this unique participative project. It will try to find a common goal between the agenda of cultural policy and everyday practice of musical theatre within the context of urban society. What measures are being developed to diversify as an institution, while also making a contribution to an intercultural and open society? How can these requirements be realized with the structural and aesthetic requirements of an opera house?
Closing stages, claiming the city: From 100˚ to Performing Arts Festival Berlin
Benjamin Hoesch, M.A.
Since 2016, the annual Performing Arts Festival (PAF) presents in a six-day time span more than 140 shows at over 70 venues in Berlin’s theatres, galleries, cafés, and public spaces. What might appear as the rampant expansion of a cultural initiative is in fact a strategic development in cultural policy. As anyone familiar with PAF’s predecessor knows, from 2003-2015 the four main locations of independent theatre opened their stages to anyone who signed up on time for the 100˚ Festival. It culminated in a final presentation of more than 120 uncurated shows – on only five stages – in an off-theatre “marathon”. For the new festival, the organizers invited all theatres in Berlin to participate, with the main program on the renowned stages now being meticulously selected and curated. Whereas for 100˚ Festival artists from all over Europe poured into the city to present their work, residence in Berlin is now a precondition for eligibility to the program.
The shift from 100˚ to PAF as discussed in this paper combines the spatial and organizational expansion with a conscious curatorial limitation, rendering the case study ambivalent to the common understanding of urbanism: The city does not absorb all external impulses unconditionally, but gains identity of its cultural institutions by limiting the access of outside players while simultaneously dissolving internal boundaries.
In fact, both festivals were understood by the organizers not as showcases of latest international theatre trends to a general urban public, but rather as a celebration of the local independent theatre scene. Although no longer promising access to big stages for everyone, the new structure of PAF seems to work better as a festival for the artists – who in fact make up for a good part of Berlin’s population. For the liminal time of the festival, they can symbolically and spatially retake the whole city as their stage.
Performing (in) Berlin – The Performing Arts as Co-Producers and Reflection of the City´s Development and History
Anja Quickert, M.A.
Since 2008, the Hauptstadt-Marketing GmbH has been promoting the image of the city with the slogan “Be Berlin”. It refers to the city as a place of inventive self-realization, be it as a tourist destination or as a hub of creative industries. Nevertheless, the crowding-out effect originating in Berlin’s new centre continues to threaten the basis of this very cultural capital: the existence of parts of the independent arts scene.
Since 1989 the independent performing arts community especially has inscribed itself into the city of Berlin with its site-specific work and has thus co-written the history and development of many Berlin locations like no other artistic community. It has performed and continues to do so in alternative urban spaces such as former cemetery chapels, workers’ quarters, factory buildings, Jewish orphanages, or embassies. These theatrical explorations have created spaces of experience for the most diverse social milieus as they staged places and their histories that had long since disappeared from collective memory. In this way, the independent performing arts community is Berlin’s liveliest city archive.
This paper provides a brief outline of the history of the performing arts in Berlin and their connections with urban spaces in the city since the German reunification. It will be argued that this close interdependence is the basis for the unique situation of Berlin´s urban and cultural development. Inquiring into the shifts in Berlin’s theatre landscape, which included the founding of the Performing Arts Festival in Berlin in 2016, the paper will show how the current situation of the independent scene in the context of urban development and the associated discourses must be understood as one of crisis.
Konferenz über politische Potenziale des Musiktheaters in Halle
05.07.2019 – 07.07.2019
„Gefühle sind von Haus aus Rebellen“
Musiktheater als Katalysator und Reflexionsagentur für gesellschaftliche Entwicklungsprozesse
Tagung des Forschungsinstituts für Musiktheater Thurnau der Universität Bayreuth in Kooperation mit der Oper Halle
05. – 07.07.2019
Oper Halle
Drei Tage lang diskutieren Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen und die Fachpresse die politischen Potenziale der Oper als vitale Form darstellender Kunst. Unter der Leitung von Dr. Ulrike Hartung, Dominik Frank und Kornelius Paede stellen das Forschungsinstitut für Musiktheater Thurnau und die Oper Halle auf der gemeinsamen Tagung die Frage nach den Möglichkeiten von Oper als »Reflexionsagentur der Gesellschaft« (Alexander Kluge). Teilnehmer*innen sind u.a. Dr. Jeanne Bindernagel, Dominik Frank, Sebastian Hannak, Valerie Kiendl, Fabian Lehmann, Florian Lutz, Dr. des. Sarah Mauksch, Dr. Christine Matzke, Michael v. zur Mühlen, Prof. Dr. Anno Mungen, Prof. Dr. Patrick Primavesi, PD Dr. Christiane Plank, Lionel Somé, PD Dr. Birgit Wiens und das Performance-Kollektiv „Dürer im Speckmantel“.
Freitag, 05. Juli, 16.30 Uhr
Samstag, 06. Juli, 10-22 Uhr
Sonntag, 07. Juli, 10-22 Uhr
Eintritt frei
Keynote von Axel Haunschild beim IMPULSE Festival
IMPULSE-Akademie Freies Theater zwischen Ermächtigung und Selbstoptimierung
21.06.2019
10:00 Uhr – 12:30 Uhr
Ringlokschuppen Ruhr, Mülheim an der Ruhr
Im Rahmen der IMPULSE-Akademie hält Prof. Dr. Axel Haunschild eine Keynote zur Konferenz UNDER CONTROL? — Steuerung und Optimierung in künstlerischen Prozessen.
Managementtechniken sind allgegenwärtig: Life- und Businesscoaches, Trainer*innen und Berater*innen machen vor, wie sich Alltag und Arbeit steuern, berechnen und optimieren lassen – vom eigenen Wohlbefinden über die Leistungsfähigkeit und den Arbeitsprozess bis hin zu den Ergebnissen. Auch im Freien Theater und in der künstlerischen Ausbildung schlägt sich diese Entwicklung nieder. Theaterschaffende werden von Mentor*innen und Coaches begleitet, künstlerische Arbeiten in Workshops und Feedbackgesprächen weiterentwickelt und abgeschlossene Projekte evaluiert. Aber ist das schon die Garantie für gute Kunst? Und wie viel Raum bleibt da noch für ergebnisoffenes Arbeiten, Intuition und Improvisation? Künstler*innen und Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen diskutieren die Zusammenhänge zwischen Kunstpraxis und Managementdiskursen, reflektieren, welche Auswirkungen Techniken der Leistungs- und Qualitätssteigerung auf Künstler*innen und künstlerische Ergebnisse haben, und diskutieren mögliche Alternativen zur gegenwärtigen Entwicklung.
Keynote von Axel Haunschild (Arbeitswissenschaftler, Leibniz-Universität Hannover)
Impulse und Diskussion von und mit: Sara Brandtstedt (selbstständige Managementcoachin), Dragana Bulut (Choreografin, mit HAPPYOLOGY im Impulse-SHOWCASE), Stefan Hölscher (Institut für Theaterwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum), Axel Haunschild (Institut für interdisziplinäre Arbeitswissenschaft der Universität Hannover), Cecilie Ullerup Schmidt (Institut für Kunst- und Kulturwissenschaft, Universität Kopenhagen)
Expert*innenbrunch beim NRW-Theatertreffen
02.06.2019
Im Rahmenprogramm des NRW-Theatertreffens laden Annette Zimmer und Johannes Crückeberg vom Teilprojekt 7 Expert*innen aus Wissenschaft und Theaterpraxis zum Austausch über das Arbeiten am Theater ein.
So 02. Juni / 11:30 Uhr / Theater Münster Foyer Großes Haus
Eintritt frei
Mitarbeiter*innentreffen und Klausurtagung der Forschungsgruppe in Hildesheim
15.05.2019 – 17.05.2019
Auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg trafen sich im Mai Mitarbeiter*innen und Teilprojektleiter*innen der Forschungsgruppe für ihr fünftes Mitarbeiter*innentreffen bzw. die dritte Klausurtagung. Neben auftaktgebenden Vorträgen von Gastgeber Prof. Dr. Jens Roselt und Prof. Dr. Birgit Mandel und aktuellen Berichten zum Forschungsstand aus den Teilprojekten stand vor allem das projektübergreifende Arbeiten auf der Agenda. In Annäherung an das Thema der nächsten öffentlichen Jahrestagung am 28. und 29. November 2019 in München bildeten sich Arbeitsgruppen zu thematischen und theoretischen Schnittmengen. Alexandra Manske als neu assoziiertes Mitglied der Gruppe stellte ihr aktuelles Forschungsprojekt Interessenvertretung im Kulturbereich vor.

Lukas Stempel als Keynote Speaker bei studentischem Symposium “Andere Räume”
03.05.2019
Eine Analyse der Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins zeigt, dass sich die Gesamtsumme der Veranstaltungen der sogenannten „fünften Sparte“, welche in der Theaterstatistik unter den Rubriken „sonstige Veranstaltungen“ und „theaternahes Rahmenprogramm“ gefasst werden, in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht hat. In seinem Vortrag diskutiert Lukas Stempel diese Entwicklungen und stellt ausgewählte neuere Formen und Formate vor. Zudem setzt er sich mit raumtheoretischen Überlegungen auseinander und thematisiert, dass die Theater im Zuge der Erweiterung des Rahmenprogramms andere Räume betreten.
Das Symposium “ANDERE RÄUME” – Performative und räumliche Strategien als kritische Praxis wird konzipiert und durchgeführt von Studierenden des Masterstudiengangs Theaterwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Studiobühne, Neuturmstr. 5, 80331 München (Eingang am Kosttor)
Programm
- symp_andere_raeume (2 MByte)
Vorträge von Ulrike Hartung und Benjamin Hoesch auf Konferenz in Sydney
26.04.2019 – 28.04.2019
Bei der Konferenz der Macquarie University Sydney, die vom 26.-28. April unter dem Titel “Theatre and Internationalisation + Barry Kosky: Past, Present, Future” in Sydney/Australien stattfindet, sind mit Ulrike Hartung und Benjamin Hoesch auch Mitglieder der Forschungsgruppe vertreten.
Im Kontext der Tagung, die sich mit dem Zusammenspiel von Theater und Internationalisierung, bzw. den Auswirkungen der Globalisierung auf die darstellenden Künste und Kunstschaffenden auseinandersetzt, platziert die Forschungsgruppe zwei Vorträge:
- Dr. Ulrike Hartung: Sex, Crime, and Music: Barrie Kosky’s Poppea as Postdramatic Music Theatre
- Benjamin Hoesch, M.A.: Young artists – international markets: European festivals of contemporary theatre
Sex, Crime, and Music: Barrie Kosky’s Poppea as Postdramatic Music Theatre
Dr. Ulrike HartungPublikationen
The theatrical landscape in the German-speaking countries is unique. Funded directly by the state or by individual municipalities, opera houses receive most of their subsidization. On the basis of this financial situation, one might assume that opera producers dispose of a certain artistic freedom, however, these opera houses are dominated by a certain homogeneous aesthetic called Regietheater (Director’s theatre). This aesthetic, developed in the early 1970s, focuses on hermeneutic interpretation of opera sujets that are constituent components of the repertoire. Giving it a new contemporary look Regietheater intends to make these sujets relevant for its contemporary audience.
As I stated in my dissertation Postdramatisches Musiktheater, alternative concepts of staging opera emerged approximately 20 years ago. These concepts were developed far from the large stages of opera houses, and follow theatrical strategies derived from what German theatre scholar Hans-Thies Lehmann called “postdramatic theatre”. Similar to the way Regietheater originated in drama, postdramatic theatre is an umbrella term for aesthetic tendencies which Lehmann observed in spoken theatre. Since the early 2000s these tendencies can also be found in opera productions.
This paper will attempt to point out the aesthetic differences between these two concepts of opera stagings. It considers Barrie Kosky’s Poppea (Schauspielhaus Vienna, 2003) that compiles baroque opera (L’incoronazione di Poppea by Claudio Monteverdi) with songs by Cole Porter as a vivid example for postdramatic music theatre.
Young artists – international markets: European festivals of contemporary theatre
Benjamin Hoesch, M.A.
In theatre artists’ biographies, the concept of the market has become widely accepted: not romanticized genius, but the productive balancing of demands, resources, personal branding and risk define the artist and his/her market value in relation to others as competitors. In this light, the history of art can be seen as a constantly renewing exchange of symbolic capital (Bourdieu) and a trend in market conditions towards dynamism and flexibility becomes apparent: Until recently, most theatre directors in Europe emerged from long term assistant work within a stably structured theatre system – defined, not least, by national or language borders. Now, the expectation towards emerging artists has shifted: Being educated in specialized academic programs, they can gain leading positions and public interest at a much younger age – made possible by the spread of festivals for young artists over Europe since the 1990s. But for that, they have to proof creative skill publicly, without any certainty to ever earn a living from art – and they increasingly compete with fellow artists on an international scale, following the example of all-round talents and global players like Barrie Kosky.
As I want to show, festivals for young artists are both an early reaction to and influential promotors of the internationalisation of theatre: In contrast to many nationally oriented study programs, they prepare artists for an increasingly international market; at the same time, they establish their own markets with competitive relations among artists who would never have met, had they stayed inside national theatre systems. As a result, young artists take a leading role in the trend towards internationalisation – while being concerned the most with its consequences of flexibility demands and toughening competition.
Based on my field research at “Fast Forward – European Festival for young directors” (Dresden) and at “World Stage Design 2017” (Taipei), interviews on the festival “Premières” (Strasbourg) as well as archive research on “Plateaux” (Frankfurt), I want to discuss the interrelations between increasing public interest in young artists and the internationalisation of markets.
Veröffentlichung: Interview mit Mara Käser in den Kulturpolitischen Mitteilungen
Tagungseindrücke im Generationenmix
25.04.2019
Mara Käser vom Teilprojekt „Markt als Krise” wird im April 2018 in den Kulturpolitischen Mitteilungen Heft 164 I/2019 zur Thematik der Generationenfrage als kulturpolitische Kategorie interviewt.
Kontrastiert durch die Sicht Gerd Dallmanns als Vertreter der 1968er-Generation, legt Mara Käser als Vertreterin der Generation Y ihre Sicht auf das diesjährige Kulturpolitische Kolloquium in Loccum dar, welches sich mit Veränderungsprozessen in Kulturinstitutionen und der Rolle, die Kulturpolitik und -verwaltung dabei einnehmen, beschäftigt hat.
Hier der Link zum Artikel “Alter ist keine kulturpolitische Kategorie”.
Veröffentlichung: Die Forschungsgruppe publiziert erste Working Papers
15.03.2019
Zur spezifischen und vertiefenden Untersuchung theoretischer Fragen veröffentlicht die Forschungsgruppe auf dieser Website in loser Folge Working Papers. Die kurzen Beiträge dienen der kritischen Auseinandersetzung mit theoretischen Konzepten sowie deren grundsätzlicher Weiterentwicklung. Aus diesem Grund sollten die Working Papers nicht als abgeschlossene theoretische Beiträge, sondern vielmehr als Einladung zum Austausch konzeptueller Positionen betrachtet werden. Die ersten Working Papers basieren auf Beiträgen zur Jahrestagung der Forschungsgruppe, die im November 2018 unter dem Titel „Krise als Motor? Theater zwischen Stillstand und Wandel“ in München stattfand.
Drittes Klausurtreffen der Projekt-Mitarbeiter*innen
01.03.2019
Im Februar trafen sich die Projektmitarbeiter*innen zum dritten Klausurtreffen in Hannover. Thematisch setzten sich die Teilnehmer*innen mit dem kulturpolitischen Diskurs auseinander, betrachtet aus aktueller und historischer Perspektive. Als Gast stellte zunächst die Projektleiterin des Teilprojekts “Passion als Beruf — Karriere und Arbeitssituation des künstlerischen, technischen und administrativen Personals an ausgewählten Mehrspartenbühnen in NRW und den neuen Bundesländern” Fr. Prof.in Dr. Annette Zimmer in ihrem Impulsvortrag “Kultur als Politik” aktuelle Forschungstendenzen zum kulturpolitischen Diskurs vor. Im Rahmen ihrer Ausführungen verdeutlichte Prof.in Zimmer, dass der Diskurs sich in ökonomische, sozialdemokratische/partizipative und/oder ideell-normative Positionen gliedern lässt. Gemeinsam wurde im Anschluss an den Vortrag zusammengetragen, in welchen Kontexten sich die einzelnen Teilprojekte mit dem Begriff der Kulturpolitik auseinandersetzen. Anknüpfend an die Positionen zur Kulturpolitik stellte das assoziierte Mitglied Hilko Eilts in seinem Vortrag interne und externe Steuerungselemente von öffentlich getragenen Stadt- und Staatstheatern vor. Dadurch wurde der theoretisch angelegte Diskurs beispielbezogen konkretisiert. Dr. Sebastian Stauss und Johannes Crückeberg historisierten am zweiten Sitzungstag die Überlegungen zum kulturpolitischen Diskurs, indem sie im Rahmen eines Vortrags die “Kulturpolitische Diskursgeschichte der BRD” vorstellten. Es folgten nach einer abschließenden Diskussion zur Thematik Kulturpolitik organisatorische Absprachen zu Veröffentlichungen, Konferenzteilnahmen und der Klausurtagung im Mai in Hildesheim.

Loccumer Kulturpolitisches Kolloquium
Mit Beteiligung von Mitgliedern der Forschungsgruppe
15.02.2019 – 17.02.2019
Vom 15. bis 17. Februar 2019 fand in der Evangelischen Akademie Loccum das 64. Loccumer Kulturpolitische Kolloquium zum Thema „Generation(en) Wechsel” statt. Neben Generationenfragen wurden vor allem institutionelle Veränderungsprozesse, die Beziehung von Kulturpolitik und Kultur sowie neue Aufgaben von Kultur- und Kunsteinrichtungen in den Fokus genommen. Mit Prof. Dr. Birgit Mandel , Charlotte Burghardt (beide zudem an der Organisation der Tagung beteiligt), Mara Käser und Johannes Crückeberg waren gleich vier Mitglieder der Forschungsgruppe bei unterschiedlichen Programmpunkten der Tagung eingebunden. Prof. Dr. Birgit Mandel hielt einen Vortrag über Veränderungen im Cultural Leadership durch Generation Y? – Ergebnisse einer Befragung von älteren und jüngeren Führungskräften in öffentlichen Kultureinrichtungen in Deutschland und mögliche Konsequenzen.
“Was unterscheidet Ziele, Arbeitsweisen und Führungsstile von Leitungen öffentlich geförderter Kultureinrichtungen in Deutschland, die den sogenannten Generationen Golf und Y angehören, von denen, die in der Zeit der 1968er und den Jahren danach sozialisiert wurden? Verfolgen neue Generationen von Führungskräften – viele davon Absolvent/innen von Kulturmanagement-Studiengängen – andere Ziele und Werte mit ihrer Arbeit und im Umgang mit Mitarbeitenden? Inwieweit wird Führung auch durch institutionelle Logiken und durch aktuelle kulturpolitische Herausforderungen im Kontext von gesellschaftlichen Megatrends wie Digitalisierung, Migration, Internationalisierung beeinflusst?
Vorgestellt werden Ergebnisse eines Forschungsprojekts auf Basis von 40 Interviews mit älteren und jüngeren Führungs-Persönlichkeiten in öffentlich geförderten Kulturinstitutionen.
Die wahrgenommene Zunahme unterschiedlicher gesellschaftlicher Ansprüche an öffentliche Kultureinrichtungen (von hochwertiger Kunstproduktion über Bildungsaufgaben bis zu sozialen Aufgaben etwa im Bereich Integration) ebenso wie die höheren Erwartungen von Mitarbeitenden der Generation Y an Mitbestimmung erfordert die Auseinandersetzung mit neuen Konzepten von „Leadership”. Damit verbunden ist die Chance, institutionelle Verfestigungen aufzubrechen und öffentliche Kultureinrichtungen zukunftsfähiger und diverser zu gestalten.”
Veröffentlichung: Open Data in der Kulturstatistik
28.01.2019

Johannes Crückeberg vom Teilprojekt „Passion als Beruf“ und Lukas Stempel vom Teilprojekt „Von Bürgerbühnen und Stadtprojekten“ veröffentlichten im Dezember 2018 in den Kulturpolitischen Mitteilungen Heft 163 IV/2018 einen Artikel zur Thematik „Open Data in der Kulturstatistik“.
Anhand von drei Beispielen diskutieren die Autoren, in welcher Form und Intensität Statistiken von deutschen Kulturinstitutionen frei zugänglich im Internet zur Verfügung gestellt werden.
Hier der Link zum Artikel.
TP 4 “Von Bürgerbühnen und Stadtprojekten” zu Gast an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg
10.12.2018 – 11.12.2018
Am 10. und 11.12.2018 fand an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg die Auftakttagung zum Forschungsprojekt „Schnittstellen zwischen Hochkultur und Kultureller Bildung“ statt. Ziel des vom Bayerische Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst geförderten Forschungsprojekts ist es, die Potentiale von Coburger Kultur- und Bildungsinstitutionen für die kulturelle Teilhabe zu erforschen.

Als Gäste waren vom Teilprojekt „Von Bürgerbühnen und Stadtprojekten ‒ Neu-Formatierung als Symptom des institutionellen Wandels im gegenwärtigen deutschen Stadt- und Staatstheater“ Bianca Michaels und Lukas Stempel eingeladen. In ihrem Vortrag stellten sie erste Zwischenergebnisse ihrer Forschungsarbeit vor. Der Fokus lag insbesondere auf der Frage, welchen Stellenwert Formen mit nicht-professionellen Darsteller*innen im öffentlich getragenen Theater haben.
Im anschließenden Tischgespräch war Silke zum Eschenhoff aus dem Teilprojekt „Markt als Krise — Institutioneller Wandel und Krisendiskurse in der Freien Theaterszene“ zu Gast. Gemeinsam mit Tagungsteilnehmer*innen diskutierte sie über Formen und Formate, wie bspw. der Bürgerbühne, und deren Auswirkungen auf die Arbeitsprozesse an Stadt- und Staatstheatern.

Fotos: Katrin Lohbeck / Hochschule Coburg.
Resümmee der Jahrestagung 2018
Per Graphic Recording wurde die Tagung festgehalten.
06.12.2018
Die Jahrestagung 2018 des Forschungsprojekts mit dem Titel „Krise als Motor? Theater zwischen Stillstand und Wandel“ fand im Rahmenprogramm des Festivals Politik im Freien Theater am 7. und 8. November statt. Auf der neuen Studiobühne des Instituts für Theaterwissenschaft der LMU München wurden den 121 Teilnehmer*innen die Ansätze, Recherchen und erste Forschungsergebnisse der sieben Teilprojekte in Vorträgen und Podiumsgesprächen vorgestellt sowie mit Theaterschaffenden und dem Publikum diskutiert. Live und pointiert auf großen Charts zusammengefasst wurde die Tagung vom Graphic Recorder Thorsten Ohler.
Panel 1: Theater und kulturpolitische Agenda.
Anwendungsorientierte Analyse an Theatern in München, Dortmund und Rostock

Panel 2: Förderstrukturen und Arbeitsbedingungen.
Reich? Über das Aufbegehren in den (freien) darstellenden Künsten

Resümmee der Jahrestagung 2018
Per Graphic Recording wurde die Tagung festgehalten.
06.12.2018
Die Jahrestagung 2018 des Forschungsprojekts mit dem Titel „Krise als Motor? Theater zwischen Stillstand und Wandel“ fand im Rahmenprogramm des Festivals Politik im Freien Theater am 7. und 8. November statt. Auf der neuen Studiobühne des Instituts für Theaterwissenschaft der LMU München wurden den 121 Teilnehmer*innen die Ansätze, Recherchen und erste Forschungsergebnisse der sieben Teilprojekte in Vorträgen und Podiumsgesprächen vorgestellt sowie mit Theaterschaffenden und dem Publikum diskutiert. Live und pointiert auf großen Charts zusammengefasst wurde die Tagung vom Graphic Recorder Thorsten Ohler.
Panel 1: Theater und kulturpolitische Agenda.
Anwendungsorientierte Analyse an Theatern in München, Dortmund und Rostock
Panel 2: Förderstrukturen und Arbeitsbedingungen.
Reich? Über das Aufbegehren in den (freien) darstellenden Künsten
Panel 3: Strukturwandel der Kulturnachfrage.
Ansprüche an Stadt- und Staatstheater aus der Perspektive der Bevölkerung und der Kulturpolitik

Panel 4: Change Agents wider die Krise?
Staatlich geförderte „interkulturelle Öffnung“ an der Oper Dortmund

Panel 6: Partizipative Formate.
Laien als Innovationstreiber für neue Formate am öffentlich getragenen Stadt- und Staatstheater?

Zweites Klausurtreffen der Projekt-Mitarbeiter*innen
09.11.2018
Beim für 2018 abschließenden Treffen aller Projekt-Mitarbeiter*innen wurden die nächsten Schritte im kommenden Förderjahr besprochen. Gleich für Anfang 2019 ist ein Retreat angesetzt – mit dem Thema kulturpolitischer Rahmenbedigungen der darstellenden Künste auf kommunaler und auf Länder-Ebene. Zum Abgleich und zur Feinabstimmung beim empirischen Vorgehen einzelner Teilprojekte wurden von Dr. sc. Eckhard Priller (TP 7) Konzept und Methodik der geplanten Vollerhebung an kooperierenden Theatern präsentiert und im Plenum diskutiert. Auch die Formierung und Planung gemeinsamer Panels auf internationalen Fachtagungen schreitet voran und wird demnächst konkretisiert.
Jahrestagung 2018: „Krise als Motor? Theater zwischen Stillstand und Wandel“
im Rahmen des Festivals Politik im Freien Theater
07.11.2018 – 08.11.2018
Mittwoch, 7. November: 9.30 – 18.00 Uhr
Donnerstag, 8. November: 9.30 – 13.30 Uhr
Ort: Studiobühne TWM,
Eingang: Am Kosttor
München
Kostenfreie Anmeldung unter krisengefuege@lmu.de
Die ortsverteilte Forschungsgruppe Krisengefüge der Künste setzt sich aus Teilprojekten der Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen und nimmt vor allem Veränderungen und Beharrungstendenzen im gegenwärtigen deutschen Theater in den Fokus. Die These der Forschungsgruppe ist, dass Krisendiskurse nicht nur eine destabilisierende, sondern vielmehr eine aktivierende und transformierende Funktion haben. Sind Krisendiskurse und ihre Ursachen nicht nur Symptom, sondern auch Motor der Veränderung institutioneller Blockaden und Stillstände?
Die Wissenschaftler*innen stellen die Projekte vor und diskutieren ihre Thesen mit Gästen aus der Praxis
Programmübersicht
Mittwoch, 7. November
9:45 – 11:15
Theater und kulturpolitische Agenda
Anwendungsorientierte Analyse an Theatern in München, Dortmund und Rostock
Mit: Johannes Crückeberg, Hilko Eilts, Eckhard Priller, Sebastian Stauss, Annette Zimmer
11:45 – 13:15
Förderstrukturen und Arbeitsbedingungen
Reich? Über das Aufbegehren in den (freien) darstellenden Künsten
Mit: Silke zum Eschenhoff, Christoph Gurk, Axel Haunschild, Mara Käser, Anja Quickert, Anne Schneider, Franziska Schößler, Veit Sprenger
13:15 – 14:15
Mittagspause
14:15 – 15:15
Strukturwandel der Kulturnachfrage
Ansprüche an Stadt- und Staatstheater aus der Perspektive der Bevölkerung und der Kulturpolitik
Mit: Charlotte Burghardt, Birgit Mandel, Moritz Steinhauer
15:45 – 17:45
Key Note und Podiumsgespräch
Mit: Peter Walgenbach, Christopher Balme, Axel Haunschild und Annette Zimmer
Donnerstag, 8. November
9:30 – 10:30
Change Agents wider die Krise?
Staatlich geförderte „interkulturelle Öffnung“ an der Oper Dortmund
Mit: Günfer Çölgeçen, Merle Fahrholz, Ulrike Hartung
10:45 – 11:45
Nachwuchskünstler*innen als Innovationshoffnung
Biografische Krise, ästhetisches Risiko?
Mit: Barbara Engelhardt, Benjamin Hoesch, Gerald Siegmund
12:00 – 13:15
Partizipative Formate
Laien als Innovationstreiber für neue Formate am öffentlich getragenen Stadt- und Staatstheater?
Mit: Elisabeth Luft, Bianca Michaels, Lukas Stempel
Abstracts und Kurzbiografien
Mittwoch, 7. November
Theater und kulturpolitische Agenda. Anwendungsorientierte Analyse an Theatern in München, Dortmund und Rostock
9:45 – 11:15
Mit: Johannes Crückeberg, Hilko Eilts, Eckhard Priller, Sebastian Stauss, Annette Zimmer
Seit den 1970er Jahren gibt es eine lebhafte Diskussion zu den kulturpolitischen Konzeptionen in Deutschland: Zu Beginn forderte die „neuen Kulturpolitik“ die Demokratisierung der Gesellschaft durch Kultur und etablierte die Soziokultur. Heute hingegen prägt häufig Richard Floridas Konzept der kreativen Klasse die Diskussionen um (kommunale) Kulturpolitiken: Kultur wird im Wettbewerb um die kreativen Klassen als Standortfaktor verstanden.
Diese und weitere kulturpolitische Konzeptionen sollen in diesem Panel an den Beispielen des Volkstheaters Rostock, des Theaters Dortmund und des Münchner Marstalls untersucht werden.
Das Volkstheater Rostock hat hierbei nach der Wende als politischem, gesellschaftlichem und kulturellen Schock eine lange Krisenzeit mit großen Personalkürzungen und einer hohen Fluktuation in der Leitungsebene hinter sich. Kulturpolitik auf kommunaler und Landesebene wurde hierbei häufig von dritter Seite als ideenlos und kulturfremd agierend beschrieben.
Das Theater Dortmund entwickelt sich hingegen seit 2010 positiv, wachsende Besucherzahlen und bundesweite Aufmerksamkeit zeugen davon. Kommunale Kulturpolitik hat hierbei nicht nur Geschick bei der Personalwahl bewiesen, sondern zeigt auch sonst, dass das Theater in die kulturpolitischen Grundstrategien der Stadt eingebunden ist.
Zuletzt der Münchner Marstall: Die Spielstätte durchlief als Vermittlungsebene mehrere Stationen eines Wandels: Seit den 1970er Jahren war sie Experimentierbühne und Labor der Bayerischen Staatsoper, bevor sie in den 90er Jahren – und in verschiedenen Abstufungen bis heute – verstärkt vom Staatsschauspiel, auch zur Erprobung neuer Formate, genutzt wurde. Dabei spielten zwischenzeitlich auch kulturpolitische Konzeptionen auf kommunaler Ebene ihre Rolle in der Weiterentwicklung der Bühne.
Insgesamt soll in diesem Panel so die Verflechtung zwischen Kulturpolitik und Theater vor allem in Zeiten von Krise und Wandel skizziert werden.
Gast:
Hilko Eilts promoviert am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin über Transformationsprozesse im deutschen Stadttheatersystem seit der Wende und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Hannover im Studiengang Szenografie, Kostüm und experimentelle Gestaltung. Zuvor war er als Dramaturg am Theater Bremen, Theater Augsburg sowie am Theater Osnabrück tätig sowie freischaffend als Festivalleiter (Spieltriebe-Festival Osnabrück und Outnow!-Festival der Schwankhalle Bremen).
Forschungsgruppenmitglieder des DFG-Teilprojekts
Passion als Beruf – Karriere und Arbeitssituation des künstlerischen, technischen und administrativen Personals an ausgewählten Mehrspartenbühnen in NRW und den neuen Bundesländern
Westfälische Wilhelms-Universität Münster/ Institut für Politikwissenschaft, Maecenata Institut für Philanthropie und Zivilgesellschaft, Berlin:
Johannes Crückeberg ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Münster und promoviert zum Thema „Künstlerresidenzen in der Auswärtigen Kulturpolitik“. Er hat Europäische Studien, Ökonomie sowie Politik- und Verwaltungswissenschaften in Konstanz, Osnabrück, Port Elizabeth und Paris studiert. Zudem war er als Projektmanager am Goethe-Institut Ramallah und als externer Berater für das Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Bangalore tätig.
Eckhard Priller ist Ökonom und Soziologe, Lehrbeauftragter an mehreren Hochschulen und wissenschaftlicher Co-Direktor des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft. Schwerpunkt seiner Tätigkeit sind die empirische Forschung zur Zivilgesellschaft, zum bürgerschaftlichen Engagement und zu Spenden. Aktuell arbeitet er als Projektmitarbeiter im Forschungsprojekt „Passion als Beruf? Karriere und Arbeitssituation an Stadttheatern”.
Annette Zimmer ist Universitätsprofessorin für Deutsche und Europäische Sozialpolitik und Vergleichende Politikwissenschaft am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Annette Zimmer hat bereits eine Vielzahl von Forschungsprojekten zum Nonprofit Sektor begleitet, darunter auch eine Reihe von EU-Projekten. Darüber hinaus engagiert sie sich im Beirat des Netzwerkes für Frauen und Geschlechterforschung NRW und war President der International Society for Third Sector Research (ISTR). Zudem ist sie Initiatorin des Weiterbildungsstudiengangs „Nonprofit Management and Governance“ an der WWU Münster und leitet das Forschungsprojekt „Passion als Beruf? Karriere und Arbeitssituation an Stadttheatern”.
Forschungsgruppenmitglied des DFG-Teilprojekts
Die dritte Ebene — Musiktheatervermittlung und der enkulturative Bruch
Ludwig-Maximilians-Universität München/ Institut für Theaterwissenschaft:
Sebastian Stauss studierte Theaterwissenschaft mit Schwerpunkt Musiktheater an der LMU. Neben Promotion und Lehrtätigkeit arbeitete er als Musikredakteur und freier Autor für verschiedene Medien, wissenschaftliche Zeitschriften und Nachschlagewerke. In der DFG-Forschergruppe Krisengefüge der Künste arbeitet er als Postdoc im Teilprojekt.
Förderstrukturen und Arbeitsbedingungen
Reich? Über das Aufbegehren in den (freien) darstellenden Künsten
11:45 – 13:15
Mit: Silke zum Eschenhoff, Christoph Gurk, Axel Haunschild, Mara Käser, Anja Quickert, Anne Schneider, Franziska Schößler, Veit Sprenger
Die Freie Theaterszene hat sich gewandelt. Auf den ersten Blick wurde das Fördersystem an unterschiedlichen Stellen ausgebaut. Der Bund beispielsweise stockte 2017 seine jährliche Beteiligung am Hauptstadtkulturfonds sowie 2018 am Fonds Darstellende Künste auf. Das Land NRW erhöhte 2018 den Etat für die Freien Darstellenden Künste um 50%. Aber auch das 2011 von der Kulturstiftung des Bundes initiierte Programm Doppelpass zielt auf einen strukturellen Wandel. Hybride Arbeitsweisen zwischen der Freien Szene und festen Theaterhäusern sind entstanden. Formen der Projektarbeit und recherchebasierte Stückentwicklungen, lange Zeit Charakteristika der Freien Szene, finde sich vermehrt in festen Theaterhäusern. Die Freie Szene ist insgesamt sichtbarer und selbstbewusster geworden, auch durch selbstorganisierte Bündnisse und politische Aktivitäten. Wie hat sich das Selbstverständnis der Akteure aus der Freien Szene gewandelt? Ist eine höhere Souveränität daraus hervorgegangen? Die Aktivitäten und die stärkere Positionierung des Bundesverbands Freie Darstellende Künste, der Landesverbände, der Koalition Freie Szene, aber auch des ensemble-netzwerks zeigen, wie fragil die ökonomischen und politischen Strukturen der Theater, insbesondere der Freien Szene, nach wie vor sind. Die Forderung einer Mindestgage sowie ein Zuwachs und damit ein größerer Pool von Freien Theatergruppen, die um Fördergelder konkurrieren, sind Beispiele, dass sich trotz Aufstockung des Fördervolumens die ökonomischen Arbeitsbedingungen wenig verändert haben. Zusätzlich werden die Räume für die Freie Szene knapp. Das schränkt die Autonomie ein und führt zu neuen, anderen Formen der Prekarisierung innerhalb der Freien Szene, deren Akteure den Spagat zwischen Konkurrenz und Zusammenschluss austarieren müssen. So prägt auch der zeitgenössische, politische Kontext mit dem Erstarken des Rechtspopulismus die Freie Szene. Neben der gemeinsamen Lobbyarbeit für solide ökonomische Arbeitsverhältnisse, führt auch er zu einer Bündelung und Kollektivierung von Interessen. Hat sich die Freie Szene auch als politischen Akteur entdeckt? Diese Themen, Tendenzen und Trends sind Gegenstand des Panels. Nach einer thematischen Einführung in das Teilprojekt „Markt als Krise: Institutioneller Wandel und Krisendiskurse in der Freien Theaterszene“ folgt ein Gespräch mit Anne Schneider, Veit Sprenger und Christoph Gurk.
Gäste:
Christoph Gurk ist als Mitglied des künstlerischen Leitungsteams der Münchner Kammerspiele (Intendant: Matthias Lilienthal) für die Programmbereiche Freies Theater und Musik zuständig. Nach journalistischen Tätigkeiten, u.a. Chefredakteur der Zeitschrift Spex, war er als Kurator und Dramaturg u.a. an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz sowie im HAU Hebbel am Ufer tätig.
Anne Schneider ist seit 2009 freischaffend als Regisseurin tätig und realisiert regelmäßig Koproduktionen in Berlin und Hamburg, u.a. am Ballhaus Ost, am Theater unterm Dach und am LICHTHOF Theater Hamburg. Sie leitete das KALTSTART Festival und konzipierte anschließend das Festival Hauptsache Frei für die Freie Szene Hamburgs, das sie von 2014-2017 als Künstlerische Leiterin begleitete. Seit Anfang 2017 ist sie Geschäftsführerin des Bundesverbands Freie Darstellende Künste.
Veit Sprenger ist Theatermacher, Autor und Musiker sowie Gründungsmitglied der Theatergruppe Showcase Beat le Mot. Er lehrt unter anderem in Berlin, Hamburg und Oslo und hat 2005 sein Buch „Despoten auf der Bühne – Die Inszenierung von Macht und ihre Abstürze“ veröffentlicht.
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Forschungsgruppenmitglieder des DFG-Teilprojekts
Markt als Krise – Institutioneller Wandel und Krisendiskurse in der Freien Theaterszene
Leibniz Universität Hannover/ Institut für Interdisziplinäre Arbeitswissenschaft, Universität Trier/ Neuere deutsche Literaturwissenschaft:
Silke zum Eschenhoff ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Leibniz Universität Hannover im DFG-Teilprojekt und war u.a. als Produktionsleiterin am HAU Hebbel am Ufer und Dramaturgin bei Theater der Welt 2014 tätig. Nach der stellvertretenden Leitung der Bürgerbühne am Staatsschauspiel Dresden 2014/15 leitete sie von 2016 – 2018 die Mannheimer Bürgerbühne.
Axel Haunschild ist Professor und Direktor des Instituts für interdisziplinäre Arbeitswissenschaft an der Leibniz Universität Hannover und leitet zusammen mit Franziska Schößler das DFG-Teilprojekt. Er forscht u.a. zu neuen Arbeits- und Organisationsformen im Kontext zunehmender Vermarktlichung, zu Beschäftigungsverhältnissen in den Creative bzw. Cultural Industries sowie zu Projektifizierung, Flexibilisierung und Digitalisierung von Erwerbsarbeit. Lehrtätigkeiten führten ihn nach Trier, London und Innsbruck.
Mara Käser ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Leibniz Universität Hannover im DFG-Teilprojekt und promoviert mit einem Stipendium des Cusanuswerks an der Schnittstelle von Theater- und Arbeitswissenschaft. Sie absolvierte ein Masterstudium in Theaterwissenschaft und Kulturmanagement sowie ein Bachelorstudium in Soziologie. Praktische Erfahrungen sammelte sie u.a. bei der Stiftung für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit, bei der Unternehmensberatung actori sowie an der Hamburger Kunsthalle.
Anja Quickert ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Trier im DFG-Teilprojekt, lebt in Berlin und schreibt als freie Autorin u.a. für Theater heute. Als Dramaturgin hat sie an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz gearbeitet und in der Freien Szene. Seit 2011 ist sie die Geschäftsführerin der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft und verantwortet deren regelmäßige Veranstaltungsreihen, derzeit im Deutschen Theater Berlin. Sie hat die internationale Konferenz “Das Rätsel der Freiheit” mitgeleitet sowie das Theaterfestival “Heiner Müller!” am HAU Hebbel am Ufer 2016.
Franziska Schößler ist Professorin für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Trier und leitet zusammen mit Axel Haunschild das DFG-Teilprojekt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Gender Studies, Ökonomie und Literatur, Drama und Theater (insb. Gegenwartsdramatik) sowie kulturwissenschaftliche Literaturtheorie.
Strukturwandel der Kulturnachfrage
Ansprüche an Stadt- und Staatstheater aus der Perspektive der Bevölkerung und der Kulturpolitik
14:15 – 15:15
Mit: Charlotte Burghardt, Birgit Mandel, Moritz Steinhauer
Die öffentlich subventionierten Stadt- und Staatstheater sehen sich seit Jahren vielfältigen, oftmals widersprüchlichen Erwartungshaltungen unterschiedlicher Anspruchsgruppen gegenüber. Zum einen werden Produktionen von der Fachöffentlichkeit in Hinblick auf ihre künstlerische Qualität und Innovation bewertet, zum anderen sollen bestimmte Publika, wie etwa langjährige Abonnent*innen nicht „verschreckt“ und zugleich neue, junge Zuschauer*innen erschlossen werden. Denn vonseiten der Kulturpolitik wird die gesellschaftliche Legitimation und die Subventionierung oftmals – in Ermangelung von geeigneten Messinstrumenten zur Beurteilung von künstlerischer Qualität – an Besuchszahlen und erwirtschafteten Eigenanteilen festgemacht. Die mit dieser diffizilen Situation konfrontierten Theater, deren kulturpolitische Aufträge vielfach nur vage formuliert sind, müssen jedoch neben solch strategischen Entscheidungen weiterhin ihr Tagesgeschäft bewältigen. Lösungsansätze – etwa zur Akquirierung neuer Publikumsschichten – werden daher oftmals nur als Add-On-Lösung realisiert, sodass es nicht zu einem strukturellen Wandel des Systems der Stadt- und Staatstheater kommt.
Angesichts einer Homogenisierung des Stammpublikums vieler Stadt- und Staatstheater stellt sich aus kulturpolitischer Perspektive die Frage, wie die öffentlich geförderten Theater repräsentativer und relevanter für eine zunehmend diverse Bevölkerung werden können. Welche Erwartungen und welches Image verbinden (Nicht-)Besucher*innen mit dem Stadt- und Staatstheater? Inwieweit findet der Strukturwandel der Kulturnachfrage und die Veränderung kultureller Interessen v.a. durch Migration, Internationalisierung und Digitalisierung Eingang in die kulturpolitischen Aufträge und die Arbeit der Theaterschaffenden? Welche Maßnahmen werden von Theatern und vonseiten der Kulturpolitik ergriffen, um auf die wachsende Diversität der Bevölkerung, die Alterung des traditionellen Stammpublikums und die mangelnde Enkulturation nachfolgender Generationen zu reagieren?
Das Panel thematisiert zunächst, welche Entwicklungen aus kulturpolitischer Perspektive eine „Krise“ des Theaters vermuten lassen, indem Ergebnisse der Analyse entsprechender Diskursorgane aus Kulturpolitik und Theaterfachöffentlichkeit (wie etwa den Kulturpolitische Mitteilungen und Theater der Zeit) vorgestellt werden. Eines der immer wiederkehrenden Themen des Diskurses ist dabei der mögliche Legitimationsverlust der Stadt- und Staatstheater aufgrund der homogenen Zusammensetzung des Publikums. Diese Thematik wird anhand von Ergebnissen aus der empirischen (Nicht-)Besucher*innenforschung beleuchtet. Abschließend werden Erkenntnisse aus Theater-Fallstudien zu Ansätzen vorgestellt, mit denen eine diversere Besucherschaft erreicht werden soll.
Forschungsgruppenmitglieder des DFG-Teilprojekts
Strukturwandel der Kulturnachfrage als Auslöser von Anpassungs- und Innovationsprozessen in deutschen Stadt- und Staatstheatern
Universität Hildesheim/ Institut für Kulturpolitik:
Charlotte Burghardt studierte Theaterwissenschaft und Politikwissenschaften in Leipzig und Kultur- und Medienmanagement in Hamburg. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Teilprojekt an der Universität Hildesheim und promoviert zu Diversität an Stadt- und Staatstheatern.
Birgit Mandel ist Professorin an der Universität Hildesheim und leitet dort den Studienbereich Kulturvermittlung und Kulturmanagement im Institut für Kulturpolitik, sowie den Masterstudiengang Kulturvermittlung. Sie forscht zu Kulturnutzung, Audience Development, Kulturvermittlung, Kultur-PR, (internationales) Kulturmanagement, Cultural Entrepreneurship und Kulturpolitik und ist Leiterin des Teilprojektes „Strukturwandel der Kulturnachfrage als Auslöser von Anpassungs- und Innovationsprozessen an deutschen Stadt- und Staatstheatern“.
Moritz Steinhauer studierte Kulturwissenschaften in Leipzig und Kulturmanagement in Ludwigsburg. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Teilprojekt, lehrt an der Universität Hildesheim und promoviert zu Entscheidungsfindungen an Stadt- und Staatstheatern im Zwiespalt zwischen Erwartungen unterschiedlicher Anspruchsgruppen.
Key Note und Podiumsgespräch
15:45 – 17:45
Mit: Peter Walgenbach, Christopher Balme, Axel Haunschild und Annette Zimmer
Peter Walgenbach ist Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre/Organisation, Führung und Human Resource Management an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der neoinstitutionalistischen Organisationstheorie. Er hat eine Reihe von Büchern im Bereich Organisation und Management verfasst und herausgegeben sowie in international führenden Fachzeitschriften im Bereich Organisation und Management publiziert. Er ist ein Senior Editor der internationalen Fachzeitschrift Organization Studies. 2016 hat er den Humboldt-Award des Riksbanken Jubileumsfonds (Schweden) erhalten. Er war Gastwissenschaftler an der Stanford University und der Stockholm School of Economics.
Donnerstag, 8. November
Change Agents wider die Krise?
Staatlich geförderte „interkulturelle Öffnung“ an der Oper Dortmund
9:30 – 10:30
Mit: Günfer Çölgeçen, Merle Fahrholz, Ulrike Hartung
2017 beschloss die Kulturstiftung des Bundes mit „360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft“ ein Förderprogramm, mit dem sie u. a. durch Einsatz von „Agenten“ die „kulturelle Diversität der Städte in den Programmangeboten, im Personal und im Publikum von Kultureinrichtungen“ fördern möchte. Der aktuelle Status quo orientiere sich nicht am „Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte“ und ihrem Anteil an der Bevölkerung. Zunächst genehmigte die Stiftung die Förderung von „Agenten“ für 17 Kultureinrichtungen mit rund 6 Mio. Euro, darunter 5 Theater, u.a. die Oper Dortmund.
Nach einer kurzen inhaltlichen Hinführung zum Thema soll dieses Panel im Gespräch mit Günfer Çölgeçen, der „Agentin für interkulturelle Öffnung“ an der Oper Dortmund und Merle Fahrholz, der leitenden Musiktheater-Dramaturgin und stellvertretenden Intendantin am selben Haus, das Spannungsfeld zwischen kulturpolitischer Agenda und (musik-)theaterpraktischem Alltag ausloten: Welche Maßnahmen werden erarbeitet, um sich als Einrichtung, wie in der Ausschreibung gefordert, zu „diversifizieren und einen Beitrag zu einer selbstbewussten, Einwanderern gegenüber offenen Gesellschaft so gestalten können, dass die Stadtgesellschaft davon profitiert“? Wie lassen sich diese Anforderungen mit den strukturellen und ästhetischen Anforderungen eines Opernhauses vereinbaren? Welche Auswirkungen haben sie auf die organisationelle Struktur des Hauses, auf das Publikum und nicht zuletzt auf die Ästhetik der Bühnenproduktionen?
Gäste:
Günfer Çölgeçen ist Schauspielerin, Regisseurin und Theaterpädagogin und lebt seit ihrem sechsten Lebensjahr in Deutschland. Zwischen 1992 und 2018 realisierte sie 25 Eigenproduktionen. Von 2012 bis 2016 arbeitete sie zudem mit Ensembles für Neue Musik. Als hybrides Theater der Gegenwart erscheinen ihre aktuellen Arbeiten unter dem von ihr 2009 gegründeten Theaterlabel Freie Radikale. Theaterproduktionen mit migrantischen, postmigrantischen und transkulturellen Themen sind inhaltliche Schwerpunkte ihrer Tätigkeiten als Kulturmanagerin. Im Februar 2017 erschien die Publikation Hybride Kunst. Seit 1994 arbeitet sie zusätzlich als Theaterpädagogin und machte 2017 ihren BUT-Abschluss im Off-Theater Neuss. In der Bandbreite ihrer Arbeiten finden sich inklusive Arbeiten mit Menschen mit Beeinträchtigungen, experimentelle Performances mit SchülerInnen und Zusammenarbeiten mit Menschen, die aus Kriegsgebieten geflüchtet sind. An der Oper Dortmund ist sie seit der Spielzeit 2018/19 als Agentin für Interkulturelle Öffnung tätig.
Merle Fahrholz ist seit der Spielzeit 2018/19 Chefdramaturgin und Stellvertretende Intendantin an der Oper Dortmund. Zuvor war sie als Dramaturgin für Musiktheater am Theater und Orchester Heidelberg (2016 bis 2018) und am Nationaltheater Mannheim (2013 bis 2016) engagiert, von 2007 bis 2013 leitete sie die Musiktheaterdramaturgie des Theaters Biel Solothurn (Schweiz). Sie betreut als Produktionsdramaturgin unterschiedlichste Inszenierungen von Repertoirewerken, selten gespielten Opern und Uraufführungen sowie Stückentwicklungen. Zudem engagiert sie sich im Bereich Kulturvermittlung, so zeigte sie sich u.a. mit Catching fire – Haendel on the Road gemeinsam mit Alvaro Schoeck für ein interkulturelles Händelprojekt verantwortlich, das in mehreren Etappen in Serbien durchgeführt wurde. Am Theater und Orchester Heidelberg organisierte sie darüber hinaus Symposien an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis, u.a. in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg sowie der UNESCO City of Literature Heidelberg. Sie promovierte 2015 an der Universität Zürich mit einer Arbeit zu Heinrich August Marschners romantischer Oper Der Templer und die Jüdin.
Forschungsgruppenmitglied des DFG-Teilprojekts
Beharrungs- und Bewegungskräfte – Musiktheater im institutionellen Wandel zwischen Musealisierung und neuen Formaten
Universität Bayreuth/ Forschungsinstitut für Musiktheater:
Ulrike Hartung ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsinstitut für Musiktheater Thurnau (fimt) im DFG-Teilprojekt. Sie promovierte im Graduiertenkolleg Musik und Perfor-mance an der Universität Bayreuth mit einer Arbeit zum Postdramatischen Musiktheater. Nach ihrem Magister-Studium der Theaterwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung des Musiktheaters, der englischen sowie der neueren deutschen Literaturwissenschaft in Leipzig und Bayreuth war sie u. a. als wissenschaftliche Mitarbeiterin am fimt und als Lehrbeauftragte, z. B. an der Goethe-Universität Frankfurt, tätig.
Nachwuchskünstler*innen als Innovationshoffnung
Biografische Krise, ästhetisches Risiko?
10:45 – 11:45
Mit: Barbara Engelhardt, Benjamin Hoesch, Gerald Siegmund
Junge Theaterkünstler*innen haben seit der Jahrtausendwende mit der Gründung zahlreicher Nachwuchsfestivals an renommierten Stadt- und Staatstheatern sowie Häusern der Freien Szene einen ungekannten Interessenszuwachs in Theaterbetrieb und Öffentlichkeit erfahren. Dabei wollen sich die höchst unterschiedlichen Formate nie nur als individuelle Fördermaß-nah¬me verstanden wissen, sondern versprechen mit dem Einbezug neuer, bislang unbeachteter Künstler*innen Innovationen, die dem Theater Zukunftsperspektiven auch für die kommenden Generationen sichern: Ausblicke auf das „Theater von morgen“. Die Hoffnungen liegen also gerade auf Künstler*innen, die sich zwischen Ausbildung und Berufseintritt in einer biografischen Krise – einer Umbruchsphase der Entscheidung, mit ungewissem Fortgang – befinden. Genau deshalb werden ihnen Risikobereitschaft und Empörungskraft gegen bestehende Verhältnisse zugetraut – zugleich aber Bewährungsproben und Anpassungsdruck an etablierte Normen entgegengehalten. In diesem Spannungsfeld sind einerseits junge Regisseur*innen mit eigener Ästhetik und neuen Arbeitsweisen deutlich beschleunigt in Verantwortungspositionen und zu Auszeichnungen gekommen; andererseits verbleiben „Nachwuchskünstler*innen“ oft dauerhaft in der krisenhaften Außenposition kurzlebiger und unverbind¬licher Engagements für Festivals, Gastspiele oder Klein¬produk¬¬tionen. Insofern kann die Rolle der Hoffnungsträger*innen sowohl jungen Künstler*innen innovative Gestaltungs¬möglich¬keiten eröffnen, wie auch als rein diskursive Formation ohne organisationelle Konse¬quenz gerade institutionellen Beharrungskräften zuspielen – eine Ambivalenz, die in der Gleichzeitigkeit von Beifall und Skepsis gegenüber Nachwuchsfestivals in Öffentlichkeit wie unter betroffenen Künstler*innen selbst resultiert.
Das Panel umreißt dieses Spannungsfeld und stellt erste Befunde des Teilprojekts „Nachwuchsfestivals – Zwischen Event und der Suche nach neuen Formen“ vor. Anschließend wird im Gespräch mit Barbara Engelhardt erörtert, welche Rolle junge Künstler*innen für institutionelle Innovation spielen und welche organisationellen Bedingungen sie zu integralen Mitgliedern eines europäischen „Theater von heute“ machen können.
Gast:
Barbara Engelhardt ist seit 2017 Künstlerische Leiterin des Maillon, Theater der Stadt Straßburg – Europäische Bühne. Nach der Tätigkeit als verantwortliche Redakteurin von Theater der Zeit war sie von 2004 bis 2012 Kuratorin des Festivals Le standard idéal in der MC93 in Bobigny/Paris. In dieser Zeit gründete und leitete sie auch die beiden Nachwuchsfestivals Premières (von 2005 bis 2015 am Théâtre National de Strasbourg, später auch am Badischen Staatstheater Karlsruhe) sowie FAST FORWARD – Europäisches Festival für junge Regie (2010 bis 2016 am Staatstheater Braunschweig, 2017 umgezogen ans Staatsschauspiel Dresden).
Forschungsgruppenmitglieder des DFG-Teilprojekts
Nachwuchsfestivals – Zwischen Event und der Suche nach neuen Formen
Justus-Liebig-Universität Gießen/ Institut für Angewandte Theaterwissenschaft:
Benjamin Hoesch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gießen im DFG-Teilprojekt. Nach dem Studium der Theaterwissenschaft und Literaturwissenschaft in Mainz, Valencia und Tel Aviv war er von 2013 bis 2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Mainz; gleichzeitig absolvierte er ein Masterstudium in Angewandter Theaterwissenschaft in Gießen, wo er mehrere studentische Festivals koorganisierte und -kuratierte. Mit eigenen Performance- und Musiktheaterarbeiten wurde er u.a. zu den Nachwuchsfestivals Körber Studio Junge Regie und Radikal Jung eingeladen.
Gerald Siegmund ist Professor für Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 2015 bis 2018 war er dort Leiter des DFG-Projekts „Theater als Dispositiv“, das den Wandel der Produktions- und Rezeptionsweisen im Theater der Bundesrepublik seit 1970 untersuchte. Seine Forschungsschwerpunkte sind das Gegenwartstheater und der zeitgenössische Tanz, Theatertheorien, Performance, Intermedialität und die vielfältigen Grenzbereiche des Theaters zu den anderen Künsten.
Partizipative Formate
Laien als Innovationstreiber für neue Formate am öffentlich getragenen Stadt- und Staatstheater?
12:00 – 13:15
Mit: Elisabeth Luft, Bianca Michaels, Lukas Stempel
Starre Strukturen, Reformunfähigkeit und Inflexibilität werden insbesondere in den öffentlich getragenen Stadt- und Staatstheatern dafür verantwortlich gemacht, dass die Theater zunehmend Schwierigkeiten haben, ihre Existenz und die damit einhergehenden ökonomischen Belastungen für die jeweiligen Träger zu legitimieren. Trotz dieser im öffentlichen Diskurs allgegenwärtig erscheinenden Erstarrung der Stadt- und Staatstheater sind innerhalb der vergangenen 15 Jahre in der Spielplangestaltung der Häuser bereits quantitativ signifikante Veränderungen zu beobachten: Während die Anzahl der Veranstaltungen bei den Neuinszenierungen im Bereich Schauspiel keine auffälligen Schwankungen festzustellen sind, verzeichnet der Deutsche Bühnenverein in seiner jährlich erscheinenden Theaterstatistik an anderer Stelle signifikante Veränderungen: Allein die Gesamtsumme der Veranstaltungen der sogenannten „fünften Sparte“, welche in der Theaterstatistik unter den Rubriken „sonstige Veranstaltungen“ und „theaternahes Rahmenprogramm“ gefasst werden, hat sich in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht. Anhand der Analyse der oben genannten neuen Formen eröffnet sich die Frage, ob bzw. inwiefern derartige Formate nicht nur den Spielplan einzelner Theaterorganisationen verändern, sondern wie diese aus einer Makroperspektive zugleich als Symptom oder sogar Motor einer grundlegenden Transformation auf institutioneller Ebene betrachtet werden können. Das Panel „Partizipative Formate“ präsentiert anhand ausgewählter Beispiele erste Zwischenergebnisse des Teilprojekts zur Neu-Formatierung als Symptom des institutionellen Wandels. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Frage, welchen Stellenwert Formen mit nicht-professionellen Darsteller*innen im öffentlich getragenen Theater haben.
Forschungsgruppenmitglieder des DFG-Teilprojekts
Von Bürgerbühnen und Stadtprojekten – Neu-Formatierung als Symptom des institutionellen Wandels im gegenwärtigen deutschen Stadt- und Staatstheater
Ludwig-Maximilians-Universität München/ Institut für Theaterwissenschaft:
Elisabeth Luft ist Masterstudentin der Theaterwissenschaft an der LMU. Ihr Bachelorstudium absolvierte sie in den Fächern Deutsche Sprache und Literatur sowie Medienkulturwissenschaft an der Universität zu Köln. Seit März 2018 ist sie studentische Hilfskraft im DFG-Teilprojekt.
Bianca Michaels ist akademische Rätin an der LMU und Leiterin des DFG-Teilprojekts. In ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit setzt sie einen Schwerpunkt auf institutionelle Fragen des Gegenwartstheaters und hat wiederholt zu damit zusammenhängenden Fragestellungen geforscht und gelehrt. Darüber hinaus konzipierte und initiierte sie im Rahmen ihrer Tätigkeit als Mitgründerin und Leiterin (gemeinsam mit Christopher Balme und Antje Otto) der berufsbegleitenden Weiterbildung Theater- und Musikmanagement an der LMU verschiedenste praxisbezogene und kulturpolitische Podiumsdiskussionen, Workshops, Vorträge und Lehrformate. Seit 2016 ist sie Geschäftsführerin des Department Kunstwissenschaften.
Lukas Stempel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der LMU und Mitarbeiter im DFG-Teilprojekt. Nach dem Bachelor- und Masterstudium im Fach Theaterwissenschaft arbeitete er drei Jahre als wissenschaftlicher Koordinator und Leiter des Studienbüros am Department Kunstwissenschaften der LMU. Forschungsinteressen sind neben der Publikumsforschung in Kunst, Musik, Theater der Wandel der Institution Theater sowie die Struktur- und Organisationsveränderungen in deutschen Stadttheatern seit den 1990er Jahren.


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- Flyer Jahrestagung Krisengefüge 2018 (76 KByte)
Erstes Klausurtreffen der Projekt-Mitarbeiter*innen
im fimt/ Universität Bayreuth
17.09.2018 – 19.09.2018

Das erste Klausurtreffen der Projekt-Mitarbeiter*innen fand in den Räumlichkeiten des fimt (Universität Bayreuth) auf Schloss Thurnau statt. Im Zentrum der Diskussion stand, neben der Besprechung und dem Abgleich der Teilprojektstände, die Befolgung interdisziplinärer Richtlinien und neuester wissenschaftlicher Standards. Vor allem wurden im Gespräch zusätzliche Wege der teilprojektübergreifenden Kooperation deutlich, die weiter verfolgt werden sollen: bei empirischen Arbeitsschritten (z.B. Interviews in den für Fallstudien deutschlandweit verteilten Städten und Theatern), in der Begriffsschärfung und Theoriebildung, der Gestaltung gemeinsamer working papers, Vorträge und Panels bei anstehenden Konferenzen und Fachtagungen sowie im kontinuierlichen Austausch zu Coaching- und Mentoring-Programmen (insbesondere als Gleichstellungsmaßnahmen), zum Forschungsdaten- und zum Publikationsmanagement.
ZDF Bericht “Zukunftsvisionen für das Theater”
Der letzte Vorhang fällt noch lange nicht
06.06.2018
“Visionär, experimentierfreudig, aber finanziell klamm – wie soll das Theater der Zukunft aussehen?”

Anlässlich der Jahreshauptversammlung des Deutschen Bühnenvereins wurde Prof. Dr. Christopher Balme vom ZDF zu Zukunftsvisionen für das deutsche Theater befragt. Er weist auf den Spagat, den öffentliche Theater zu leisten haben, hin: “Auf der einen Seite müssen Stadt- und Staatstheater einen Kulturauftrag erfüllen, damit sie weiterhin öffentliche Fördermittel bekommen. Auf der anderen Seite müssen sie den verschiedenen Interessen des Publikums gerecht werden.” Hinzukommen Schwierigkeiten in Bezug auf das nachwachsende Publikum: “Die Praxis, dass Kinder innerhalb der Familie ans Theater herangeführt werden, ist heute nicht mehr selbstverständlich.”
Erste Klausurtagung der Forschungsgruppe
an der Leibniz Universität Hannover
17.05.2018 – 18.05.2018
Auf der ersten Klausurtagung aller Forschungsgruppenmitglieder am Institut für interdisziplinäre Arbeitswissenschaft an der Leibniz Universität Hannover tauschten sich die Wissenschaftler*innen über den Stand der Arbeit in den Teilprojekten aus. Im Gastvortrag „Transformationen als Herausforderung: Wie dynamisch ist der Neo-Institutionalismus?” gab Prof. Dr. Guido Möllering, Direktor und Lehrstuhlinhaber am Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung der Universität Witten/Herdecke, der Forschergruppe Impulse für die weitere methodische Reflexion. Themenpanels und mögliche Gastredner*innen der ersten Jahrestagung, die am 7. und 8. November in München stattfinden wird, wurden diskutiert.
Tags darauf trafen sich in kleinerer Runde die Projektmitarbeiter*innen ohne die Projektleiter*innen, um über Möglichkeiten der internen Vernetzung und des Austauschs zu sprechen. In einem Workshop setzten sie sich mit der qualitativen Daten- und Textanalyse auseinander, die zentraler Bestandteil des Forschungsprojekts ist.
Konferenz: Systemische Krisen im europäischen Theater
Goethe-Institut London
27.04.2018 – 28.04.2018
Diese internationale Konferenz befasst sich mit der Krise des Theaters in Europa. Quer durch den Kontinent lassen sich tiefgreifende institutionelle Herausforderungen und Transformationen beobachten: Kürzungen der Finanzierung, demographischer Wandel, mediale und technologische Innovationen, politische Interventionen, Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit sowie ästhetische Veränderungen. Jeder Faktor allein kann selten eine Krise auslösen, aber in Kombination führen sie zu einer Destabilisierung von institutionellen Strukturen. Es besteht daher ein dringender Forschungsbedarf, wie dieses Krisengefüge zu signifikanten Veränderungen führen kann, und zwar in der Art und Weise, wie Theater verstanden, organisiert, produziert und rezipiert wird. Die Konferenz versammelt Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen und Ländern, um diese europaweiten Krisensymptome zu untersuchen.
Keynotes: Shannon Jackson (Professorin für Rhetorik, Theater, Tanz und Performance Studies, UC Berkeley), Chris Dercon (Intendant, Volksbühne Berlin) im Gespräch mit Peter Boenisch (Kodirektor, European Theatre Research Network), Axel Haunschild (Professor, Leibniz Universität Hannover) und Tracy C. Davis (Barber Professor of Performing Arts; Professorin für Englisch und Theater, Northwestern University).
Videos der Keynotes finden Sie hier.
Vorträge der Forschungsgruppe Krisengefüge der Künste:
Prof. Dr. Alex Haunschild: “The Theatrical Employment System in Crisis? How Working Conditions Are Changing in Theatre and Elsewhere“
(Leibniz Universität, Teilprojekt 2: Markt als Krise – Institutioneller Wandel und Krisendiskurse in der Freien Theaterszene)
Dr. Bianca Michaels: “Participatory Formats in Public German Theatre: Symptom of or Answer to an Incremental Legitimation Crisis?“
(Ludwig-Maximilians-Universität, Teilprojekt 4: Von Bürgerbühnen und Stadtprojekten — Neu-Formatierung als Symptom des institutionellen Wandels im gegenwärtigen deutschen Stadt- und Staatstheater)
Dr. Sebastian Stauss: “A crisis of the singers’ market“
(Ludwig-Maximilians-Universität, Teilprojekt 1: Die Dritte Ebene – Musiktheatervermittlung und der Enkulurative Bruch)
Die Abstracts der Vorträge aller Krisengefügemitarbeiter finden sie unter “Downloads” am Ende der Seite.
International besetzte Gesprächsrunden:
- Postsozialistisches Theater
- Finanzierungskrisen
- Aktivismus
- Besetzungen
- Wege aus der Krise?
- Institutionelle Kritik
- Performance in der Krise
- Krise des Wandels
Konzeption:
Christopher Balme (LMU Munich/ Leverhulme Visiting Professor Royal Central School of Speech and Drama)
Tony Fisher (Royal Central School of Speech and Drama).
Partner:
Royal Central School of Speech and Drama
Institute for Theatre Studies, LMU Munich
DFG-Forschungsgruppe: Krisengefüge der Künste: Institutionelle Transformationsdynamiken in den darstellenden Künsten der Gegenwart
Goethe-Institut London
Unterstützt durch The Leverhulme Trust